Fotografieren:
Möglichkeiten der Bildverfremdung in der klassischen Fotografie (1)

Hier zunächst ein Überblick über die Inhalte dieses vierteiligen Tutorials (die schon erschienenen Beiträge sind verlinkt) …

 
Einleitung

Fotografien dienen seit jeher unterschiedlichsten Zwecken. Stehen dabei etwa dokumentarische, journalistische oder touristische Belange im Vordergrund, wird sich das angestrebte Bild zumeist am Ideal einer möglichst realistischen Abbildung und damit unserer natürlichen Seherwartung orientieren.

Andererseits ist klar, daß eine Fotografie niemals die Wirklichkeit als solche, sondern allenfalls eine (mehr oder weniger überzeugende) Illusion von dieser abbilden kann. Schon die Beschränkung des Bildes auf zwei Dimensionen (Breite und Höhe) verdeutlicht, daß etwa die Raumtiefe als dritte Dimension mit geeigneten Mitteln simuliert werden muß.

Zudem ‘sieht’ eine Kamera ganz anders wie unser Auge. Während wir als natürliche Betrachter ständig auf- und abblenden, um eine kontrastvolle Szene sowohl in den Schatten wie den Lichter korrekt wahrzunehmen, ein Gesamtbild mit den Äugen abtasten oder auch unseren Fokus verändern, um sowohl nahegelegene wie entfernte Objekte scharf einzustellen, ist eine Kamera in Hinblick auf Blende, Blickwinkel oder Fokuseinstellung festgelegt.

Bildbeispiel: Lensbaby mit Crossentwicklung

Bildbeispiel: Lensbaby mit Crossentwicklung

Gerade Fotografen mit gestalterischem oder künstlerischem Anspruch versuchen nun, ‘aus solcher Not eine Tugend zu machen’. Sie verwenden die ganz andere Sichtweise der Kamera, um Verfremdungseffekte (im Sinne einer ‘gewollten Enttäuschung’ der natürlichen Seherwartung) einzusetzen und damit ‘Bilder von dieser Welt zu schaffen, die quasi nicht von dieser Welt sind’.

Die besagten Verfremdungseffekte sind soweit bekannt und wurden schon an manch anderer Stelle beschrieben. In diesem Grundlagentutorial geht es mir darum, die verschiedenen Puzzleteile einmal zu sammeln und die vorhandenen Möglichkeiten zusammenfassend darzustellen.

Erwähnung finden dabei Instrumente und Prozeduren im Rahmen der Motiverarbeitung und der Aufnahmesteuerung. Nachbearbeitungsaspekte werden (im Sinne der ‘klassischen Fotografie’) nur insofern berücksichtigt, als diese bereits in der analogen Fotografie möglich waren und in der Dunkelkammer weithin praktiziert wurden (mit Ausnahme der digitalen Schwarzweißkonvertierung, für die es keinen entsprechenden Vorläufer gab). Bis in den Bereich der ‘Digital Art’, die vielfache Filterungs- und Maltechniken auf Softwareebene in das Zentrum des kreativen Schaffens rückt, reicht dieses Tutorial somit nicht …

Sofern nicht anders erwähnt, entstammen die nachfolgenden Bildbeispiele meinem eigenen Portfolio – was nichts mit einem Mangel anderweitiger Präsentationsmöglichkeiten, sondern mit dem Vorteil unkomplizierter Wiedergaberechte zu tun hat.

 

Ein Kommentar

  1. Ich freue mich auf die Newsletter

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