Bildbearbeitung:
Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2)

Der nachfolgende Artikel befaßt sich mit den Möglichkeiten des Abwedelns und Nachbelichtens. Im vorangegangenen ersten Teil ging es um die Herkunft und Bedeutung dieser Technik. Im heutigen zweiten Teil werden praktische Aspekte mit einem Bearbeitungsbeispiel aufgezeigt.

Praktische Umsetzung
Die zuvor schon angeführte, schonendere Methode besteht im Grundsatz darin, zwei neue Ebenen mit 50% Grau zu füllen und diese der eigentlichen Bildebene zu überlagern. Die als „Weich“ bezeichnete Ebene wird dabei im Modus „Weiches Licht“, die als „Hart“ bezeichnete Ebene im Modus „Ineinanderkopieren“ mit 100% überlagert. Wie sich in den Ebenenbezeichnungen andeutet, kann durch Wahl der Arbeitsebene eine sanftere oder energischere Bearbeitung durchgeführt werden.

Die genannten Ebenen und Einstellungen werden komfortabel durch den Aktionsset angelegt. Wir wählen dazu den Reiter Aktionen im rechten Menü (ggf. mit Alt-F9 aufrufen), öffnen das Dropdown-Menü am rechten Rand und wählen „Aktionen laden“. Die Aktion ist fortan, auch bei weiteren Programmstarts, verfügbar. Zum schnellen Aufruf habe ich mir die Aktion darüber hinaus auf F10 gelegt. Das Originalbild muß übrigens als Hintergrundebene (ohne weitere Bearbeitungsebenen) vorhanden sein, sonst gibt es einen Fehler im Aktionsaufruf.

Die Tonwertkorrekturen erfolgen nur auf einer der beiden neu angelegten Arbeitsebenen und nicht auf der Ebene des Originalbildes, wodurch die Feinstruktur des Bildes unangetastet bleibt. Zur Bearbeitung wählen wir dann – je nach Wunsch – das Werkzeug „Abwedeln“ oder „Nachbelichten“ und stellen die Pinselstärke auf 0 ein (weiche Kante). Als Bereich werden die „Mitteltöne“ ausgewählt, als Ausgangswert zum Belichtungsmaß sind 10% empfehlenswert.

Für punktuelles Arbeiten empfehle ich 20 bis 40 Pixel Pinselgröße, eine Zoomstufe von 100% und die Wahl der Arbeitsebene „Hart“; für kleinflächiges Arbeiten entsprechend 80 bis 200 Pixel Pinselgröße, eine Zoomstufe von 50% und die Wahl der Arbeitsebene „Weich“.

Werkzeugeinstellungen in Photoshop

Das Bestechende an dieser Herangehensweise besteht darin, daß wir den Effekt durch Doppelung der Ebene verstärken, durch Minderung der Ebenendeckkraft abschwächen oder (wenn das Ergebnis gar nicht gelungen erscheint) durch Löschen der Ebene rückgängig machen können – die Bearbeitung ist also nicht desktruktiv.

Ein Bearbeitungsbeispiel
Nun möchte ich noch ein Bearbeitungsbeispiel aus meiner Languedoc-Serie zeigen. Mich sprach die neblige Stimmung sehr an, die im Sinne der durchscheinenden Berge auch etwas Geheimnisvolles barg. Doch wirkte das Ausgangsbild in seinen Tonwerten etwas flau und der räumliche Eindruck gering, was ich in der Ausarbeitung ausgleichen wollte.

Ich wählte zunächst die Arbeitsebene „Hart“ und modulierte die Bäume im Vordergrund, indem ich mit kleiner Pinselspitze deren Randbereiche und Helligkeitszonen abwedelte. Dann wählte ich die Arbeitsebene „Weich“ und betonte den Kontrast zwischen Vorder- und Hintergrund, indem ich den Wald mit größerer Pinselspitze nachbelichtete. Das Ergebnis vor und nach Bearbeitung zeigt Bild 4.

Beispielbild vor und nach der Bearbeitung

Einsatzbereiche der Technik
Das Bearbeitungsbeispiel zeigte die Verwendung der Technik im Bereich der Landschaftsfotografie. Ein weiteres, geradezu klassisches Einsatzgebiet ist die Porträtfotografie, um etwa die Augen aufzuhellen oder den plastischen Eindruck der Gesichtszüge zu verstärken.

Hinsichtlich weiterer Verwendungsmöglichkeiten sind der Phantasie wenig Grenzen gesetzt. Wenn Ihr Euch nun ermuntert fühlt, ein solch behutsames „Finish“ bei Euren Bildern und in verschiedenen fotografischen Situationen einmal selbst auszuprobieren, wäre der Zweck dieses Artikels erreicht.

4 Antworten
  1. Wolfgang says:

    Hallo Thomas,

    herzlichen Dank für den Artikel und für das Aktionenset.
    Eine Methode, die ich noch nicht kannte, obwohl ich diese „alten“ Bearbeitungsmethoden oft nutze.

    Es hat sich offensichtlich ein kleiner Fehler im Text eingeschlichen, du schreibst:
    „… das Werkzeug “Abwedeln” oder “Nachbelichten” und stellen die Pinselstärke auf 0 ein (weiche Kante).“
    Ich denke, du meinst hier die Pinsel*härte*.

    Viele Grüße
    Wolfgang

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