Fotoausrüstung:
Festbrennweiten vs. Zoomobjektive – Ein praxisnaher Vergleich bei 35 mm Brennweite (3)

Nach der Einleitung und Methodik im ersten Teil und den Ergebnissen der Untersuchung im zweiten Teil umfaßt der abschließende dritte Teil das Fazit.

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Fazit

Wie schon eingangs gesagt, war mein Ansatz bei dieser vergleichenden Untersuchung sehr praxisbezogen, eben ‚ein sichtender und nicht vermessender‘.

Zunächst zu den beiden Canons: überzeugt haben mich die geringen Verzeichnungen, die gerade bei Nacht- und Industrieaufnahmen schon von Bedeutung sind. Natürlich läßt sich bei stärkerer Verzeichnung noch manches in der Objektivkorrektur von Adobe Camera Raw bzw. Photoshop ausgleichen – aber dies geht einerseits mit einer Pixelinterpolation und damit unweigerlich mit Qualitätseinbußen einher; andererseits ist es, da ich meine Bilder sehr stark von den Rändern her komponiere, nicht mehr das gleiche Bild, wenn die festgelegten Ecken und Linien im Zuge der verschärften Verzeichnungskorrektur „ins Unsichtbare abhauen“. Etwas überrascht war ich von den Abbildungsqualitäten des langen Canons im leichten Weitwinkelbereich, die teilweise die des kurzen Canons überstiegen, wobei dies von der vergleichsweise stärkeren Artefaktbildung im Randbereich des langen Canons gekontert wird.

Und das Zeiss? Es vermittelt mir einen sehr gemischten Eindruck. Positiv herauszuheben sind die in der Übersicht im Sinne von Prägnanz, Kontrastierung und Farbfreude beeindruckenden Abbildungsleistungen; auch der immer wieder beschworene „3D-Look“ ist kein Phantom, sondern Fakt im Sinne einer sehr klaren Hintergrunddarstellung. Beim genaueren Hinschauen offenbaren sich aber markante Schwächen dahingehend, daß die zentrums- bzw. fokusnahe Darstellung in der Vergrößerung teilweise sogar hinter den Canons hinterherhinkt; und, noch wichtiger, ist der Grad der Verzeichnung und der Randartefakte als sehr enttäuschend für ein Objektiv dieser Preisklasse zu bezeichnen. Die genannten Einschränkungen mögen bei der Landschaftsfotografie keine entscheidende Rolle spielen, bei der Nacht- und Architekturfotografie tun sie es sehr wohl. Auf den Umstand, daß sich bei solchem Ausmaß an nötiger Verzeichniskorrektur das Bild vor Ort nicht mehr richtig komponieren läßt, hatte ich hingewiesen; auffällig war ferner, daß die automatische und objektivspezifische Korrektur von Adobe Camera Raw bzw. Photoshop die Fehler nur unzureichend behebt, was also eine aufwendige manuelle Nachkorrektur erforderlich macht.

Positiv überrascht hat mich das neue Lensbaby. Ich kenne diese Art von Objektiven ja nunmehr schon in der dritten Generation und kann insofern sagen, daß sich Wertigkeit, Handhabbarkeit und Abbildungsleistungen seitdem deutlich verbessert haben. Man kann schnell und sicher fokussieren und den Tilteffekt im Sinne der dramaturgischen Bildgestaltung leichthin einsetzen. All das braucht gewiß immer noch einige Übung, die vormals monatelange und ausschußhaltige Frustration verkürzt sich nach meinem Eindruck aber erheblich.

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Gerne möchte ich noch darauf hinweisen, daß der Test bei Verwendung eines verkürzten bzw. „gecropten“ Formats natürlich anders ausgefallen wäre wie beim hier genutzten Vollformat (Canon EOS 5D Mark II). Die Unterschiede wären vermutlich geringer, da die Brennweitenverlängerung am verkürzten bzw. „gecropten“ Format nur die mittleren Partien des objektivtypischen Ausschnitts nutzt und die bauartbedingt vermehrten Artefakte in der Peripherie ausblendet.

Dies soll jetzt allerdings kein Plädoyer gegen das Vollformat sein, welches schon alleine durch seine geringere Artefaktträchtigkeit am Sensor und den leichteren Zugang zur Weitwinkligkeit deutlich im Vorteil gegenüber dem verkürzten bzw. ‚gecropten‘ Format ist.

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Soviel zu diesem – diesmal doch etwas technischen (trockenen?) – Thema. Ich würde mich freuen, wenn es (1) den einschlägig Interessierten unter Euch Vergleiche der vorgestellten Objektive ermöglichen und (2) eine Vorstellung der ‚Sichtprüfung am Bild‘ bereits vorhandener oder anstehender (immer erwägenswert, vor der Anschaffung ein solches Objektiv zu mieten und ausprobieren!) Objektive vermitteln konnte.

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