Bildbearbeitung:
Vier W-Fragen bei der digitalen Bildschärfung (3)

Der nachfolgende, mehrteilige Artikel über die digitale Bildschärfung soll helfen, einige Antworten auf grundsätzliche Fragen (warum, wie, wann und was) der digitalen Bildschärfung zu finden.

Im zweiten Teil ging es um das “Wie” des Schärfens. In diesem dritten und letzten Teil möchte ich mich nun mit dem “Wann” und dem “Was” befassen, wann die Bilder also und welche Bildteile davon zu schärfen sind …

Wann?

Grundschärfung

Bei der Raw-Konvertierung ist eine Grund- bzw. Vorschärfung aus meiner Sicht unbedingt zu empfehlen (die Meinungen gehen hierzu auseinander, was ich nicht verhehlen will). Es geht hierbei ja nicht darum, ein Bild bereits druckfertig zu machen, sondern um den (im ersten Teil skizzierten) nötigen Ausgleich zum Tiefpaß- bzw. Antialias-Filter. “Wohldosiert” (ich komme darauf noch zurück) werden dadurch auch keine Artefakte erzeugt, sondern Grundlagen geschaffen, um in der nachfolgenden Ausarbeitung feinste Bilddetails sichtbar zu machen (eine Ausnahme stellen natürlich die Kameras ohne Tiefpaßfilter wie die D800 E von Nikon dar, deren Bilder keine solche Vorschärfung dulden).

Schärfegrade: unscharf, schärfer. leicht überschärft (von links nach rechts)

Schärfegrade: unscharf, schärfer. leicht überschärft (von links nach rechts)

“Was ist nun aber wohldosiert im Sinne der Grund- bzw. Vorschärfung?”

Nun, es hängt ganz wesentlich von der verwendeten Kamera-Objektiv-Einheit ab. Als Ausgangswerte lassen sich jedoch 50 für den Betrag (der Stärke im USM-Filter von Photoshop), 1,0 für den Radius, 50 für Details (ohne Entsprechung in Photoshop) und 10 für Maskieren (dem Schwellenwert im USM-Filter von Photoshop) empfehlen. Ich selbst verwende bei meiner auslösungsstarken und rauscharmen Kombination von Canon-Vollformat und L-Objektiven meistens Werte von 40/0,8/50/2.

Zwischenschärfung

Die Schärfung sollte immer der letzte Schritt des Workflows sein, also nach der Anpassung von Farbe, Helligkeit und Kontrast und der Anpassung der Bildgröße an das Ausgabemaß erfolgen (eine Ausnahme stellt die Filmkornsimulation bei der digitalen Schwarzweißfotografie dar; dies würde jetzt aber zu weit führen).

Insofern macht eine Zwischenschärfung absolut keinen Sinn, denn mit der Interpolation auf das Ausgabemaß würden nur die Artefakte proportional verstärkt werden.

Ausgabeschärfung

Nachdem das Bild fertig ausgearbeitet und auf das Ausgabemaß umgerechnet wurde, ist der richtige Zeitpunkt für eine angepaßte Schärfung gekommen. Dabei gilt im Grundsatz immer “so viel wie nötig, so wenig wie möglich”, damit es zu keinem Ergebnis wie im obenstehenden Bild kommt.

Entscheidend ist es, den Schärfegrad auf das Motiv und das Ausgabemedium abzustimmen – in Hinblick auf Ersteres (das Motiv) mag es einleuchten, daß eine zarte Porträtaufnahme einer geringeren Schärfung bedarf wie etwa ein startender Formel-1-Wagen; in Hinblick auf Letzteres (das Ausgabemedium) ist zu beachten, daß eine Monitorausgabe der üblicherweise kleineren Bilder nur eine deutlich geringere Schärfung verträgt wie die Druckausgabe der üblicherweise größeren Bilder.

Ein guter Ausgangswert bei “Unscharf Maskieren” und “Selektivem Scharfzeichner” sind Bildauflösung / 2 für die Stärke und Bildauslösung / 200 für den Radius. Für die Ansicht am Monitor oder im Internet errechnen sich daraus Werte von 36 bis 48 (72 bis 96 ppi/2) für die Stärke, 0,4 bis 0,5 für den Radius (72 bis 96 ppi/200), für den Tintendruck hingegen Werte von 150 bis 180 (300 bis 360 ppi/2) für die Stärke, 1,5 bis 1,8 für den Radius (300 bis 360 ppi/200).

Laßt Euch bei diesen recht hohen Schärfewerten für den Tintendruck nicht vom Monitorbild foppen – in der 50%- oder 100%-Darstellung zeigt dieses unweigerlich Schärfeartefakte, die aber im Druck nicht mehr erscheinen. Einen besseren bzw. realistischeren Schärfeeindruck vermittelt deswegen die 25%-Darstellung am Monitor (bitte auch keine “krummen Vergrößerungswerte wie 17 Komma Irgendwas” verwenden, da dadurch der Schärfeeindruck ebenfalls verzerrt wird).

Der Schwellenwert schließlich muß immer an der Bildgüte, also am Ausmaß des Bildrauschens bemessen werden.

Was?

Es ist zu empfehlen, grundsätzlich nur bildwichtige Teile (Motiv, Vordergrund) zu schärfen. Hintergründe und strukturarme Bildteile bedürfen keiner Schärfung und sollten deswegen mittels Ebenentechnik von der Schärfung ausgeschlossen werden.

Eine einfache Technik für eine solche bildselektive Schärfung will ich Euch abschließend noch vorstellen: Ihr dupliziert die Ausgangsebene (Strg+J) und führt auf dieser Arbeitsebene die Schärfung durch. Dann vertauscht Ihr die beiden Ebenen, so daß die ungeschärfte Ausgangsebene wieder oben liegt. Auf dieser holt Ihr nun mit einem weichen Radiergummi (Modus Pinsel, Härte 0, Größe nach Motiv, Deckkraft für eine sanftere Bearbeitung ggf. auf 30 bis 50 % reduziert) die Schärfe in den bildwichtigen Partien zurück.

 

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Digitale Lochkamera: Tipps für Einsteiger

21.11.2012, 1 KommentareDigitale Lochkamera:
Tipps für Einsteiger

Eine Lochkamera zu bauen, ist nicht nur ein beliebtes Projekt für Schüler, weil es ja eigentlich nur einer Kiste mit Loch bedarf, ausgerüstet mit lichtempfindlichen Material. Es gibt auch eine ganze Sparte von Fotografen, die Lochkamerafotografie regelrecht als Kult betreibt.

7 Kommentare

  1. Bewirkt der Klarheitsregler bei Lightroom die gleichen Resultate wie z. B. Das Unscharf Maskieren? Dort kann ich ja auch eine bildselektive Auswahl treffen.

    • Hallo Michaela: “Nein und ein bißchen ja” …

      Nein, weil die Klarheit ein Instrument für die Steuerung des sogenannten Lokalkontrasts, das Unscharf Maskieren hingegen ein solches der Schärfungsbemessung ist …

      Und ein bißchen ja, weil eine USM-Variante mit breitem Radius und geringer Stärke (ich nenne das “invertiertes USM”) auch für den Lokalkonstrast verwendet werden kann.

      Ein sich bald anschließendes How-To mit dem Titel “Schärfung, lokaler und globaler Kontast – eine Begriffsklärung mit Anwendungsbeispielen” wird auf diese Aspekte noch genauer eingehen.

      So stay tuned :o) …

  2. Danke für diese fundierten Beiträge zu diesem Thema. Sehr lesenswert!

    Ebenfalls danke für den Lacher bei der Darstellung von “leicht überschärft” :D

  3. Vielen Dank für Deinen sehr guten Artikel, ich habe viel gelernt.

  4. Hallo Thomas,
    vielen herzlichen Dank für die ausführliche Erklärung.
    Gruss Michaela

  5. Hallo Thomas,
    Du schreibst:
    Die Schärfung sollte immer der letzte Schritt des Workflows sein….Insofern macht eine Zwischenschärfung absolut keinen Sinn…

    Bei NIK gibt es ein Schärfungsplugin für LR, bei dem eine RAW-Vorschärfung vorgenommen wird. Was passiert da genau und wie passt das ins Bild zu dem, was Du schreibst?
    Gruß
    Peter

    • Hallo Peter, ich halte die NIK-Plugins für sehr ordentliche Werkzeuge (sind ja auch nicht ganz billig) und verwende Silver Efex Pro standardmäßig zur Schwarzweißkonvertierung. Das Schärfungstool habe ich mir vor einiger Zeit einmal angeschaut, bin dann aber zu den mir vertrauteren Instrumenten (Camera RAW, Photoshop) zurückgekehrt.

      Soweit ich mich erinnern kann, bietet das Schärfungstool eine Differenzierungsmöglichkeit für Monitor- und Tintendruckschärfung an. Darin wurzelt ja auch meine Anregung, nicht für alle Ausgabezwecke gleich zu schärfen. In der Nomenklatur meines Artikels wäre dies eine Endschärfung.

      Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, ob es auch eine Vorschärfungsoption gibt. Da müßte man aufpassen, daß man es nicht übertreibt, indem man besagte RAW-Schärfung bereits in Lightroom und dann nochmals im Plugin durchführt.

2 Pingbacks

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