Fotografieren:
Porträtfotografie (3)

Hier zunächst ein Überblick über die Inhalte dieses vierteiligen Tutorials …

 

***

4. Fotografische Aspekte

4a. Ausrüstung

Der Brennweitenbereich von kleinbildäquivalenten 50 bis 100 mm hat sich für die Porträtfotografie besonders bewährt.

Je nach Abstand zum Fotografierten ist dabei die erstgenannte Brennweite für die Halbtotale bis zum Hüftporträt, die zweitgenannte für Brust- bis Schulterporträts geeignet. Nur bei extremeren Porträtarten kämen andere Brennweiten in Betracht – etwa ein Weitwinkel unter 50 mm Brennweite für eine Totale oder Supertotale bzw. ein Tele über 100 mm Brennweite für eine Detailaufnahme.

Formatfaktor (Quelle: Wikipedia)

Formatfaktor (Quelle: Wikipedia)

Sofern Kameras mit kleineren Sensoren wie 36 mal 24 mm (‘Crop’) zur Anwendung kommen, muß die am Objektiv abgelesene Brennweite noch mit dem sogenannten Formatfaktor multipliziert werden – bei kleinen Nikon-Kameras entspräche der kleinbildäquivalente Brennweitenbereich von 50 bis 100 mm somit einem abgelesenen Brennweitenbereich von etwa 33 bis 66 mm.

Vierstufiger Schärfeverlauf mit Augenfokussierung (Quelle: Maike Frisch)

Vierstufiger Schärfeverlauf mit Augenfokussierung (Quelle: Maike Frisch)

Generell empfehlen sich lichtstarke Objektive mit einer großen Anfangsblende. Aus dem Canon-Arsenal etwa stehen hier das EF 50 mm f/1.4, das EF 85 mm f/1.8 oder das EF 100 mm f/2.8 Macro zur Verfügung.

Die durch die Offenblendigkeit geringe Schärfetiefe stellt hierbei durchaus kein Manko, sondern eher einen Vorteil dar. Diese läßt sich für einen ausgeprägten Schärfeverlauf im Sinne einer gut durchgezeichneten Gesichtspartie (insbesondere Augen) und einem unscharfen Hintergrund mit weichem Bokeh und malerischem Eindruck nutzen.

4b. Aufnahme

Wie schon erwähnt, sollte im Sinne des ästhetischen Ideals eine möglichst offene Blende (große Blendenöffnung bzw. kleine Blendenzahl) verwendet werden.

Dies sollte jedoch nicht unbedingt die Anfangsblende sein, da bei dieser eine geringere Abbildungsleistung im Vergleich zur förderlichen bzw. kritischen Blende herrscht. In der Praxis empfiehlt es sich also, um ein bis zwei Blendenstufen gegenüber der maximalen Offenblende abblenden, um möglichst geringe Schärfentiefe mit ausreichender Abbildungsleistung zu kombinieren. Beim erwähnten Canon EF 50 mm f/1.4 wäre entsprechend f/2.8 eine gute Arbeitsblende.

Die Belichtungszeit hängt von der Lichtart ab. Sofern Kunstlicht (Blitz) zur Anwendung kommt, ist diese in der Regel ja festgelegt. Bei natürlichen Lichtsituationen (available light) sollte auf eine ausreichend kurze und verwacklungssichere Belichtungszeit geachtet werden. Die fotografische Kehrwertregel (’1 geteilt durch kleinbildäquivalente Brennweite’, Formatfaktor nicht vergessen!) gibt hier gute Anhaltspunkte. Beim erwähnten Canon EF 100 mm f/2.8 wäre dies also ‘höchstens 1/100, besser 1/200 Sekunde’ (Sicherheitsabstand, um Verwacklung zu vermeiden!). Sofern ein Bewegungsstabilisator (IS) zur Anwendung kommt, kann hier natürlich großzügiger bemessen werden.

Die Sensorempfindlichkeit muß auf die Lichtverhältnisse abgestimmt werden. Bei Kunstlicht können niedrige ISO 100 verwendet werden, um das Bildrauschen gering zu halten. Bei natürlichem Licht muß die Empfindlichkeit entsprechend erhöht werden, um bei der gewählten Arbeitsblende die sich aus der Kehrwertregel plus Sicherheitsabstand (siehe oben) ergebende Belichtungszeit zu erreichen.

Die Fokussierung sollte unbedingt auf die Augen erfolgen, da diese den Blickfang des Porträts darstellen. Sofern sich aufgrund der geringen Schärfentiefe bzw. des geringen Abstandes zum Abgebildeten nicht beide Augen scharfstellen lassen, sollte die größte Schärfe auf das dem Fotografen nähere Auge gelegt werden.

4c. Licht

Auch in der Porträtfotografie stellt das Licht ‘das A und O des Ganzen’ dar, durch seine Menge, Art und Richtung wird das Bild gestaltet.

Low-key-Eindruck (Quelle: Wikipedia)

Low-key-Eindruck (Quelle: Wikipedia)

Eine geringe Menge an Licht bewirkt einen düsteren bzw. geheimnisvollen ‘Low-key-Eindruck’, eine große Menge hingegen einen fröhlichen bzw. ätherisch überhöhten ‘High-key-Eindruck’ des Bildes. Eine harte bzw. streiflichtartige Beleuchtung führt zu kontrastreichen Konturen und starken Schatten mit krasser Bildwirkung, eine weiche bzw. diffuse Beleuchtung hingegen zu einer sanfter und plastischer Modulation des Aufgenommenen, so daß letztere meist bevorzugt wird.

 
High-key-Eindruck (Quelle: Wikipedia)

High-key-Eindruck (Quelle: Wikipedia)

Darüber hinaus ist auch die Richtung des Lichts entscheidend für die Bildwirkung. Ein Hauptlicht direkt von vorne (wie etwa durch den typischen Frontalblitz) moduliert den Porträtierten kaum, läßt diesen flach und blaß erscheinen und sollte entsprechend gemieden werden. Gegenlicht ist spannend durch die dadurch entstehenden Randaufhellungen bzw. Lichtsäume, läßt die bildwichtige Vorderseite des Abgebildeten jedoch zu sehr in den Schatten fallen.

Die ideale Licht ist ein Streiflicht von seitlich vorne; bei natürlichem Licht kann der Aufgenommene dazu im Abstand von zwei bis drei Metern zu einem Fenster positioniert werden, Aber auch unter solch günstigen und natürlichen Bedingungen sollte auf die Ausgewogenheit der Beleuchtung geachtet werden, um die dem Hauptlicht abgewandte Seite und den Hintergrund nicht allzu sehr in den Schatten fallen zu lassen.

Dreipunktbeleuchtung (Quelle: Wikipedia)

Dreipunktbeleuchtung (Quelle: Wikipedia)

Bei der Verwendung von Kunstlicht (etwa unter Studiobedingungen) werden dazu regelmäßig drei Lichtquellen (klassische ‘Dreipunktbeleuchtung’) verwendet – ein Haupt- bzw. Führungslicht von seitlich vorne, ein abgeschwächtes Füll- bzw. Aufhellungslicht zur Öffnung der Schatten auf der lichtabgewandten Seite und ein meist härteres Gegenlicht zur Kantenbetonung bzw. Gestaltung des Lichtsaums. Ergänzend kommt oft noch noch ein Hintergrundlicht zur Umfeldbeleuchtung sowie ein weiteres Effektlicht zur Betonung wichtiger Details zur Anwendung.

Betrachten wir noch die vertikale Achse der Lichtrichtung: eine Beleuchtung auf Augenhöhe oder von leicht schräg oben kann als Standard definiert werden, dies setzt den Abgebildeten natürlich und gefällig in Szene. Man kann aber auch hier natürlich ungewöhnliche Wege gehen, etwa durch eine Beleuchtung von schräg unten in Kombination mit einer Untersicht. Solche Bilder werden dann allerdings weniger für den ‘Beauty contest’ wie vielmehr für eine ‘Edgar-Wallace-Hommage’ taugen …

***

 

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen. Mehr dazu in unseren Kommentarregeln.

* Pflichtfelder