Fotoausrüstung:
Festbrennweiten vs. Zoomobjektive – Ein praxisnaher Vergleich bei 35 mm Brennweite (2)

Nach der Einleitung und Methodik im ersten Teil folgen im heutigen zweiten Teil die Ergebnisse der Untersuchung.

Ergebnisse

A. Testbild

Die nachstehenden vier Bilder (bitte iFrames im Browser aktivieren, da auf externe Quellen verlinkt wird) zeigen die Übersichtaufnahme des Testbildes. Wenig überraschend ist die Vignettierung beim Lensbaby am stärksten und zeigt sich beim Zeiss und den beiden Canons ausgewogen auf niedrigem Niveau. Die Verzeichnung ist bei allen vier Objektiven tonnenförmig, beim Zeiss (ein erster Schock) sowie dem nicht getilten Lensbaby sogar ziemlich ausgeprägt, bei den beiden Canons hingegen recht moderat – ein Tick besser noch beim 17-40, wobei dieses an seinem langen Ende bauartmäßig besser dasteht; auch das gute Ergebnis beim 24-105, welches seine Qualitäten eigentlich nicht im Weitwinkelbereich hat und von mir üblicherweise erst ab 40 mm Brennweite genutzt wird, überrascht.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Die vier nächsten Bilder zeigen das Zentrum des Testbildes, auf welches auch fokussiert wurde. Hier sehe ich beim langen Canon die größte Prägnanz, dicht gefolgt vom kurzen Canon. Das Zeiss scheint mir mit einer weicheren Zeichnung schon etwas abzufallen. Auf gleichen Niveau ist das Lensbaby angesiedelt, was angesichts seiner vergleichsweise billigen Bauart wiederum überrascht.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Die nächsten drei Bilder zeigen ein Randdetail links oben mit größenmäßig absteigenden Schriftenreihen. Da das Lensbaby hier bauartbedingt nur noch ein nebliges Grau anzeigt, ist es hier nicht aufgeführt. Die beste Darstellung sehe ich beim kurzen Canon, während beim langen Canon eine gewisse Grieseligkeit und leichte chromatische Abberationen auftreten. Die stärksten Artefakte zeigt wiederum das Zeiss.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

Es folgen drei Bilder mit einem Siemensstern als Randdetail. Für das Lensbaby gilt das im vorherigen Absatz Gesagte. Die mehrfachen horizontalen Stufenbildungen fielen mir erst in der 200%-igen Auflösung auf. Diese haben nichts mit den Objektiven zu tun, sondern geben mir Anlaß, den Druckkopf meines Epson Stylus Pro 4880 nochmals zu justieren. Die zentrumsnahe klarste Darstellung sehe ich wiederum bei den beiden Canons, wobei beim langen Canon schon ein leichtes Moiré anliegt. Das Zeiss fällt deutlich ab und zeigte zum Zentrum hin eine etwas breiige Darstellung und ausgeprägtes Moiré.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

B. Innenraumszene

Um nun von der Testsituation auch auf realistische Aufnahmeverhältnisse zu kommen, zeigen die nächsten vier Bilder die Übersichtsaufnahme einer Innenraumszene. Dargestellt ist ein Brunnen mit einem wasserspeienden Wiesel, den ich vor längerer Zeit einmal auf Sylt entdeckt, ins Herz geschlossen, gekauft und vor einer Holztreppe postiert habe. Das Zeiss weist hierbei, wie ich meine, eine vergleichsweise prägnante, farbenfrohe und kontrastreiche Darstellung auf – insbesondere im Hintergrund, was mithin die Grundlage des von vielen beschworenen „3D-Looks“ der Zeissobjektive abgeben dürfte. Etwas weicher präsentieren sich demgegenüber die beiden Canons. Die Darstellung des Lensbabys ist etwas speziell, sie zeigt im getilten Zustand den typischen „sweet spot“ über der Brunnenfigur mit weich auslaufenden Randbereichen.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Die vier nächsten Bilder zeigen das Detail der Brunnenfigur, auf welche fokussiert und beim Lensbaby zusätzlich getilt wurde. Die Darstellung scheint mir bei den beiden Canons am prägnantesten, schon etwas abfallend beim Zeiss und noch mehr beim Lensbaby, da der „sweet spot“ im unteren Bereich bereits endet.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Zum Abschluß der Innenraumszene folgen noch vier Bilder mit einem zentrumsnahe gelegenen Hintergrunddetail. Das Bokeh erscheint mir etwas weicher beim Zeiss und beim Lensbaby, etwas rauher bei den beiden Canons, aber riesig sind die Unterschiede nicht.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

C. Naturszene

Es geht weiter mit vier Bildern in der Übersichtsaufnahme eines Holzstosses vor einer winterlich kahlen Hecke. Erneut erkenne ich beim Zeiss jenen phantastischen räumlichen Eindruck, den die beiden Canons in der unbearbeiteten Form nicht vermitteln können. Die erhebliche tonnenförmige Verzeichnung des Zeiss‘ wäre in der isolierten Betrachtung kaum erkennbar, fällt in der Vergleichsbetrachtung aber auf. Das Lensbaby macht wiederum “das, was dieses Objektiv halt kann“ – es erschafft “seltsam irreale Welten”, wobei ich persönlich es bei ernsthaften Aufnahmen für solche Motivwahl kaum verwenden würde.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Die vier nächsten Bilder zeigen die Stirnseite der vordergründigen Holzscheite, auf welche fokussiert und beim Lensbaby zusätzlich getilt wurde. Wie schon bei der Innenraumszene scheint mir die Detaildarstellung bei den beiden Canons am prägnantesten, etwas weicher beim Zeiss und noch mehr beim Lensbaby.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105, Lensbaby 35 (von links nach rechts)

Zum Abschluß dieser Bildsequenz zeige ich noch eine Vergrößerung des Randbereichs links oben, mithin also eine Darstellung des Hintergrundes. Das Lensbaby ist hier weggelassen, weil dieser Bereich überhaupt keine Zeichnung mehr aufweist. Ich meine, daß das Zeiss hier ein Stückweit das Geheimnis der so räumlichen Wirkung lüftet – man beachte die auch im defokussierten Bereich noch recht ansehnliche Prägnanz und Kontrastierung. Das lange Canon kann hier nicht mithalten, das kurze Canon schon gar nicht.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

D. Nachtszene

Die letzte Bildsequenz zeigt eine nächtliche Industrieszenerie, zunächst mit drei Bildern in der Übersichtsdarstellung – es war ziemlich kalt, die Handschuhe waren zuhause (wo auch sonst?) und die Finger entsprechend klamm, so daß ich mir das “Aufsteckgeprimmel“ des Lensbabys nicht mehr angetan habe. Da Randstreifen, Treppe und Gatter in der Realität seltsam windschief waren (und die morbide Atmosphäre vor Ort verstärkten), kann man hier zur Verzeichnung wenig sagen. Der in den Vorsequenzen beschriebene räumliche Eindruck des Zeiss‘ kommt in dieser künstlich beleuchteten Szenerie nach meinem Dafürhalten nicht wirklich zum Tragen. Das veränderte Licht unter der Treppe beim kurzen Canon sollte nicht irritieren, hier fuhr zwischenzeitlich ein Auto hinter mir vorbei.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

Es folgen die Detaildarstellungen des Fokus, der auf dem hinteren Teil des Randstreifens lag. Gravierende Unterschiede in der Prägnanz zwischen dem Zeiss und den beiden Canons kann ich hier nicht erkennen.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

Zum Abschluß noch ein Hintergrunddetail des in der Übersicht etwa im goldenen Schnitt links oben gelegenen Türknaufs und Lichtschalters. Bei der Darstellung des Zeiss‘ gehen einem die Augen über, während das lange Canon hier nur mühsam, das kurze Canon hingegen überhaupt nicht Schritt halten kann.

Zeiss 35, Canon 17-40, Canon 24-105 (von links nach rechts)

Soweit im zweiten Teil. Der abschließende dritte Teil umfaßt das Fazit der Untersuchung.

 

3 Kommentare

  1. Ich bin gespannt auf Teil 3…
    Für die Suche nach Teil 1 wäre es sehr hilfreich, hier im Text einen Link dazu einzubauen.

    • Danke für den Hinweis, im ‘Lead’ habe ich nun den Link auf den ersten Teil noch ergänzt.

  2. Da ich Hobbyfotograf bin verfolge ich sehr interessiert diesen Blog. Vielen Dank!
    Ansonsten kann ich mich nur meinem Vorredner anschließen.
    Ich freue mich auf den 3. Teil.
    Lieben Gruss
    Christian

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