Fotografieren:
Die bildnerische Erarbeitung von Industrieruinen (3)

In diesem vierteiligen Tutorial möchte ich Euch ein reizvolles, aber auch anspruchsvolles Segment der Fotografie in kompakter Form vorstellen. Hier zunächst eine Übersicht über die Inhalte …

 
Die eigentlichen Aufnahmen

Es sind die vorgenannten Schritte der rechtlichen Klärung, der einschlägigen Recherche sowie der Führung vor Ort, nach denen ich mich überhaupt erst in der Lage fühle, ein solches Objekt mit der nötigen Inspiration und Muße zu begehen.

Für Unterrichts- oder Workshopzwecke kommen dann gemeinsame Aufnahmebegehungen durchaus in Frage, für künstlerische Zwecke meide ich jedoch die damit einhergehenden Ablenkungen und gehe stets alleine.

Ausrüstung

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 14

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 14

Von Seiten der Ausrüstung arbeite ich meistens mit Kleinbildvollformat-Gehäuse (Canon EOS 5D Mark II) und sehr weitwinkligen Objektiven (Canon EF 17-40 mm f/4.0 L USM und TS-E 17 mm f/4.0 L), da sich hierüber die Totale in den oftmals beengten Räumen besser erfassen läßt und die Verschiebungen zwischen Vorder- und Hintergrund (bei einem Öffnungswinkel von 104 Grad bei 17 mm effektiver Brennweite und einer Naheinstellgrenze von 25 cm) große kompositorische Möglichkeiten eröffnen. Auch aufgrund des in der Regel niedrigen Aufnahmestandpunkts und der oftmals hohen Decken bietet sich zur Vermeidung stürzender Linien der Einsatz des genannten Tilt-Shift-Objektivs an.

Ein solides Stativ mit feinen Einstellmöglichkeiten (Manfrotto MA 055XPROB Pro und MA 405 Getriebeneiger Pro-Digital) nebst Wasserwaage und Fernauslöser komplettieren meine Ausrüstung. Eine Taschenlampe ist sehr empfehlenswert, um die oft im Halbdunkel gelegenen Räume zu erkunden, Eigengefährdung auszuschließen und manchmal auch eine genaue Fokussierung mittels Hilflichts zu ermöglichen.

Warme Kleidung und etwas zum Essen und Trinken sollte man ebenfalls nicht vergessen, denn man verbringt unter Umständen doch viel Zeit in oftmals kühlen Räumlichkeiten.

Motiverarbeitung

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 29

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 29

Wir betreten hier ein weites Feld, in dem ich nur allgemeine Empfehlungen geben kann, denn ‘jedes Objekt verdient es, auf eigene Weise erforscht zu werden’ …

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, daß das ‘erste Augenfällige’ nicht zwingend die beste Art ist, die formalen und inhaltlichen Qualitäten eines Motivs wirklich zu erfassen und zum Betrachter zu transportieren. Gleichsam lernte ich, der ‘ersten Begeisterung’ immer ein wenig zu mißtrauen, denn diese mag uns bisweilen in Richtung des ‘schnellen, oberflächlichen Bildes’ lenken.

Gründliche Motiverforschung ist statt dessen angesagt – die ins Auge gefaßte Szene also von verschiedenen Blickwarten, auch einmal von näherer oder entfernterer Warte, vielleicht auch von einem tieferen Aufnahmestandpunkt zu betrachten. Es lohnt sich auch, gestaltungspsychologische Grundsätze im Sinne des guten, kompositorisch stimmigen Zusammenspiels zwischen ‘Figur’ (Motiv, Vordergrund) und ‘Hintergrund’ zu beachten – wie begrenze ich die Gesamtszene durch den Ausschnitt, welches Format verwende ich, welche Elemente nehme ich ins Bild auf, wie plaziere ich diese spannungsvoll, wie spiele ich mit der Größe der verschiedenen Elemente, wie lege ich den Schärfeverlauf an, wie setze ich kontrastierende Tonwerte und Farben ein?

Und auch ein kritischer Blick auf die Lichtsituation gehört schon im Stadium der Motiverarbeitung dazu. Die Kombination von oftmals dämmrigen Innenräumen und ungebrochen durch Fenster und sonstige Öffnungen eindringendem Tageslicht ist gelinde gesagt ‘eine kleine Herausforderung’. Da sich gerade in Gegenlichtsituationen leicht ein Dynamikumfang von weit mehr als den acht bis zehn Belichtungsstufen, die von heutigen Digitalkameras gut bewältigt werden können, einstellt (Stichwort ‘ausbrennende Licht und zulaufende Schatten’), empfiehlt es sich unbedingt, ‘mit dem Licht und nicht gegen dieses zu arbeiten’.

Aufnahmesteuerung

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 49

„Der Geschmack der Erinnerung” | Studie 49

Die Aufnahmesteuerung in Innenräumen aufgrund des (wie schon erwähnt) oftmals überbordenden Dynamikumfangs ist eine Herausforderung, die in ihrer Komplexität durchaus an jene der Nachtfotografie heranreicht bzw. mit dieser verglichen werden kann.

In vielen Situationen ist die HDR-Technik mit Anfertigung einer Belichtungsreihe, Verrechnung zum Hochkontrastbild und einer behutsamen (die Lichtstimmung vor Ort nicht zerstörenden) Herunterrechnung in den Niederkontrastraum erforderlich, um alle nötigen Tonwert- und Strukturinformationen vor Ort aufzunehmen und im Bild überzeugend wiederzugeben.

Für weitere Details darf ich auf die entsprechenden Abschnitte in meinem Tutorial zur Nachtfotografie (Teil 1, Teil 2 und Teil 3) hinweisen.

Ausarbeitung der Bilder

Auch hinsichtlich der Ausarbeitung der Bilder möchte ich mich kurz fassen – alles andere würde den Umfang dieses Tutorials bei weitem sprengen.

Im Onlinearchiv von Fokussiert stehen eine Vielzahl von Tutorials zu ganz verschiedenen Bereichen der Bildbearbeitung zur Verfügung. Von meinen eigenen Tutorials sei auf jene des Zonensystems (Teil 1, Teil 2 und Teil 3), der Bildschärfung (Teil 1, Teil 2 und Teil 3), der Unterscheidung von Schärfung, Lokal- und Globalkontrast (Teil 1 und Teil 2), des Abwedelns und Nachbelichtens (Teil 1 und Teil 2) oder der Filmkornsimulation (Teil 1 und Teil 2) verwiesen. Weitere Tutorials sind natürlich geplant.

 

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