Friederike von Rauch:
Allein im Museum

Wir wähnen uns in dunklen Katakomben, sind jedoch im Museum – ganz alleine, nur mit mit Friederike von Rauchs Fotografien.

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Im Film “Nachts im Museum” kommt zur Gruselstunde Leben in die alten Knochen. Bei Friederike von Rauch können wir spüren, wie die Räume mit ihren manchmal figurenähnlichen Gegenständen darin ein Eigenleben gewinnen.

Menschenleer ruht der Cranach-Saal im Dresdner Zwinger, so wird uns zur aktuellen Ausstellung Friederike von Rauchs in Köln mitgeteilt. Die Werke des Meisters an den Wänden verschwinden im Dunkel; das spärlich durch die geöffneten Türen einfallende Licht formt eine Achse auf dem alten Parkettboden. Es sind Momente wie diese, die die Berliner Künstlerin Friederike von Rauch mit ihrer Kamera eingefangen hat.

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Auf Einladung der Museumsdirektoren fotografierte von Rauch seit Anfang 2011 im Königlichen Museum für Schöne Künste in Antwerpen, in der Gemäldegalerie Alte Meister in Dresden und im Neuen Palais im Park Sanssouci in Potsdam. Sie war eingeladen, in Venedig die Restaurierung eines Tizian aus der Accademia di Belle Arti fotografisch zu begleiten und dort in weiteren Museen zu arbeiten. Die Bilder entstanden Immer außerhalb regulärer Öffnungszeiten, etwa während einer Wartungs- oder Restaurierungsphase, und immer mit einer klassischen Mittelformatkamera.

Entstanden sind Bilder, die der eigentümlichen Kraft der Orte nachspüren. Der dokumentarische Aspekt steht im Hintergrund, ebenso wie allzu Dramatisches. So sind von einem Werk von Rubens in der Antwerpener Galerie nur die Befestigungshaken und der Abdruck zu sehen, den das Bild nach jahrelanger Hängung in den grauen Samtbezug der Wand geprägt hat. Der Blick auf ein „Dahinter“ zeigt Abnutzung und Zeichen, die die menschlichen Eingriffe und Zeitenlauf hinterlassen haben.

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Obwohl alle Aufnahmen in den zu Öffnungszeiten prächtigen Museumsräumen entstanden sind, wirken die Fotografien mit ihren zurückhaltenden Farben wie reduzierte Malereien. Die Klarheit in der Erscheinung ist das Ergebnis präziser Vorbereitung und einer konzentrierten Arbeitsweise, die sich oftmals über Tage und Wochen erstreckt. Über dieser Präzision liegen Schatten, liegt die Dunkelheit, behalten die Bilder damit etwas Traumartiges, Rätselhaftes und Poetisches. Friederike von Rauch begreift ihre Arbeit als Abenteuer der Bildfindung:

“Architektur kann als Landschaft und Landschaft als Architektur verstanden werden. Die Faszination für diese Wechselwirkung räumlichen Erlebens steht im Mittelpunkt meiner fotografischen Arbeit. (…) Abnutzung deutet auf Gewohnheiten und eingeübte Wege. Ordnung der Dinglichkeiten zeugt von Hingabe und Disziplin. Gemeinsam mit meiner Kamera erforsche ich. Sie ermöglicht mir, selbst zum Raum für Räume zu werden, Räume in mir wachsen zu lassen.“

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

Aus: Sleeping Beauties © Friederike von Rauch

“Sleeping Beauties” – schlafende Schönheiten nennt sich die Ausstellung im Kölner Forum für Fotografie. Von Rauch setzt ihre Arbeit mit den “Schönheiten”, die sie beim “Schlafen” fotografiert, noch weiter fort. Auf der Website von Friederike von Rauch finden wir noch andere Projekte von ihr. Einen Bildband ihrer Serie Sites (Affiliate-Link) gibt es im Hatje Cantz-Verlag, erschienen schon 2007.

Friederike von Rauch – Sleeping Beauties
Bis 21. April
Forum für Fotografie, Schönhauser Straße 8, D-50968 Köln
+49-221-340 18 30, mail@forum-fotografie.info
Geöffnet Mittwoch bis Freitag 14 – 18 Uhr, Samstag 12 – 18 Uhr, Sonntag 12 – 16 Uhr

Friederike von Rauch
Forum für Fotografie Köln

 

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