Scanografie:
Das etwas andere digitale Bild

Scanner machen digitale Bilder, wenn auch auf eine etwas andere Art als die Kameras. “Scano”-grafie nennt sich diese Sparte, im Unterschied zur “Foto”-grafie.

Hirschgras, 2013 (c) Uli Eberhardt

Hirschgras, 2013 (c) Uli Eberhardt

Farn, 2013 (c) Uli Eberhardt

Farn, 2013 (c) Uli Eberhardt

Experimentelles, Blumiges, Künstlerisches – mit dem Scanner lässt sich so einiges machen. Das Buch Scanografie von Werner Abel gibt uns einen Überblick über Technik und gestalterische Möglichkeiten.

Die Scanografen legen offenbar Wert auf einen exakten Umriss ihres Arbeitsgebiets: “Bei der Scanografie wie ein eigentlich zur Digitalisierung von Fotos, Filmen und gewöhnlichen Dokumenten bestimmter, herkömmlicher Flachbett-Scanner als Kamera genutzt, um zum Beispiel dreidimensionale Objekte zu gewöhnlich hoher Auflösung aufzunehmen oder zu erfassen”, so heißt es in dem Buch, das 2011 im Nardelli-Verlag erschien. Kopien oder so etwas Ähnliches zählten nicht zur Scanografie – und dort werden deshalb keine medizinischen, Barcode- oder Handscanner verwendet.

Ja, Flachbett-Scanner sind tatsächlich in der Lage, eine gewisse Tiefe abzubilden – allerdings nur bis zu ein paar Zentimetern. Werner Abel empfiehlt uns deswegen Scanner mit CCD-Sensoren als Arbeitgeräte, nur diese haben diesen gewissen, begrenzten Blick in die Tiefe. In Sachen Bildgröße sind die Scanner nur von digitalen Mittelformatkameras zu schlagen: Die Pixelmaße erreichen auf der ganzen Scanfläche rund 5000 Dots in der Breite und 7000 und noch mehr in der Länge. Es sind also Dateien von 35 Megapixeln oder mehr. Dafür braucht es in der Bildverarbeitung etwas kräftigere Rechner. Mit mehreren Ebenen kommen das leicht Dateigrößen im GB-Bereich zustande. Große und detailreiche Drucke wären da also möglich – genauso wie große Ausschnitte ohne Qualitätsverlust.

Die ganz besondere Stärke der Scanografie liegt im Makro-Bereich. In der Makro-Fotografie großer technischer Aufwand und einiges an Fachwissen für sehr gute Bilder notwendig. Auf den Scanner gelegt, offenbart zum Beispiel eine Blüte ihre feinsten Details ganz unkompliziert und unverwackelt – mindestens im Abbildungsmaßstab 1:1 und – je nach Scanner und Software – noch viel größer. Einige erstaunliche Abbildungen in dem Buch – teils mit 800 Prozent Vergrößerung – zeigen die Möglichkeiten. So zeigen sich zum Beispiel nur zwei Millimeter große Erika-Blütchen plötzlich formatfüllend und ohne Qualitätsverlust als Bildschirmhintergrund.

Nach einer Einführung in die Technik mit vielen praktischen Tipps zeigt uns der Autor Werner Abel die vielen Anwendungsmöglichkeiten, die mit der Scanografie möglich sind. Sein besonderes Interesse gilt der Flora vom Frühling bis zum Winter. Aber auch “Lichtzauberei” stellt er uns vor, Lichtmalerei mit dem Scanner also. Wird der Scanner auf höchste Auflösung eingestellt, dann läuft der Schlitten langsam und wir können mit den verschiedensten Gegenständen experimentieren. Es entstehen bunte, abstrakte Stücke, die in vielem an Bilder der Konkreten Fotografie erinnern.

Am Ende des Buches (es ist quer-gedruckt, aufzuklappen wie ein Scanner) finden wir einen Exkurs zu vielerlei Spielarten der Scanografie – zu Künstlern, Designern, Malern. Die Scanografie wird zur Scan-Art mit fast unbegrenzten Möglichkeiten. Und es gibt Leute, die ihren Scanner draußen mit herumschleppen – Outdoor-Scanografie sozusagen. Wir finden viele Beispiele dazu auf der Website Scannography – The Art of Scanning.

Beton I, 2011 (c) Uli Eberhardt

Beton I, 2011 (c) Uli Eberhardt

Beton II, 2011 (c) Uli Eberhardt

Beton II, 2011 (c) Uli Eberhardt

Meine Experimente, die ich Euch hier zeige, sind mit dem Handscanner entstanden. Nach der obigen Definition darf ich mich also nicht zu den Scanografen zählen. Die Collagen-Bilder mit Hirschgras und Farn entstanden im Atelier, die Beton-Oberflächen (zwangsläufig) vor Ort. Der Handscanner liefert eine technisch deutlich schlechtere Qualität als ein Flachbett-Scanner und hat auch sonst seine Tücken: Er belichtet schnell über, produziert Streifen und kann und wenige Millimeter in die Tiefe blicken. Aber das ist gewollt: Es sind Kopien und so sollen sie auch aussehen. Die großen Dateien (im Seitenverhältnis 1:2) lassen sich bei 240 dpi ohne Vergrößerung eins zu eins auf 45 mal 90 Zentimeter drucken. Ganz locker. Das Buch jedenfalls macht Appetit auf weitere Experimente, auch mit dem Flachbett-Scanner.

Werner Abel – Scanografie (Affiliate-Link), Nardelli-Verlag, Reichenau 2011, 49,90 Euro.

Scannography
Nardelli-Verlag

 

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