Bildbearbeitung:
Das Werkzeug ‘Tiefen/Lichter’ (2)

Ein ‘kleines, aber feines Werkzeug’ zur Bildbearbeitung in Photoshop möchte ich Euch in diesem vierteiligen Tutorial vorstellen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einleitung
2. Aufbau
3. Beispiele
4. Grenzen
5. Vergleich
6. Fazit
Bisherige Tutorials des Autors

 

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2. Aufbau

Einbindung durch Ebenenkopie (links) oder Smartfilter (rechts)

Einbindung durch Ebenenkopie (links) oder Smartfilter (rechts)

Mangels Verfügbarkeit einer Einstellungsebene kann mit ‘Tiefen/Lichter’ nur destruktiv bzw. unwiderruflich gearbeitet werden. Daher empfiehlt es sich, zunächst die Hintergrundebene mit ‘Strg-J’ zu verdoppeln und das Werkzeug auf einer Bearbeitungsebene anzuwenden, da so eine Rücknahme der Effekte (global über ‘Deckkraft’ oder selektiv über ‘Radiergummi’) möglich ist. Eine Alternative ist, das Bild in ein Smartobjekt zu konvertieren und das Werkzeug dann als Smartfilter anzuwenden. Das nebenstehende Bild zeigt beide Möglichkeiten.

Zum eigentlichen Aufruf findet sich das Werkzeug im Photoshop-Menü ‘Bild’, Untermenü ‘Korrekturen’ und dort als ‘oberster Eintrag des zweituntersten Abschnitts’ – wie gesagt ‘gut versteckt’. Nach dem Aufruf öffnet sich (je nach vorheriger Einstellung und Bildart) eines der drei im nachfolgenden Bild gezeigten Fenster. Das sollte ich nun vielleicht doch noch etwas genauer erläutern …

Abb. 5: Fensterdarstellung nach Funktionsaufruf

Abb. 5: Fensterdarstellung nach Funktionsaufruf

Das linke Fenster entspricht dem allerersten Aufruf, es ist sozusagen eine ‘quick-and-dirty-Version’, mit der nur die Grundparameter der Tiefen- und Lichternormalisierung (eben die ‘Stärke’) beeinflußt werden können. Da wir jedoch einen gewissen Anspruch hegen und auch die Feinparameter bestimmen wollen (oder sogar müssen), reicht uns dies natürlich nicht …

So klicken wir ‘Weitere Optionen einblenden’ an und es erscheint bei einem Farbbild das mittlere, bei einem Graustufenbild hingegen das rechte Fenster. An die Stelle der ‘Farbkorrektur’ im mittleren Fenster, die bei Farbbildern eine Korrektur der bei Tonwertmanipulationen immer drohenden Farbverschiebungen ermöglicht, tritt beim rechten Fenster sinnvollerweise die ‘Helligkeit’.

Bei genauer Hinsicht zeigt sich das Fenster in drei Gruppen unterteilt. Betrachten wir zunächst die beiden ersten Gruppen ‘Tiefen’ und ‘Lichter’. In diesen beiden Gruppen finden sich jeweils drei Regler für ‘Stärke’, ‘Tonbreite’ und ‘Radius’.

Der Parameter ‘Stärke‘ ist dabei wohl der am leichtesten verständliche – ein Wert von 0 Prozent bedeutet keinen Effekt, ein Wert von 100 Prozent hingegen den vollen Effekt (im Sinne einer Aufhellung der Tiefen bzw. Abdunklung der Lichter), wobei die maximale Effektstärke natürlich immer vom Ausgangsbild abhängt. Man kann hier unbedenklich verschiedene Einstellungen ausprobieren und die jeweils resultierenden Effekte durch An- und Ausklicken der ‘Vorschau’ sehr schön vergleichen.

Weniger verständlich auf Anhieb mag der Parameter ‘Tonbreite‘ wirken. Dieser regelt, wie weit sich der mit der ‘Stärke’ festgelegte Effekt (wiederum also die Aufhellung der Tiefen bzw. Abdunklung der Lichter) in den Bereich der Mitten erstreckt. Bei einem Wert von 0 Prozent tritt auch die ‘Stärke’ quasi auf der Stelle, während bei einem Wert von 100 Prozent ein linearer Effekt dahingehend eintritt, daß in der oberen Gruppe die Tiefen im vollen Umfang, die Mitten zur Hälfte und die Lichter nicht verändert werden (für die mittlere Gruppe gilt das Entgegengerichtete). Ein Voreinstellung von 30 bis 50 Prozent scheint ein guter Kompromiß, doch muß die genaue Einstellung natürlich immer vom Bild abhängig gemacht werden.

Der in seiner Auswirkung wohl am schwerste verständliche Parameter ist der ‘Radius‘. Grundsätzlich ähnelt es dem gleichnamigen Parameter im Werkzeug ‘Unscharf Maskieren’, da in beiden Fällen der räumliche Abstand zur Kontrastkante definiert wird, bis zu welchem der Effekt Wirkung entfaltet. Dies ist aber bei ‘Tiefen/Lichter’ nicht leicht eingängig, da die Tonwertverschiebungen ja über das ganze Bild hinweg erfolgen.

Des Rätsels Lösung besteht darin, daß es sich um den Radius um jene Pixel herum handelt, die in zur Verschiebung vorgesehene Tonwertbereiche fallen (also die Tiefen in der oberen und die Lichter in der mittleren Gruppe). Da sich jedoch solche räumliche Gruppierungsmuster von Bild zu Bild und auch innerhalb verschiedener Bereiche eines Bildes stark unterscheiden, ist der Effekt besonders schwer vorherzusehen. Eine Voreinstellung von 30 Pixel scheint ein guter Kompromiß, dadurch wird ein gewisser ‘Weichzeichnereffekt der Änderungswirkung’ erzielt. Klar ist auch, daß ein zu gering eingestellter ‘Radius’ in Verbindung mit zu hoher Stärke unangenehme Kantenartefakte bzw. Randsäume (ähnlich wie beim übertriebenen ‘Unscharf Maskieren’) nach sich ziehen kann, während ein zu hoch eingestellter ‘Radius’ das Bild möglicherweise ‘wie ausgewaschen’ wirken läßt.

Man könnte im Sinne einer Systematisierung noch ergänzend sagen, daß es bei dieser Feinsteuerung vornehmlich darum geht, ‘wie Pixel gruppiert werden’ – beim ‘Radius’ im lokalen Umkreis, bei der ‘Tonbreite’ hingegen im tonalen Umfeld.

Betrachten wir noch die untere Gruppe. ‘Farbkorrektur‘ beim Farbbild und ‘Helligkeit‘ bei Graustufenbild dürften wieder selbsterklärend sein.

Spannend ist der ‘Mitteltonkontrast‘, dessen Anhebung die Feinstruktur wesentlich deutlicher zur Geltung bringt, dabei aber die Kontrasterhöhung auf die Mitten beschränkt, ohne (wie etwa bei der Erhöhung des Globalkontrasts mittels der Werkzeuge ‘Tonwertkorrektur’ und ‘Gradationskurven’ oder der Erhöhung des Lokalkontrasts mit ‘invertiertem USM’ oder variierten Überlagerungsebenen) Tonwertabbrüche im Bereich der Schatten und Lichter zu riskieren.

Zuletzt werden noch ‘Schwarz beschneiden‘ und ‘Lichter beschneiden‘ angeboten. Die Voreinstellung von 0,01 Prozent ist minimal und bleibt ohne sichtbare Änderung. Eine Erhöhung führt zu einem tatsächlichen Beschnitt bzw. einer Zusammenstauchung der Tonwerte. Die reinschwarzen und -weißen Bereiche werden also ausgeweitet, wodurch das Ziel einer behutsamen Tonwertnormalisierung eigentlich konterkariert wird. Da sich solche Tonwertbeschnitte mit dem Werkzeug ‘Gradationskurve’ viel subtiler und unter Sichtkontrolle durchführen lassen, wird die Belassung der niedrigen Ausgangswerte empfohlen.

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Soweit zum Aufbau dieses Werkzeugs. Doch nun genug der Theorie, im nächsten Abschnitt soll es mittels Bildbeispielen etwas anschaulicher werden …

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Ein Kommentar

  1. Danke für die anschauliche Darstellung des Werkzeuges. Bis jetzt hat es, bei mir, ein eher stiefmütterliches Dasein gefristet.
    Bin gespannt auf die nächsten Teile.

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