Fotoausrüstung:
Lensbaby-Objektive (1)

In der Reihe “Fotoausrüstung” möchte ich Euch ein ganz besonderes Objektiv vorstellen. Es scheint uns ebenso beglücken wie in den Wahnsinn treiben zu wollen – doch lest selbst … im heutigen ersten Teil geht es um Funktionsweise und Varianten.

 
Einleitung

Bild 1: Drei Lensbaby-Objektive

Bild 1: Drei Lensbaby-Objektive

Der Begriff “Lensbaby” umfaßt eine Reihe spezieller Objektive ebenso wie deren gleichnamigen Hersteller. Er ist gleichsam assoziiert mit einer ganz besonderen Art von Bildern. Diese zeichnen sich durch einen mehr oder weniger zentralen Schärfebereich sowie weitläufige Unschärfebereiche in der Peripherie aus. In solcher Weise schaffen jene Bilder seltsam unwirkliche Welten. Eine weitere Eigentümlichkeit besteht in der mäßigen Abbildungsleistung und der schier unübertreffbaren (und geradezu gewollten) Menge von Bildfehlern im Sinne von Vignettierung, Verzeichnung und Farbsäumen. “Lensbaby-Look” oder “Spielzeugwelten” sind geläufige Ausdrücke für diese Art von Bildern.

Lästermäuler sagen, daß Lensbaby-Objektive in ihrer schlichten Bauweise “nahtlos an den Stand der Objektiventwicklung Mitte des 19. Jahrhunderts anknüpfen”. Und sie haben Recht damit. Trotz solchen Anachronismus’ in einer Welt immer abbildungsstärker, artefaktärmer und komfortabler werdenden Objektive (oder gerade deswegen?) erfreuen sich die Lensbaby-Objektive in bestimmten Kreisen jedoch einer geradezu erstaunlichen Beliebtheit.

“Ich habe solche Bilder auch schon in der Werbung gesehen. Woher mag dieser Erfolg rühren?”

Bild 2: Der Autor nach ersten Versuchen mit dem Lensbaby (Abbildung ähnlich, Quelle Wikipedia)

Bild 2: Der Autor nach ersten Versuchen mit dem Lensbaby (Abbildung ähnlich, Quelle Wikipedia)

Nach meinem Dafürhalten schon daher, daß der Hersteller diese speziellen Objektive mit einem gewissen “Renegaten- und Künstlerimage” versah und entsprechend bewarb. Unbestreitbar spielt auch ein gewisser “Retro- bzw. Vintage-Aspekt” mit hinein. So mag die Abkehr von geläufigen Automatikfunktionen, die damit verbundene Rückkehr zu einem “Do it yourself”, aber auch die “Weckung des Spieltriebs” (mit nicht immer absehbaren Folgen, wie Bild 2 aufzeigt) weitere Motivation bieten.

“Bist Du selbst womöglich diesem Charme verfallen?”

Hmm, ja … ganz kann ich das nicht abstreiten, insofern dürft Ihr keinen objektiven oder distanzierten Bericht erwarten. Diese Objektive sind für mich tatsächlich “gute Instrumente zur Entfaltung eines kreativen Potentials”, aber auch “komplizierte Instrumente, die man erst spielen lernen muß”. Es wird einem hierbei nichts geschenkt, insofern darf man gegenüber den flotten Werbesprüchen im Sinne von “Spaß ohne Ende” oder “Künstlerbild-Automatik” etwas mißtrauisch sein.

Funktionsweise

Bild 3

Bild 3

Trotz der verschiedenen Bauarten gilt bei allen Lensbabys das gleiche Wirkungsprinzip. Es handelt sich jeweils um einfach gebaute Objektive mit Tilt- bzw. Verkippungs-Funktion (in der ersten Baureihe gab es auch eine rudimentäre Shift- bzw. Verschiebungsfunktion, siehe auch ‘Variationen’), welche mit dem beweglichen Objektivvorderteil gesteuert wird.

Bild 4

Bild 4

Ein klein bißchen muß ich hier ‘ins Technische abgleiten’: die Kippung der Schärfeebene folgt im Grundsatz dem Prinzip der bei den einschlägigen Tilt-Shift-Objektiven bekannten ’Schärfedehnung nach Scheimpflug’.

Bild 4

Bild 5

Die zugleich vorhandene, extrem kalottenförmige Bildfeldwölbung (das diesbezüglich korrigierten ‘Edge 80 Optic’ stellt eine Ausnahme dar, siehe auch ‘Variationen’) führt jedoch dazu, daß kein ‘Schärfekeil’ resultiert, sondern ein ‘Schärfepunkt bzw. -ring’.

Bild 6

Bild 6

Dieser auch als ’sweet spot’ bezeichnete Schärfebereich läßt sich nun in seiner Größe über den Blendenwert variieren (siehe Bilder 3 und 4) und durch Richtung bzw. Ausmaß der Verkippung verschieben (siehe Bilder 5 und 6). Kontrastierend dazu fällt der Rest des Bildes besagter hübscher Unschärfe anheim.

Varianten

Nicht mehr verfügbare Halterungen sind “Original”, “2.0″, “3G” und “Control Freak”, allesamt mit einem flexiblen Balgen bzw. Kunststoffschlauch ausgestattet, der durch Verbiegen und Zusammendrücken in die richtige Position gebracht wird. Beim “Original” und “2.0″ mußte man dabei das (aus meiner Sicht schier unmögliche) Kunststück fertig bringen, gleichzeitig die Kamera festzuhalten, beide Hände am Objektiv für besagte Bewegungen zu haben, die Belichtung zu kontrollieren und dann noch den Auslöser zu drücken. Dieser Problematik wurde beim “3G” und “Control Freak” durch eine Feststellmöglichkeit über drei lange Gewindestangen entgegengetreten, was die Einstellung jedoch auf andere Art etwas mühsam machte. Mit dem letztjährigen Erscheinen des “Spark” als günstigem Einstiegsmodell wird die Reihe der einfachen Bauart fortgeführt.

“Composer” und “Composer Pro” stellten gegenüber den vorgenannten Halterungen einen Quantensprung dar. Der Balgen wurde nun durch einen starren Tubus und ein Kugelgelenk ersetzt, wodurch sich das Verkippen und Scharfstellen wesentlich einfacher und reproduzierbar gestaltete.

An Einsätzen sind die einlinsigen “Plastic Optic” und “Single Glass Optic” mittlerweile nicht mehr bzw. nur noch als “Optic Kit” (siehe unten) verfügbar. An deren Stelle sind die deutlich wertigeren “Double Glass Optic” mit 50 mm kleinbildäquivalenter Brennweite, die “Sweet 35 Optic” sowie die “Edge 80 Optic” (mit der im Produktnamen erwähnten Zahl als kleinbildäquivalente Brennweite) getreten. Wie schon bei den Halterungen ist auch hier eine deutliche Entwicklung zu leichter bedienbaren und besser korrigierten (teurer natürlich auch) Einsätzen zu verzeichnen. Bei der “Sweet 35 Optic” erfolgte durch eine eingebaute und über einen Einstellungsring bedienbare Blende die Abkehr vom Prinzip der manuell bzw. mit einem Magnethalter zu wechselnden Blendendringe (ein Abenteuer weniger). Bei der “Edge 80 Optic” ist darüber hinaus die Bildfeldwölbung dermaßen korrigiert, daß ein wirklicher, an hochpreisige Tilt-Objektive erinnernder Schärfekeil resultiert (eine Abkehr vom Prinzip des “sweet spots” und der charmanten Abbildungsfehler).

Kursorisch noch erwähnt seien die Einsätze “Soft Focus Optic”, “Fisheye Optic” und “Optic Kit”, wobei Letzteres wegen des darin inbegriffenen Lochkameraeffekts (“Pinhole/Zoneplate”) von besonderem Interesse ist.

An weiterem Zubehör gibt es schließlich noch das “Accessory Kit” mit einem 0,6-fachen Weitwinkel-Objektiv, einem 1,6-fachen Teleobjektiv, einem Makro Kit und verschiedenen Kreativblenden. Ein sogenanntes “Creative Aperture Kit”, ein 0,42-faches Weitwinkel-Objektiv und ein “Step-up/Shade” als Adapterring mit Abschattungsfunktion und zur Erweiterung von 37 auf 52 mm Objektivdurchmesser ergänzen dann noch die Produktreihe.

Soweit für heute im ersten Teil. Im folgenden zweiten Teil geht es dann um die Aufnahmesteuerung und um zwei Beispielbilder.

 

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13 Kommentare

  1. Besten Dank Thomas,

    dass Du die Lensbabys mal vorstellst. Wenn man diesen Gestaltungsideen verfällt, ist man ja für paar Effekt-Linsen auch schnell ‘nen Tausender los. Und hat vielleicht nach 10 eigenen Bildern genug davon. (?) Mir kribbelt’s ja auch in den Fingern, aber ich vermute, genau an dieser 10-Bilder-Schwelle zum Stehen zu kommen. Macht 100 Euro pro Bild. Ok. Ist halt ein teures Hobby. ;-)

    Mit einer Wertung der Effekte hältst Du Dich ja (bisher) vornehm zurück. :-) Hab mir gerade noch mal die Lensbaby Webseite zu Gemüte geführt. Mal paar Gedanken:

    1) Lensbaby bewirbt fortlaufend die kreativen Möglichkeiten. Nur was ist Kreativität? Wikipedia ist da leider, wie ich gerade sehe, auch eher unscharf. Für mich ist es die eigene “schöpferische Leistung”. Also nicht die Hausfrauenkreativität: Vollmond-Asia-Tee trinken und dabei einen Feng-Shui-Schal stricken. Also etwas Neues hervorzubringen. Sprich: Etwas hervorzubringen, dass keine Kopie etwas Bekanntem ist. Zumindest nicht dem Schöpfenden bekannt.

    (Das ist ‘n hoher Anspruch. Ich weiß! Fotografisch erfülle ich selbst diesen Anspruch definitiv nicht. Vielleicht hin und wieder in meinem Beruf, wo ich Spezialist sein kann.)

    Demnach dürfte man die Linsen erst kaufen, wenn man eine eigene Gestaltungsform realisieren möchte, die nicht einfach einen Effekt kopiert. Klares Eigentor für Lensbaby, die auf ihren Webseiten wohl so ziemlich alles demonstrieren, was möglich ist. Wenn man die Linsen nur zum kreativ-sein kaufen soll, dann dürfte es nur noch wenige Nutzer geben.

    2) Muss man kreativ sein? Eigentlich ein klares Nein. Wenn Hochzeitsfotografen ständig kreativ sein wollten, dürften sie spätestens nach der 10. Hochzeit psychisch am Ende sein. ;-)

    3) Wie viel Effekt verträgt der Mensch? Oder: Wann wird es Kitsch? Wenn ich als Fotograf immer neue Kunden habe, dann kann ich auch immer den gleichen Effekt wiederverwenden. Wenn ich’s als Hobby vor allem für mich selbst mache, bin ich schnell bei der oben genannten Schwelle, wo’s mir selbst auf den Nerv geht.

    4) Was wollen wir erreichen? Ein Bild! Also ist es eigentlich egal, mit welchen technischen Mitteln wir es bekommen. (?) Was ich damit meine: Sicher nicht ganz exakt, aber in der Bildwirkung ziemlich gleichartig, können wir die Effekte auch in einer aufwändigen Bildbearbeitung “nachzaubern”. Für den Betrachter ist der Weg egal. Da zählt nur das Endergebnis. Das Einzige (meiner Meinung), was wir definitiv nicht nachher können: Schärfe und Detail herausholen. Meine These: Demzufolge dürften alle Bildeffekte annähernd auch aus einer guten, scharfen, “echten, teuren” Tilt-Linse plus Bildbearbeitung herauszuholen sein. – Solange wir es nicht massenhaft mit wenig Aufwand machen wollen. Aber damit wären wir ja auch nicht mehr kreativ, wie uns Lensbaby beim Verkauf suggerieren möchte.

    Ich möchte hier nicht die Kitsch-Frage entfachen. Jeder Effekt wird für den Betrachter Kitsch, wenn er vervielfältigt auf ihn einströmt. (Hochzeitsfotos sind in der Masse Kitsch. Nicht aber für das Hochzeitspaar und die Beteiligten.) Kitsch ist es, wenn es billig wirkt. “Wirkt”, also aus Sicht (Kontext) des Betrachters, nicht des Produzenten. “Billig” wiederum wirkt für uns etwas, wenn es massenhaft auftritt. Es in unseren Augen also billig herstellbar ist.

    Trotzdem und gerade deshalb: Was bringt mir als Amateure ein Lensbaby, wenn ich nicht in der Summe aller meiner damit gemachten guten Bilder mit 100 Euro/Bild rechnen muss? Also 3 herausragende Bilder pro Effektlinse.

    Das alles als Anregung für eine Diskussion. Überzeugt mich davon, dass auch ich diese Linsen unbedingt vor meinen Senor bekommen möchte.

    :-)

    Viele Grüße
    Frank

  2. Deine Worte haben mich erreicht. Nur bei Nachfolgendem hatte ich Mühe: “vor meinen Senor bekommen …”

    - vor meinem Senium bekommen?
    - von meinem Senior bekommen?
    - vor meinem Senior bekommen?
    - von meinem Señor bekommen?
    - vor meinem Señor bekommen?
    - vor meinen Sensor bekommen?

    Hier täte ggf. noch Aufklärung gut :o) …

  3. Noch nichts von dem “Lensbaby Senior Portrait Contest” gehört, Thomas?
    Ein interessanter Artikel, danke! Er hat mich angeregt, gestern viel über Tilt, Shift, … zu lesen. TS-Objektive (die zugegebenermaßen auch sehr viel teurer sind) führen zu Aufnahmen, die mit einem normalen Objektiv nicht möglich sind. Bei den Beispielen mit LensBaby Objektiven habe ich allerdings den Eindruck, es handelt sich um gezieltes scharf/unscharf machen von Bildern. Das kann man ja eigentlich auch in der Nachbearbeitung mit sehr viel mehr Flexibilität machen. Für „miniature faking“ (“Spielzeugwelten”) scheinen mir die Lensbabies allerdings weniger geeignet zu sein, man findet hier auch kaum Beispiele. Freue mich schon auf die Fortsetzung.
    Mit freundlichen Grüßen, Tilman

    • Im Sinne eines konstruktiven Dialogs darf ich Dir hier freundlich entgegentreten, lieber Tilman …

      An irgendeiner Stelle meine ich schon erwähnt zu haben, daß ich sowohl mit TS- wie mit Lensbaby-Objektiven arbeite und die bildnerischen Unterschiede sehr gut kenne. Ein anderer Experte in früherer Diskussion hatte mich auf jene “kalottenförmige Bildfeldwölbung” gebracht, nachdem ich mir die Entstehung des “Sweet spots” lange nicht erklären konnte.

      Und “Spielzeugwelten” ist im Umfeld etwa des Magazins “Docma” und damit auch der bearbeitungsfreudigen Werbefotografie sehr wohl ein geläufiger Begriff. Eine einschlägige Googlesuche fördert auch viele solcher Bidergebnisse.

      Zum Thema “software- vs. hardwaregeneriert” kommt nächstens ein von Dir eingereichtes Bild zur Besprechung, und ich habe auch noch ein Tutorial zum “Pseudo-Lensbaby-Look” in petto.

      So stay tuned :o) …

    • Nach dem Lesen Deines Artikels, habe ich mich für Tilt & Shift interessiert. Und für die Frage, was Unschärfe eigentlich beim Betrachten eines Bildes bewirkt. Und welchen Zusammenhang es dabei mit der empfundenen Distanz gibt. Dabei bin ich auf einen sehr interessanten Artikel gestoßen: http://graphics.berkeley.…rs/Held-UBA-2010-03/. Ich bin bei Kapitel 4, durch den Rest werde ich mich noch durchbeißen… Mit meinem also noch recht unscharfen Wissen, meine ich jedoch erkannt zu haben, dass Lensbaby-Objektive wegen des Sweet Spot Effekts, einer sphärische Aberration, eher als künstlerisches Mittel für z.B. Portrait-aufnahmen geeignet sind, jedoch weniger für Spielzeugwelten, in der sich die Schärfe ja eher linear ändert. Ich freue mich auf die Beispiele, die Du zeigen wirst. Mit freundlichen Grüßen, Tilman

    • Porträts sehe ich auch als eine gute Einsatzmöglichkeit an, vom Anschnitt über Brust bis zum Ganzkörper mit Umgebung. Ich habe zwar einige Bilder in diesem Bereich, aber ‘People’ ist keiner meiner Schwerpunkte. Zumeist verwende ich das Lensbaby in Streetsituationen, so daß ich aus diesem Portfolio zwei Arbeiten, die schon im Magazin ‘Schwarzweiß’ rezensiert wurden, ausgewählt habe. Ich weiß nicht, ob mein Ansatz ‘Streetfotografie mit dem Lensbaby’ ein Alleinstellungsmerkmal ist, aber zumindest fallen mir spontan keine Namen ein, die dieses Thema ähnlich umspielen …

  4. Interessant. Was wuerdet Ihr als Lensbaby Einsteiger Ausruestung empfehlen? Composer Pro. Welche Optik? Braucht es sonst noch eine Spielerei, damit es Spass macht?

    • Kurzer Vorgriff auf den zweiten Teil, der nächste Woche kommen wird: “ich arbeite derzeit mit der ‘Double Glass Optic’ und der ‘Sweet 35 Optic’ am ‘Composer Pro’ in Verbindung mit einer Vollformatkamera …”

    • Danke, dann warte ich wohl noch eine Woche. Ich werde mich wohl vorerst zwischen beiden Optiken entscheiden muessen. (Nicht Vollformat, sondern DX). Makrofotographie schein mir auch eine geeignete Anwendung. Partielle Schaerfe mag unterstuetzen, kleine Welten zu erkunden.

    • Ich muß gerade – ohne irgendeinen Hintergedanken – darüber nachdenken, daß diese Dinge ja auch über Amazon beziehbar und umtauschbar sind …

  5. Hallo nochmal,

    @ Tilman

    Guter Link. Habe mir erst nur die Präsentation angesehen. Hatte mir bisher noch nie Gedanken über die präzise Formulierung der Unschärfe gemacht. Und wie im Vergleich das Auge (das Hirn in der Interpretation) dieses wahr nimmt. Demonstriert wird das Wissen über die Wahrnehmung in der Präsentation speziell bei der illusionshaften Fotografie von Modellen, bzw. beim Film.

    Was mir dabei durch den Kopf geht: Wenn man das Wissen präzise in der Makrofotografie anwendet, könnte man die angestrebten Effekte in der Wahrnehmung rein rechnerisch vorplanen. Und den Effekt optimal treffen. Nicht nur “intuitiv”. Also (die uns unbekannten) Makrowelten zu (uns im Sehempfinden geläufigen) Landschaften verwandeln. (Ich sehe gerade 0,25m^2 Moosfläche als unendliche bewaldete Gebirgslandschaft. Und darin ein winziges Pflänzchen, dass wie ein Mammutbaum daraus hervorragt. Vor der Kamera nur 15mm hoch.)

    Trotzdem ein Punkt, der die Illusion betrifft: Das Auge wandert in der realen Welt über die Szenerie. Dabei wird der Fokus jeweils korrigiert und der Unschärfebereich bleibt immer außerhalb des zentralen Blickes (also da, wo das Auge auch nur gröber (unschärfer) auflöst. Beim Bild wandert das Auge auch, aber die Schärfeinformation ändert sich nicht. Da muss doch ein Unterschied in der Wirkung sein. (?)

    Beim Film ist das sicher etwas anders: Durch das Geschehen und den bewegten Inhalt wird das Auge vom Filmemacher gelenkt. Es tastet in der kürze der (Szenen-) Zeit die wesentlichen (und scharfen) Informationen ab und interpretiert das Unscharfe außerhalb des zentralen Sichtblicks entsprechend. Dort kann ich noch am Ehesten nachvollziehen, dass die Unschärfeinformation auch tatsächlich so wahrgenommen wird, wie es der Filmemacher will. Aber beim statischen Bild?

    @ Thomas

    Die Rechtschreibhilfe im Webbrowser ist ‘ne Katastrophe. Wo ich mich doch immer auf sowas verlasse!
    Ja klar: Vor den Sensor. Früher dachte ich ja auch, die hätten in die Kamera immer einen kleinen Chinesen eingebaut. Der das Bild ganz fix auf den Film malt. Ein Señor aus Spanien? Vielleicht hatte ich mich geirrt. Dann kam der Chinese eben aus Spanien. Komisch nur, dass in der Bedienungsanleitung nie etwas drin stand, wie man den kleinen Kerl füttern muss. Ich habe dann in den Schrank mit der Kamera immer ein Glas Wasser und ein paar Weintrauben gestellt. Das Wasser wurde benutzt. Es wurde mit der Zeit weniger. Die Weintrauben vertrockneten aber immer. Was weiß ich, was spanische Chinesen essen.

    :-D

    Wenn Du die Feinheiten von TS, Lensbaby und der Alternative “Photoshop” ganz praktisch kennst, dann beschreibe uns doch in der 3. Folge, wie sich die erzielbaren Effekte unterscheiden. Ich meine nicht funktional, sondern bezüglich der Bildwirkung. Sind es Feinheiten, die der Fachmann sieht, oder gibt es wirklich für den “Normalbetrachter” Unterschiede?

    Viele Grüße, Frank

    • Zitat “ja, die 1″

      Früher gab es noch Nachnamen. Mittlerweile haben sich Zahlen als praktischer erwiesen. Insbesondere bei spanischen Seniorchinesen :o) …

      Zitat “wie sich die erzielbaren Effekte unterscheiden”

      TS geshiftet: kein Unterschied zum Normalbild, nur Ausschnittsverschiebung …
      TS getilt: ein ‘Schärfekeil’ mit daneben liegenden Unschärfebereichen, wenn man gegen die Achse der in den Raum führenden Elemente kippt; ansonsten (beim Verkippen in Richtung jener Achse) potentiell eine Verstärkung des Schärfeeindrucks …
      Lensbaby: weicher Übergang zwischen ‘sweet spot’ und den allgemein malerisch wirkenden Unschärfebereichen der Perpipherie, verbunden mit erheblichen Verzeichnungen und Bildkrümmungseffekten…
      Lensbaby-Look (softwaregeneriert): Übergang zwischen Schärfe- und Unschärfebereichen wirkt oft ‘technischer’, abgezirkelter; die Verzeichnungen und Bildkrümmungseffekte fehlen (bzw. entsprechen denen des verwendeten Normalobjektivs) …
      Normalbetrachter: sehr schwer zu definieren. Da muß Tilman ran :o) …

      Ich meine schon, daß man mit geschultem Auge die Unterschiede gut erkennen kann. Es folgt (nach dem Abschluß des Objektivteils) bald noch ein eigenes Tutorial zum ‘Lensbaby-Look’, welches das Gesagte an Bildbeispielen veranschaulicht.

    • Hallo Frank,
      - “rechnerisch vorplanen” Wenn ich den Artikel richtig verstanden habe, ja: man kann die Schärfe berechnen, so dass ein Eindruck der gewollten Entfernung zwischen Beobachter und Szene entsteht. Mit Hilfe des Beispiels der Luftaufnahme wird aufzeigt, dass man mit einer Blendenöffnung von 60 Meter (:->) arbeiten müsste, so dass die Luftaufnahme wie eine Spielzeugwelt empfunden wird. Und da das technisch nicht so einfach ist… benutzt man dann lieber TS-Objektive oder simuliert die Unschärfe mit einem Filter. Willst Du eine kleine Moosfläche wie eine Landschaft aussehen lassen, ist es genau der umgekehrte Effekt: eine hohe Tiefenschärfe ist gefragt. Und um beim Thema zu bleiben: der Tilt-Effekt der Lensbaby Objektive scheint dafür nur bedingt geeignet zu sein.
      - „das Auge wandert“ Ja, das ist sicher ein großer Unterschied… und dann gucken wir ja auch noch mit 2 Augen… Aber ich finde die Grundidee interessant. Sie hat mir zu mindestens geholfen zu verstehen, wie der Effekt „Spielzeugwelten“ funktioniert.
      - „Normalbetrachter“ Wenn man einen Fotoapparat als ein lineares System ansieht (im Sinne der Signalverarbeitungslehre), sollte man eigentlich Objektive simulieren können. Allerdings stellt der Rechenaufwand und die notwendige Bildinformation eine Schranke dar. Einfaches Beispiel: einen optischer Zoom können man auch digital berechnen, brauchte allerdings ein Ausgangsbild mit einer sehr viel höheren Auflösung.
      Mit freundlichen Grüßen, Tilman

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