Fotografieren:
Die bildnerische Erarbeitung von Industrieruinen (4)

In diesem vierteiligen Tutorial möchte ich Euch ein reizvolles, aber auch anspruchsvolles Segment der Fotografie in kompakter Form vorstellen. Hier zunächst eine Übersicht über die Inhalte …

 
Verwertung der Bildserien

Zu einer guten Projektplanung gehören auch Überlegungen zur späteren Bildverwertung – einige Gedanken will ich deswegen hier noch anführen.

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 23

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 23

Betrachten wir zunächst das Internet, dieses heutzutage so ungemein leicht erreichbare Medium – Onlinegalerien und -communities ohne Ende, Direktupload aus der Kamera, schöne neue Welt … die Wirklichkeit kann man allerdings auch so umschreiben, daß das einzelne Bild in dieser digitalen Flut unterzugehen droht oder (falls es denn überhaupt wahrgenommen wird) im Sinne des ‘allfälligen Bejubelns, Schmähens oder Ignorierens des Fotocommunismus’ (“boah ey! … zweimal negativ … dreimal plus … schmeiß weg! … schönes Bild! … Schweigen im Walde”) qualifiziert bedacht wird. Der ‘kleine Narzißmus’ wird dadurch bedient, oft genug allerdings auch im Sinne eines verstörenden Wechselbades der Gefühle (“warum liken die das jetzt nicht?”). Substantielle Rückmeldungen hingegen, die den einzelnen Fotografen im Sinne kritischer Anregungen weiterbringen, sind darüber nur selten zu erwarten; und die Vorstellung nennenswerter Bildverkäufe zu ebensolchen Preisen sollte man ebenso schnell vergessen.

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 25

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 25

Kommen wir zur klassischen Verwertung im Sinne von Publikationen in Fachzeitschriften, Teilnahme an qualifizierten Wettbewerben oder Ausstellungen in Galerien und sonstigen Institutionen – ein mühsamer Weg gewiß, gerade Letzteres immer auch begleitet vom ‘Gefühl, der Sparkasse mal wieder die Verkaufsräume kostenlos aufhübschen zu dürfen’ und mit einer ‘nach oben hin merklich dünner werdenden Luft’, aber als Chance für eine verkaufträchtige Präsentationsmöglichkeit oder auch (was dem nicht widerspricht, sondern eher als nötige Voraussetzung erscheint) persönlicher Begegnungen bei Vernissagen oder Künstlergesprächen eindeutig vorteilhafter – aus meiner Sicht zumindest.

Eine dritte Möglichkeit möchte ich noch vorschlagen, gerade zu diesem Thema der Industrieruinen: solche Bereiche sind oft auch ‘hot spots der öffentlichen Wahrnehmung’, wenn etwa ein Werk stillgelegt wurde, Anrainer und ehemalige Beschäftigte sich in ihren Erinnerungen verlieren, eine Art ‘Vakuum im Stadtbild’ entsteht und die weitere Perspektive unklar ist. Hier kann eine geschickte Projektplanung jenen ‘Schwung des schon vorhandenen öffentlichen Interesses’ konstruktiv nutzen und auch ein Stückweit auf die eigenen Bilder lenken. Die Einbindung der regionalen Presse kann ebenfalls ein guter Multiplikator sein, denn interessante Geschichten (und vielleicht auch nur im Sinne eines “daß sich hier mal wieder was tut”) sind dort erfahrungsgemäß gerne gesehen. Und vielleicht gibt es auch Interessen- oder Ehemaligengruppen, die sich schon länger des speziellen Themas annehmen.

Fazit

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 36

„Was vom Werke übrig blieb” | Studie 36

Das war es von meiner Seite zu diesem Thema. Die Ausführungen mögen meine Eingangsthese eines ‘reizvollen, aber auch anspruchsvollen Segment der Fotografie’ untermauert haben, und daß es eben nichts ist, was im Sinne von ‘geschwind einmal Morbidcharme bitte’ auch beste Ergebnisse garantiert.

Es würde mich freuen, wenn ich Euch damit einige Anregungen für eigene Projektplanungen geben konnte. Fühlt Euch frei, in der Diskussion auf eigene Serien zu verweisen und insbesondere darauf, wie ihr damit Öffentlichkeit hergestellt habt.

 

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