Bildbearbeitung:
Lensbaby-Look (2)

Der sogenannte ‚Lensbaby- oder Tilt-Shift-Look‘ erfreut sich einer gewissen Beliebtheit – Grund genug, Euch in einem zweiteiligen Tutorial unserer Reihe ‚Bildbearbeitung‘ die Erstellungsmöglichkeiten mit Photoshop-Mitteln vorzustellen.

Einleitung
Methoden
Methoden (weiter)
Fazit

 
Methoden (weiter)

Radialer Weichzeichner mit Ausradieren

Radialer Weichzeichner, kreisförmig

Radialer Weichzeichner, kreisförmig

Radialer Weichzeichner, strahlenförmig

Radialer Weichzeichner, strahlenförmig

Mein Favorit für die ‚wirklich krassen Effekte‘ …

Wiederum dupliziere man die Ausgangsebene und füge auf der neu erstellten Bearbeitungsebene über das Menü ‚Filter‘, Untermenü ‚Weichzeichnungsfilter‘ nun den ‚Radialen Weichzeichner‘ ein. Das Zentrum der Weichzeichnung muß durch Ziehen mit der Maus bei der Auswahl schon festgelegt werden, was ohne Vorschaufunktion und einer (unbenommen des Bildformats) immer quadratischen Auswahlfläche etwas Fingerspitzengefühl erfordert. Wenn der Fokus nicht gleich an der gewünschten Stelle sitzt, ist dies jedoch kein Beinbruch – einfach im Protokoll einen Schritt zurück gehen und das Ganze noch mal versuchen; das zuvor ausgewählte Zentrum der Weichzeichnung stellt sich unverändert dar und kann in kleinen Schritten korrigiert werden. Eine Ausgangsstärke von 15 ist empfehlenswert, doch sollte diese natürlich dem Bild und den Zwecken angepaßt werden. Die Wahl einer sehr guten Qualität in der Verarbeitung versteht sich von selber. Bei der Methode können wir noch zwischen kreis- und strahlenförmig unterscheiden. Letzteres finde ich persönlich interessanter bzw. ‚wuchtiger‘, aber entscheidend sollte das Ausgangsbild und der angestrebte Zweck sein.

Etwas Nacharbeit fällt auch hier an (jedoch weniger wie bei der zuvor angeführten Methode), da die Schärfe im gewählten Zentrum etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde. Wir wählen wieder den Radierer, stellen diesen ähnlich wie beim Gaußschen Weichzeichner (weiche Kante, geringe Deckkraft) ein und holen dann vorsichtig, in mehreren Durchgängen und unter Beachtung harmonischer Übergänge die Schärfe in den bildwichtigen Bereichen zurück.

Iris-Weichzeichnung und Tilt-Shift

Iris-Weichzeichnung

Iris-Weichzeichnung

Tilt-Shift

Tilt-Shift

In seiner aktuellen Photoshop-Version CS 6.0 ist Adobe auf diesen Zug der Bildverfremdung aufgesprungen, indem er die oben genannten, komplexeren Bearbeitungsmethoden integrierte. Hierbei steht (wie so oft) dem Vorteil der einfacheren bzw. bequemeren Handhabbarkeit der Nachteil der geringeren individuellen Ausgestaltungsmöglichkeit gegenüber.

Die ‚Iris-Weichzeichnung‘ entspricht dabei am ehesten dem vorgenannten ‚Gaußschen Weichzeichner mit Ausradieren‘. Nach Aufruf über Menü ‚Filter‘, Untermenü ‚Weichzeichnungsfilter‘ kann der Schärfekreis durch Ziehen mit der Maus angepaßt werden. Der Rest des Bildes fällt in eine am rechten Rand einstellbare Unschärfe. Ein weitere Besonderheit ist, daß durch einen Klick in den Hintergrund von Photoshop weitere Bearbeitungskreise erstellt werden können.

Die Funktion ‚Tilt-Shift‘ simuliert die Charakteristika einschlägiger Objektive im Sinne eines Schärfekeils (im Gegensatz zum vorgenannten Schärfekreis). Wir rufen das Werkzeug wiederum über das Menü ‚Filter‘, Untermenü ‚Weichzeichnungsfilter‘ auf und sehen im Bearbeitungsfenster eine Schärfe- und eine Übergangszone mit Vorschau. Das Ganze kann mit Mausziehen auch gedreht bzw. gedehnt und am rechten Rand in einigen Variablen (Weichzeichnen, Verzerrung, Bokeh-Lichter, Bokeh-Farbe, Helligkeitsbereich – hier ist eindeutig der Spieltrieb gefragt) angepaßt werden.

Fazit

Frage: „Und die Bewertung des Ganzen? Ist das Spielerei, Effekthascherei oder ein ernstzunehmendes Instrument der Bildbearbeitung?“

Antwort: „Das kann und muß ich nicht schlußgültig bewerten; es sei einem jedem selbst überlassen, ob er so etwas anschauen oder gar selbst erstellen möchte. Ich kenne durchaus Arbeiten, die in ihrer Aussage durch solche Methoden mit wohldosiertem Auftrag aufgewertet wurden, aber das Gros der Bilder wird wohl den Moment der Betrachtung nicht lange überstehen … sofern wir nun beim ‚inflationären Gebrauch einer bestimmten Methode‘ angelangt sind: dies gilt ja nicht nur für die hier vorgestellten Effekte.“

Frage: „Und würdest Du solche Effekte in eigenen Ausstellungen oder Publikationen verwenden?“

Antwort: „Nein, das ist mir bisher noch nicht in den Sinn gekommen. Dazu bin ich viel zu sehr in der klassischen Fine-Art-Fotografie und zu wenig in der Digital Art verankert. Wenn ich experimentelle Wege gehe, nutze ich direkt Lensbaby- oder Tilt-Shift-Objektive. Die ‚Schönheit solcher Verzeichnung‘ läßt sich meines Erachtens kaum über Software-Effekte reproduzieren.“

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