Leserfoto:
Gestaffelte Stadtansicht

Blickfluchten in verregneten Städten gehören zu den reizvollen Motiven, wie unser heutiges Bildbeispiel zeigt.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unser Leser Philipp Schmidbauer aus München hat uns das obige Bild unter dem Titel „Regen über Neapel” in der Kategorie ‘Schnappschuß’ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „Dieses Bild entstand während eines Spaziergangs an einem regnerischen Nachmittag in Neapel, wo ich für ein halbes Jahr studiere.”

Zur Aufnahme wurde eine Sony DSC-HX9V mit eingebautem Zoomobjektiv 4.3-68.5 mm f/3.3-5.9 verwendet. Die Brennweite betrug 14.2 mm (entsprechend 79.3 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von knapp 5.6), die Belichtungsdaten waren 1/80 Sekunde bei Blende f/4.5 und ISO 400.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Hinsichtlich der Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) fällt der Blick des Betrachters auf eine Art ‘Bild im Bild’ – Häuser und Gebüsch auf beiden Seiten, der Regenschirm von oben und das Pflaster von unten wirken wie ein Rahmen, der der Fernblick in die talseitige Stadt umfaßt (rote Linien ebd.). Einige, aus dem Bildecken hervorkommende Diagonalen geben diesem Rahmen Halt und lenken den Blick auf die entfernte Szenerie (gelbe Linien ebd.)

Bei den Tonwerten (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) fallen das linksschiefe Histogramm mit einem Mittelwert von knapp 70 sowie die insbesondere in den Randbereiche zulaufenden Schatten auf.

Gedämpfte Ocker- und Rottöne überwiegen bei den Farben.

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In der Zusammenfassung möchte ich das atmosphärische Element dieses Bildes loben – Philipp gelingt es durchaus, die ‘tristezza’ des Augenblicks in der verregneten Stadt festzuhalten. Mit einer leichten Anhebung des Mitteltonkontrasts und einer leichten Gesamtaufhellung wirkt das Bild m. E. noch etwas frischer, ohne den Charakter dieser ‘charmanten Melancholie’ zu verlieren (siehe dazu untenstehendes Bild ‘Überarbeitung’).

Der von oben hineinreichende Rand des Regenschirms stützt einerseits zwar die Komposition, indem es jenen zweiten Rahmen (bzw. das ‘Bild im Bild’) überhaupt erst entstehen läßt, doch ist er andererseits auch ein störendes Element – grundsätzlich sollte ‘nichts ins Bild hineinragen, was nichts dazugehört’.

Harmonischer erscheint es, sich hierzu der vor Ort vorhandenen Strukturen (wie etwa Torbögen) zu bedienen – eine Beispiel dazu zeigt das Vergleichsbild (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) aus meinem Streetportfolio.

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Komposition

Komposition

Tonwerte

Tonwerte

Überarbeitung

Überarbeitung

Vergleichsbild

Vergleichsbild

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In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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7 Kommentare

  1. Ich hätte den Fokus hier auf die Gasse gelegt. Der Hintergrund wirkt auf mich nicht sehr interessant.

  2. Die Stimmung des Bild ist toll, deswegen mag ich es auch! Ansonsten habe ich dasselbe Gefühl wie Laderio: der Rahmen hat mehr Gewicht als der Bildinhalt. Der letztere eignet sich auch nicht so sonderlich als Hauptmotiv und ist leicht unscharf.
    Mit freundlichen Grüßen, Tilman

  3. Hallo Laderio,
    hallo Tilman,

    mit ‘Fokus’ meint Ihr wohl nicht die Schärfeanmutung, denn die ist hier ausreichend. Solche Stadtansichten dürfen ruhig auch malerisch wirken, wozu eine weiche Unschärfe des Hintergrundes gut paßt. Ihr hättet wohl eher etwas anderes in den Blickpunkt gesetzt … wenn Ihr selbst Arbeiten zu diesem wunderbaren und unerschöpflichen Genre ‘Mediterranes Straßengewusel’ habt, dann reicht sie doch zur Besprechung ein. Manches wird erst im Vergleich deutlich …

    Thomas

  4. Wie meine Vorredner ganz richtig bemerken, ist die Stadtansicht in der Ferne nur Hintergrund und nicht Motiv. Das Vergleichsbild zeigt sehr schön, wie wichtig bei solchen Bildern ein “Eyecatcher” ist, zum Beispiel in Form einer Person.

  5. Es gefällt mir gut, nur, das Tüpfelchen auf dem i fehlt. Egal was, Katze, Hund, oder ein Kind, irgendetwas das den Blick etwas fokussiert.

  6. Hallo Uwe,
    hallo Rainer,

    vielleicht war ja jenes weiße Gestell (eine Bank, ein Tisch?) im linken unteren Viertel als Blickfang vorgesehen. Aber es hebt sich in Farbigkeit, Tonalität und Freistellung nicht als solches ab.

    Thomas

  7. Auch trübes, regnerisches Wetter eignet sich sehr gut für mediterrane Fotos. Der Hintergrund zeigt es sehr gut. Das Bild an sich gefällt. Der Schirm passt zwar zum Wetter, aber im Bild nicht ganz so toll.
    Mit freundlichen Grüßen Sonja Kolarics

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