Lina Kim/Michael Wesely:
Schattenloses Brasília

Ein schattenloses Brasília: Die Langzeitbelichtungen von Lina Kim und Michael Wesely zeigen die utopische Hauptstadt, als ob die Sonne niemals unterginge.

Eixo Monumental, 2004, copyright Lina Kim & Michael Wesely, VG BildKunst 2012 courtesy Kunsthalle zu Kiel

Über sieben Jahre reisten Lina Kim und Michael Wesely in die vom Architekten Oscar Niemeyer entworfene brasilianische Hauptstadt. Die großformatigen Bilder entstanden in aufwändigen Verfahren.

Belichtet wurde jeweils von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Was sich währenddessen dort bewegt hat, Menschen, Tiere, Straßenverkehr, wird in der Langzeitbelichtung zur fast vollständig aufgelösten Geisterspur. Das Brasília-Projekt wird erweitert um historisches Fotomaterial aus der nur vierjährigen Entstehungszeit der aus dem Nichts entstandenen, 1960 eingeweihten Stadt. Lina Kim und Michael Wesely haben sich dazu auf künstlerische Spurensuche in die Archive begeben. Die aktuelle Ausstellung im Stadthaus Ulm zeigt neben den Langzeitbelichtungen die teils farblich rekonstruierten Prints aus der Bauzeit.

Eixo Rodoviário, 2004, copyright Lina Kim & Michael Wesely, VG BildKunst 2012 courtesy nusser & baumgart

Der in Berlin lebende Michael Wesely, Jahrgang 1963, wurde unter anderem mit seiner Arbeit über die Neuentstehung des Potsdamer Platzes in Berlin mit Belichtungszeiten von bis zu 26 Monaten bekannt. Die Website von Michael Wesely ist leider nicht weiter aufschlussreich. Das Brasília-Projekt gibt es als Bildband mit Titel Archiv Utopia (Affiliate-Link) beim Heidelberger Kehrer-Verlag.

Parque da Cidade Sarah Kubitschek, 2004, copyright Lina Kim & Michael Wesely, VG BildKunst 2012 courtesy nusser & baumgart

Die brasilianisch-koreanische Künstlerin Lina Kim, Jahrgang 1965, befasst sich immer wieder mit Architektur und ortsspezifischen Aspekten. Bei Youtube gibt es ein Video, in dem Lina Kim und Michael Wesely gemeinsam über ihr Brasília-Projekt Auskunft geben (in englischer Sprache mit portugiesischen Untertiteln).

Km 23, Panamericana, 2008 © Franziska Agrawal

Bis zum 10. Februar wird im Ulmer Stadthaus neben Brasília die Ausstellung mit Fotografien der Künstlerin Franziska Agrawal aus Limas Elendsvierteln gezeigt – „Lima-a-Mil“. Drei Jahre hat Agrawal in Lima gelebt und die vielfältigen Facetten dieser Stadt hautnah erlebt. Mit ihrem Zyklus über die Barriadas der Elf-Millionen-Metropole am Fuße der Anden will sie auf die Probleme von rasant wachsenden Großstädten hinweisen. Ihre Bilder zeigen die Folgen des ungehemmten Wachstums. Wir erfahren mehr auf der Website von Franziska Agrawal.

Lina Kim/Michael Wesely – Brasília
Bis 7. April
Stadthaus Ulm, Münsterplatz 50, Büro: Münsterplatz 2, D-89073 Ulm
+49 (0)731 / 161 7700, E-Mail Kontaktformular auf der Website
Montag bis Samstag 9 – 18 Uhr, Donnerstag 9 – 20 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 – 18 Uhr

Michael Wesely
Stadthaus Ulm

4 Antworten
  1. Ole says:

    WOW!! Als begeisterter Hobbyfotograf (und zufälligerweise auch Brasilien-Fan) lese ich hier schon eine ganze Weile mit. Aber die Bilder gehören zu den spannendsten. Die Motive sprechen mich zwar nicht so an, aber die Technik dahinter.

    Habt ihr Informationen zu den weiteren Einstellungen der Kamera wie Blende, Iso oder ggf Filter? Ich rätsel gerade, wieso die Bilder bei einer derartig langen Belichtungszeit nicht völlig überbelichtet sind.

    Antworten
    • tbrotzler says:

      Das ist ein „nicht ganz unschwieriges Gebiet“ der Fototechnik …

      Du benötigst zunächst einen Graufilter mit einer geradezu irrsinnigen Absorption bzw. eine ganze Armee von hintereinander geschraubten Filtern. Der übliche ND10, der die Belichtung um etwa 10 Blendenstufen erhöht, hilft bei solchen Gantztagesaufnahmen nicht groß weiter.

      Hinzu kommen weitere Komplikationen durch den Schwarzschildeffekt bei der analogen bzw. durch das Bildrauschen bei der digitalen Fotografie.

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