Leserfoto:
wunderschöne, klirrende Kälte

Der Schnee blendet, die Luft ist klirrend kalt und die Landschaft ist in blaues Licht getaucht. Doch wie zeigt man Kälte in Schwarz/Weiss? © Rainer Bachmann
Kommentar des Fotografen:

Diese drei Bäume hoben sich schön vor einer frischverschneiten Waldlandschaft ab. Dazu kam ziemlich heftiges, diffuses Seiten- bis Gegenlicht. Ich hatte das Bild im Prinzip schon in Schwarzweiß im Kopf, war mir aber ob des starken Lichts und der glitzernden Schneedecke nicht sicher, ob auch alle verschiedenen Grauwerte rüberkommen würden, oder das ganze Bild in einem zu harten Kontrast ´absaufen´ würde. Ich bin eigentlich ganz glücklich damit und habe das Bild nicht punktuell bearbeitet, sondern lediglich den Kontrast ein wenig erhöht, so daß die drei Bäume sich schön abheben. Kann damit auch ein Profi leben?

Marke: Canon
Modell: Canon EOS 500D
Belichtungszeit: 1/200
ISO: 100
Blende: 11/1
Brennweite: 46/1

—–

Das Bild von Rainer zeigt eine Winterlandschaft wie man sie in ländlichen Gegenden finden kann: ein satter Nadelwald im Hindergrund und davor ein paar vereinzelte kahle Laubbäume. Die Gruppierung der Bäume ist schön getroffen, sowohl der einzelne Baum links wie auch die Gruppe auf der rechten Seite befinden sich im Goldenen Schnitt. Dass die Horizontale, welche die Bäume bilden, nicht dieser Drittel-Regel entspricht, stört nicht. Wichtiger finde ich, dass die Linie der Tannengipfel aus der linken oberen Ecke zu kommen scheint. Die Fusstapfen im linken unteren Rand verleihen dem Bild Spannung und bilden einen Einstieg für unseren Blick.

Eine Belichtung in Schnee und erst noch im Gegenlicht ist eine heikle Angelegenheit. Hier haben die Baumstämme keine Zeichnung mehr, während der Schnee gräulich scheint und auch die einzelnen Tannen im Hintergrund zu erkennen sind. Alles in allem ist mir persönlich der Gesamteindruck etwas zu weich und kontrastarm. Ich habe mittels Tonwertkorrektur nun mal den Gesamtkontrast etwas erhöht und partiell die Tiefen nachbelichtet und die Lichter – also das Gegenlicht in den Bäumen – abgewedelt. Um insgesamt mehr Schärfe und somit mehr Kontrast zu erhalten, ohne dass Tonwerte verloren gehen, habe ich zum Schluss die Hintergrundebene dupliziert und darauf den Hochpassfilter im Modus „Ineinanderkopieren“ angewendet und auf 20% Deckkraft gesetzt. Wie das genau funktioniert, habe ich in diesem Artikel beschrieben.

Dadurch, dass sich der Raureif auf den Ästen nun deutlicher abhebt, hat man mehr den Eindruck von Kälte und Winter.

© Rainer Bachmann

6 Antworten
  1. Thomas Blake says:

    Ich finde die Komposition des Bildes mit den 3 Bäumen unheimlich ausgewogen und toll gemacht. Meiner Meinung nach ist das entscheidender, als die Kontrastnachbearbeitung. Wobei ich ebenfalls wie webline denke, daß die Nachbearbeitung ein wenig des Guten zuviel war.

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  2. Frank says:

    Doch: Ich würde auch von Geschmack ausgehen. Die Bearbeitung von Frau Hess ist mehr plakativ. Auf einer Seite mit zig Bildern, würde es in dieser Art dem Auge mehr Angriffsfläche bieten.

    Lasst mich philosophieren: Der Profi will verkaufen. Also muss das Auge auf seinem Bild landen. (Ich weiß: Das klingt böse.)

    Aber für mich ist es eben genau deshalb kritischer. Weniger das Auge fokussierend, aber mit (meiner Meinung nach) mehr Emotionen ist das Original von Herrn Bachmann. Es hat, für mich, weniger „Effekt“, dafür aber mehr „Stimmung“. Gerade auch, weil der Hintergrund dem Gegenlicht „Platz macht“. Es scheint unserer Sehgewohnheit bei Gegenlicht mehr zu entsprechen.

    Mag sein, dass der Schnee/Raureif der vorderen Bäume nicht weiß genug ist. Dem stehen in der Version von Frau Hess aber, für meinen Geschmack(!), Stämme und Äste fast in Scheerenschnitt-Manier gegenüber, die mir nun wieder nicht gefallen. Sie weichen dem üblichen Seheindruck zu weit ab. Aber das ist eben auch der Hingucker, den ich als „das Auge fokussierend“ bezeichnen würde.

    Hier steht sich für mich also Emotionen gegen Fokusierung gegenüber. Arbeiten kann man in beide Richtungen.

    Viele Grüße

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  3. webline says:

    Was hat das Ergebnis mit „Geschmack“ zu tun, wenn der „Profi“ die Lichter (und nicht nur die „Spitzlichter“) völlig überzieht und zu leeren, weißen Flatschen macht.
    Das überarbeitete Bild dürfte als Ausdruck gruselig aussehen.
    Zudem haben die Bäume im Vordergrund jede Natürlichkeit verloren – zugelaufen schwarze Stämme und wie Fliegenklatschen wirkende Kronen.
    Mir ist schon klar was hier gezeigt werden soll – aber das bearbeitete Bild ist keinen Deut besser gelungen als das Original. Weniger an den Reglern drehen ist halt oft sinnvoller.

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  4. Jan says:

    Beide Versionen haben Ihren Reiz. Das Original wirkt für mich natürlicher, die Bearbeitung durch die starken Kontraste eher wie ein Gemälde. Auf jeden Fall wurde die Stimmung sehr schön eingefangen.

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  5. Lurenz says:

    Die drei Bäume heben sich im von B.H. bearbeiteten Bild wirklich besser vom Wald im Hintergrund ab, und das Ganze wirkt natürlich allgemein knackiger.
    Allerdings erscheinen mir grosse Teile des Schneefelds und des Himmels ausgebrannt; die verschiedenen Grauwerte, die R.B. gemäss Kommentar erhalten wollte, sind etwas verloren gegangen.
    Wie nah am rechten Histogramm-Rand ist denn die Schneedecke im zweiten Bild?
    Oder liegt’s an meinem Monitor?

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    • Barbara Hess
      Barbara Hess says:

      Es stimmt, die Spitzlichter haben bei der korrigierten Version keinen Ton mehr. Gerade mit dem Gesamtkontrast eines Bildes können unterschiedliche Stimmungen hervorgerufen werden, daher ist es auch stark abhängig vom Geschmack des Betrachters.

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