Fotomuseum Winterthur:
Fotografie und Architektur

Vom Wohnzimmer bis zum Wolkenkratzer – Architektur und Fotografie gehören seit jeher zusammen.

Beni Bischof: Schlösser – zusätzlicher neuer Schutz, 2009, Inkjet-Print

Zum seinem 20-jährigen Bestehen widmet sich das Fotomuseum Winterthur ausgiebig diesem Thema – mit über 400 Fotografien aus dem 19., 20. und 21. Jahrhundert.

Der Bogen spannt sich von William Henry Fox Talbot, Domenico Bresolin und Charles Marville über Germaine Krull, Lucia Moholy bis zu Julius Shulman, und schlägt einen Bogen zu zeitgenössischen Positionen wie Georg Aerni, Iwan Baan, Luisa Lambri und Hiroshi Sugimoto – so teilt das Fotomuseum mit.

„Concrete – Fotografie und Architektur“, so der Ausstellungstitel, will sich dem vielfältigen Verhältnis von Architektur und Fotografie auf verspielte, erzählerische und dialektische Weise annähern. Die Ausstellung fragt nach Geschichte, Ideologien und Ideen, aber auch nach Form und Materie im fotografierten Bild. Inwiefern beeinflusst die Fotografie nicht nur die Wahrnehmung, sondern auch die Gestaltung von Architektur? Wie wird Architektur im Bild lebendig, wann wird sie unheimlich? Wie wachsen Siedlungen zu Städten zusammen? Oder mit soziologischem Blick: Wieso verschränken sich Arbeit und Leben in Europa anders als in Kalkutta oder Lima? Und wie lassen sich Wolkenkratzer und Wohnräume in die flache Welt der Fotografie übertragen?

Lucien Hervé - Le Corbusier: Fassade des Sekretariatsgebäudes, Chandigarh, 1961, Silbergelatine-Abzug, 25.5 x 25.4 cm, Canadian Centre for Architecture, Montréal © Estate Lucien Hervé

Lucien Hervé – Le Corbusier: Fassade des Sekretariatsgebäudes, Chandigarh, 1961, Silbergelatine-Abzug, 25.5 x 25.4 cm, Canadian Centre for Architecture, Montréal © Estate Lucien Hervé

Laurence Bonvin: Blikkiesdorp, Cape Town, South Africa, 2009, Inkjet-Print, 40 x 50 cm, Courtesy die Künstlerin © Laurence Bonvin

Laurence Bonvin: Blikkiesdorp, Cape Town, South Africa, 2009, Inkjet-Print, 40 x 50 cm, Courtesy die Künstlerin © Laurence Bonvin

Hiroshi Sugimoto: Seagram Building, New York City,

Hiroshi Sugimoto: Seagram Building, New York City, 1997, Silbergelatine-Abzug, 58,4 x 47 cm, Canadian Centre for Architecture, Montreal © Hiroshi Sugimoto/Courtesy of Gallery Koyanagi Tokyo

Die Ausstellung ist nicht chronologisch geordnet. Stattdessen wird mit markanten Setzungen, Gegenüberstellungen und thematischen Feldern gearbeitet, die Konkretes, Grundsätzliches und Historisches miteinander verbinden. Neben Alltagsarchitektur und Prachtbauten, strukturierenden horizontalen und vertikalen Achsen, neben Haus und Heim, Utopien, Plan und Wirklichkeit spielt auch die Vergänglichkeit von Architektur eine wichtige Rolle.

Die Architektur ist seit jeher ein großartiger und heftig debattierter Schauplatz von Zeitgeist, Weltanschauung, Alltag und Ästhetik. Sie ist Materialisierung von privaten und öffentlichen Visionen, Gebrauchskunst und Avantgarde zugleich, und sie ist auch, wie der slowenische Philosoph und Kulturkritiker Slavoj Žižek schrieb, „Stein gewordene Ideologie“. Fotografie und Architektur sind beide ganz selbstverständlich in unserem Alltag verankert, sie begegnen uns täglich – oft unbewusst – und beeinflussen unser Denken, Handeln und Sein.

Begleitend zur Ausstellung erschien mit zahlreichen Texten der Bildband Concrete – Fotografie und Architektur (Affiliate-Link) im Verlag Scheidegger & Spiess.

Concrete – Fotografie und Architektur
Bis 20. Mai
Fotomuseum Winterthur, Grüzenstr. 44+45, CH-8400 Winterthur
+41 52 234 10 60, fotomuseum@fotomuseum.ch
Geöffnet Dienstag bis Sonntag 11 – 18 Uhr, Mittwoch 11-20 Uhr

Fotomuseum Winterthur

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