Digitale Schwarzweißfotografie:
Das Zonensystem (1)

In dieser Artikelreihe werden Fragen der Schwarzweißfotografie mit digitaler Ausrüstung behandelt. Heute möchte ich Euch die Grundlagen, Bedeutung und Verwendbarkeit des Zonensystems vorstellen.

Einleitung

Eine neue Religionsstiftung?

Eine neue Religionsstiftung?

Eine kurze Google-Suche ergibt für …

• “Ansel Adams“: knapp 6 Millionen Einträge
• “Fred Archer“: knapp 10 Millionen Einträge
• “Zone System“: etwa 500 Millionen Einträge (!)

Das Ergebnis mag doch überraschen. Ansel Adams ist ja weithin bekannt, Fred Archer schon weniger. Und das Zonensystem? Belegen die Zahlen womöglich, daß hierüber einerseits viel gemunkelt und spekuliert wird, andererseits enormer Erklärungsbedarf besteht?

Spötterstimmen (zu denen ich womöglich auch gehöre) sehen im “Zonensystemkult” ja schon Ansätze einer neuen Religionsstiftung: “verstehen tut es zwar keiner, aber gerade das macht es unglaublich wichtig …” – siehe Bild.

Wir wollen hier aber “das Metaphysische” getrost beiseite lassen und uns auf die praktischen Belange konzentrieren: wo kommt das Zonensystem eigentlich her, wie ist es aufgebaut und welche Verwendungsmöglichkeiten ergeben sich? Im Zuge der Grundlagen wird es einen Rekurs auf die Analogfotografie geben, doch soll der Schwerpunkt auf der Digitalfotografie liegen.

Und eine Einschränkung muß ich noch voranstellen: das Zonensystem ist etwas, was meines Erachtens sehr gut im Bereich der Schwarzweißfotografie, jedoch nur eingeschränkt bei der Farbfotografie verwendet werden kann. Der Grund liegt darin, daß das Zonensystem nur Tonwerte umfaßt und die Farbwerte entsprechend gedanklich umgesetzt werden müßten. Das fällt uns Menschen gemeinhin nicht ganz leicht und kommt insofern der in dieser Hinsicht übersichtlicheren Schwarzweißfotografie zugute. Auch in Hinblick auf die möglichen Verschiebungen im Zonensystem (die ja der Clou des Ganzen sind) bestehen Einschränkungen bei der Farbfotografie, da diese einem vergleichsweise “starken Fluch der realistischen Wiedergabepflicht” unterliegt.

Herkunft

Das Prinzip des Zonensystems wurde ursprünglich von Fred R. Archer (1889 bis 1963), einem zur piktorialistischen Stilrichtung gehörenden Porträtfotografen und Ansel Easton Adams (1902 bis 1984) dem noch heute weithin bekannten, neorealistischen Landschaftsfotografen beschrieben.

Das Zonensystem wurde später meistens Adams zugeschrieben, doch erklärte dieser bescheiden: “Ich möchte die Gelegenheit nutzen und darauf hinweisen, daß das Zonensystem keine Erfindung von mir ist. Es ist vielmehr eine Systematik der sensitometrischen Prinzipien, welche Fred Archer und ich an der Art Center School in Los Angeles um 1939 bzw. 1940 herum erarbeitet haben …”.

Ergänzend sei darauf hingewiesen, daß Ferdinand Hurter (1844–1898) und Vero Charles Driffield (1848–1915) bereits Ende des 19. Jahrhunderts wichtige wissenschaftliche Vorarbeiten hierfür geleistet hatten.

Soweit für heute im ersten Teil. Der folgende zweite Teil behandelt den Aufbau des Zonensystems und dessen Verwendung in früheren Tagen.

 

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5 Kommentare

  1. Setzt man die Worte bei der Google Suche in Anführungszeichen, ( um wirklich beide Teil-Such-Worte z.B. Fred und Archer auch in dieser Reihenfolge hintereinander zu finden… und nicht “Fred Feuerstein” und “Archer” die Zeichentrickserien) kommen folgende Ergebnisse zustande:

    “Ansel Adams“: 6,5 Mio
    “Fred Archer”: 100 000
    “Zone System”: 770 000

    • Mit was man sich doch so beschäftigen kann :o) …

    • Ziemlich schwache Replik, bedenkt man, dass der Artikel mit dem – irreführenden – Beispiel der Googlesuche eingeleitet wird. Es macht schon einen erheblichen Unterschied für die Relevanz des Themas, ob sich 500 Millionen oder “nur” 770 Tausend Treffer finden.

      Macht dann halt doch nicht so viel her; ein Schelm, wer böses dabei denkt.

  2. Hallo
    Als ernsthafter Fotolehrling sollet man sich mit dem Zonensystem auskennen. Leider ist die gute Literatur entweder nur in Englisch zu bekommen, oder so teuer das man sofort aufgibt. Die Wiedersprüche,
    welche teilweise im Netz auftreten machen es auch nicht leichter sich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich werde diese Reihe mit viel Interesse verfolgen.
    LG
    Denis

    • Solcher Eifer ist sehr erfreulich, doch kann dieser m. E. nicht jedem Amateur abverlangt werden. Mit diesem dreiteiligen Artikel können und wollen wir auch kein Lehrbuch ersetzen. Es geht uns redaktionell eher um einen “mittleren Vertiefungsanspruch” und um den digitalen Praxisbezug – um sowohl dem Amateur die Sache schmackhaft machen wie auch dem Fortgeschrittenen noch etwas mitgeben zu können. Ob dies gelingt, muß freilich der Leser entscheiden; und manches kann in der Diskussion noch vertieft werden …

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