Leserfoto:
Rhythmus und Unterbrechung

Ein gelungenes Beispiel für eine bildnerische Abstraktion zeigt die heutige Bildbesprechung.

Ausgangsbild

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Unser Leser Florian Fahlenbock aus Freiburg im Breisgau hat uns das obige Bild unter dem Titel „Spargelfeld” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Ein Spargelfeld am Tuniberg in Südbaden … Eigentlich hatte ich vor die Spargelstecher bei ihrer doch recht harten Arbeit zu fotografieren. Beim durch die Felder laufen sah ich plötzlich die regelmässigen Einschnürungen in den Folien die den Spargel verdecken und wollte diese festhalten Dies ist nun das Ergebnis … Die exif Daten sind angehängt. Das Bild wurde mit Lightroom bearbeitet. Ich würde mich freuen eine ausführliche Kritik dazu zu bekommen bezüglich Aufbau, Ausschnitt, Bearbeitung.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 600D mit Kitobjektiv EF-S 18-55 mm f/3.5-5.6 IS II verwendet. Die Brennweite betrug 42.0 mm (entsprechend 67.2 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/8 Sekunde bei Blende f/16.0 und ISO 100.

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Ich selbst hätte das Bild wahrscheinlich in die Kategorie ‚Abstraktion‘ bzw. ‚Konzept‘ zugeordnet. Wie auch immer, Florians Wunsch nach einer ausführlichen Kritik kann jedenfalls abgeholfen werden. Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Still und unprätentiös präsentiert sich hier die Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild). Wie im Besprechungstitel angedeutet, geht es in dieser Arbeit darum, mit Reihungen bzw. Wiederholungen sowie deren Unterbrechung positive Bildspannung zu erzeugen.

Wenn wir uns auf das Bild einlassen, entdecken wir drei hauptsächliche, sich durch die Verlängerung der formgebenden Drahtringe ergebenden Blicklinien (gelbe Linien ebd.). Interessant ist nun jener sehr weit nach oben gezogene, horizontal etwa in den Goldenen Schnitt von links gelegte Bereich, bei dem der Blick ‚aus jener Spur springt‘ (rote Linien ebd.). Jenseits dieses Bereichs setzt nochmals die mittlere Linie ein und führt den Blick aus dem Bild heraus, quasi ins Unendliche.

Auf ein weiteres Element möchte ich noch hinweisen: jenen am unteren Bildrand befindlichen, wiederum horizontal etwa im Goldenen Schnitt von links liegenden Bereich (blaue Linien ebd.) mag man schließlich als störend bzw. den Rhythmus unterbrechend ansehen oder eben auch als nötigen Kontrapunkt zur schon benannten, abweichenden Struktur am oberen Bildrand – dies finde ich nicht leicht bzw. eindeutig zu entscheiden.

Hinsichtlich der Tonwerte kann man das Bild als hochkontrastig bezeichnen – Schatten und Lichter sind jeweils stark belegt, die Mitten vergleichsweise gering, so daß ein zweigipfliges Histogramm mit einem Mittelwert von knapp 150 und geringen (nicht weiter störenden) Abbrüchen im Schattenbereich resultieren.

Zu den Farben ist zu sagen, daß hier (sofern ich mich nicht völlig täusche) eine Schwarzweißkonvertierung des Ausgangsbildes mit abschließender Gelbtonung vorgenommen wurde.

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In der Zusammenfassung möchte ich zunächst gerne darauf hinweisen, daß sich auch mit einfacher Ausrüstung (Einsteiger-DLSR mit Kitobjektiv) und profanen Motiven recht wirkungsvolle Bilder erschaffen lassen. Es ist also immer noch der Fotograf mit seinem inneren Konzept und äußerem Blick, der letztlich das Bild macht. Auch die teuerste Ausrüstung und schönste Automatik wird fehlende Inspiration nicht wettmachen können …

Florians Bild ist zweifelsohne gelungen – die sparsame Komposition mit ihren wenigen Elementen wird durch den hohen Kontrast unterstützt. Besagte Reihungen bzw. Wiederholungen sowie deren Unterbrechung erzeugen tatsächlich die nötige Bildspannung, um diese Arbeit auch über den Augenblick der Betrachtung hinaus wirken zu lassen. Jenes ‚Spiel mit Rhythmen und Unterbrechungen‘ mündet auch in ein interessantes ‚Spiel der Erfüllung und Versagung von Seherwartungen‘.

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Komposition

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In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Ein Spargelfeld am Tuniberg in Südbaden.
Eigentlich hatte ich vor die Spargelstecher bei ihrer doch recht harten Arbeit zu fotografieren. Beim durch die Felder laufen sah ich plötzlich die regelmässigen Einschnürungen in den Folien die den Spargel verdecken und wollte diese festhalten Dies ist nun das Ergebnis.
Die exif Daten sind angehängt. Das Bild wurde mit Lightroom bearbeitet. Ich würde mich freuen eine ausführliche Kritik dazu zu bekommen bezüglich Aufbau, Ausschnitt, Bearbeitung.

Marke: Canon

Modell: Canon EOS 600D

Belichtungszeit: 1/8

ISO: 100

Blende: 16/1

Brennweite: 42/1

Formulardaten:

Vorname: Florian
Nachname: Fahlenbock
Strasse: St.Erentrudi-Str. 8
PLZ / Ort: 79112 Freiburg
E-Mail-Adresse: f.fahlenbock@gmx.de
Webseite:
Bilddatei:
Bildtitel: Spargelfeld
Kategorie: Landschaftsfotografie
Kommentar: Ein Spargelfeld am Tuniberg in Südbaden.
Eigentlich hatte ich vor die Spargelstecher bei ihrer doch recht harten Arbeit zu fotografieren. Beim durch die Felder laufen sah ich plötzlich die regelmässigen Einschnürungen in den Folien die den Spargel verdecken und wollte diese festhalten Dies ist nun das Ergebnis.
Die exif Daten sind angehängt. Das Bild wurde mit Lightroom bearbeitet. Ich würde mich freuen eine ausführliche Kritik dazu zu bekommen bezüglich Aufbau, Ausschnitt, Bearbeitung.
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3 Antworten
  1. Peter Bundück says:

    Ich finde Bild und Bearbeitung auch recht spannend. Nur bleiben meine Augen immer wieder an den ersten 2 bzw 4 „Aufdrucken“ (Punkte) oben auf der Folie hängen.
    Die würde ich vielleicht wegstempeln abstrakter zu gestalten.
    Ciao
    Peter

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Danke für diese Vervollständigung. Ich hatte diese Punkte vor lauter ‚zusammengesetzten Diagonalen‘ weitgehend ausgeblendet – ein bißchen wie bei jenen Kippbildern (‚Vase und Gesichter‘). Dieses Thema will ich im nächsten Tutorial ‚Gestaltpsychologie‘ noch ein wenig vertiefen …

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