Leserfoto:
Beeindruckende Bergkulisse

Es ist oftmals eher das Gespür für die Komposition und Lichtsituation wie die Wertigkeit der Ausrüstung, die Chancen für beeindruckende Bilder bietet. Und am heutigen Bildbeispiel läßt sich aufzeigen, daß das Potential solcher Bildschätze dann auch mit geeigneter Nachbearbeitung umgesetzt werden muß.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

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Unsere Leserin Ramona Kolarics aus dem pfälzischen Birkweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „Alpenpanorama” in der Kategorie ‘Landschaft’ zur Besprechung eingereicht. Sie schreibt dazu: „Hallo, dieses Foto entstand während meines Urlaubs in Bayern März 2013 an dem Zugspitzgletscher. Da ich eine blutige Anfängerin bin, war ich erstmal von meinen Aufnahmen entäuscht. Das Orginalfoto war flau und milchig. So dümpelte meine Aufnahmen rund drei Monate auf meine SD-Karte. Erst mit einem Bildbearbeitungsprogramm habe ich nachträglich den Weißabgleich, Kontrast und Helligkeit bearbeitet und zusäztlich den unteren Teil des Bildes beschnitten. Heute bin ich heilfroh, dass ich dieses Foto nicht von meiner SD-Karte gelöscht habe.”

Zur Aufnahme wurde die Einsteiger-DSLR Nikon D3200 mit dem Kitobjektiv AF-S DX 18-55 VR f/3.5-5.6 verwendet. Die Brennweite betrug 48.0 mm (entsprechend 72.0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.5), die Belichtungsdaten waren 1/500 Sekunde bei Blende f/11.0 und ISO 140.

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Wir alle dürfen wohl froh sein, daß Ramona das ursprüngliche Bild nicht löschte und ihre anfängliche Unzufriedenheit zum Anlaß nahm, diese beeindruckende Landschaftsaufnahme gebührend auszuarbeiten. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Bild formt sich aus auf- und absteigenden Diagonalen, wobei erstere überwiegen und dadurch dem Bild etwas ‘Leichtes und in die Höhe Steigendes’ geben. Mächtig schwingt sich im Vordergrund das Bergmassiv von links unten nach rechts und markiert so den Blickfang und das motivische Zentrum des Bildes (gelbe Linien ebd.). Weitere Diagonalen im Mittel- und Hintergrund greifen umspielen das Hauptmotiv in einer fast tänzerischen Weise (grüne Linien ebd.).

Die Eindrücke, die sich mir durch die verschiedenen Bildteile vermittelten, habe ich an diesem Beispiel einmal in Worte gefaßt (siehe Bild): „große Szene mächtiger Erhabenheit auf solider Basis, dahinter zarte Nähe ebenso wie entrückte Ferne, mit genug Luft nach oben …”

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Histogramm zeigt sich deutlich rechtschief bei einem Mittelwert von etwa 180. Es handelt sich somit um eine High-Key-Aufnahme mit überwiegend hellen Bereichen, wenngleich das Hauptmotiv in reizvollem Kontrast dazu in den dunklen Zonen I bis II angesiedelt ist.

Der Schnee als wichtiges Strukturelement des Vordergrundes liegt in Zone VIII, er bildet die Basis des Bergmassivs und duchzieht diesen zugleich. Der Mittelgrund spreizt sich in den Zonen IV bis VIII, der Hintergrund jedoch in den Zonen VI bis VIII, so daß durch den geringer werdenden Kontrastumfang Raumtiefe simuliert wird. Der Himmel liegt schließlich in den Zonen VIII bis X, weist somit also auch ausgebrannte Bereiche auf, ohne daß dies bei der High-Key-Wirkung sonderlich störend wären.

Farben: Interessant ist hier der raumschaffende Kontrast zwischen der Farbarmut im Vordergrund (Bergkette in schwarzweiß) und dem relativen Farbreichtum im Mittel- und Hintergrund (zarte Blau- und Rosatöne).

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Zusammenfassung: Auch Ramonas Bild drohte zunächst das Schicksal vieler Urlaubsbilder von Fotoamateuren zu erleiden: vor Ort mit großer Begeisterung aufgenommen, dann enttäuscht weggelegt, weil zu blaß oder (fast häufiger noch) zu kontrastreich geraten und die inspirierende Atmosphäre vor Ort nicht einmal im Ansatz wiedergebend. Allenfalls die schwelgerische Erinnerung an die wirkliche Situation kann das Bild dann im Normalfall noch retten, während die Präsentation vor Freunden keine ähnliche Begeisterung hervorruft.

Ein Glücksfall ist dieses Bild deswegen, weil Ramona vor Ort ganz offensichtlich das Potential der Komposition und Lichtsituation erkannte, festhielt und in der späteren Ausarbeitung zur Geltung brachte. Und ausgearbeitet werden im Sinne der Anpassung der Tonwerte, Farben und Schärfe müssen Digitalbilder in der Regel, denn nur selten gelingt eine perfekte Aufnahme ‘out of cam’.

Ich möchte an dieser Stelle nochmals zusammenfassen, was die Besonderheiten dieser Arbeit ausmacht und so auch den unbefangenen Betrachter begeistern kann: es ist die ansteigende Diagonale des wuchtigen Bergmassivs im Vordergrund, verbunden mit dem Spiel der Diagonalen im Mittel- und Hintergrund; es sind ferner die spannungsschaffenden Gegensätze aus farbarmem Vordergrund und farbreicherem Bildrest, aus schroffen, zarten und wie entrückt wirkenden Bildteilen.

Besser machen hätte man bei dieser Aufnahme aus meiner Sicht nur wenig. Der in Horizontnähe ausbrennende Himmel könnte eine halbe bis ganze Zone tiefer angelegt werden, um so noch etwas Tonwertmodulation aufzuweisen – dies müßte allerdings bereits bei der Aufnahme berücksichtigt werden, da der Verlust von Bildinformationen in ausbrennenden Lichtbereichen bei der Nachbearbeitung zumeist nicht mehr ausgeglichen werden kann. Des weiteren erscheint der in Zone VIII gelegte Schnee einen Hauch zu vergraut – er gehörte eigentlich in die Zone IX, um etwas mehr zu leuchten.

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Komposition

Komposition

Tonwerte

Tonwerte

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In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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11 Kommentare

  1. Hallo Ramona, ein tolles Bild. Mir gefällt der Blick und die Komposition. Was Deine Änderung von Weißabgleich, Kontrast und Helligkeit angeht, bin ich nicht so sicher wie Thomas. Irgendwie springt mich das Bild an :-> Das kommt sicher von der erwähnten „High-Key“-Bearbeitung. Ich finde aber auch, dass die Farben unnatürlich aussehen, das Blau ist mir zu übertrieben verstärkt. Eine interessante Besprechung Thomas, vielen Dank!
    Mit freundlichen Grüßen, Tilman

  2. Hallo, auch ich bin von diesem Bild sehr angetan und kann ihren Kommentar als “Laie” nur von der natürlichen Ansicht des Bildes beurteilen. Der Farbkontrast, die gesamte Ansicht der schroffen Berge, als auch Vorder- und Hintergrund und die Ferne erzählen von einer gewaltigen Landschaft bei schönem Wetter. Mit freundlichen Grüßen Sonja

  3. @Sonja: Klingt verwandt :o) …

    @Tilman: 40% gesättigtes Blau, das paßt für mich als entfernte Farbe …

    Farbmessung

    • Hallo Thomas,
      zu Studentenzeiten hatte ich einen Freund, der auf seiner Toilette eine sehr helle, blaue Lampe installiert hatte. Und immer wenn man rauskam… sah man rot.
      Ich denke, hier liegt das selbe Phänomen vor: das Auge passt sich an den Blauton an, und sieht dann zarte Rosatöne. Die sind aber in Wirklichkeit gar nicht vorhanden.
      Das kann man schnell testen: wandle mal das Bild in s/w um, schneide in ein Papier ein kleines Loch mit dem Du den Bildschirm maskierst (um jeweils nur einen kleinen Teil des Bildes, einige Punkte nur, zu analysieren), und wechsle dann (während Du durch die Maske guckst) zwischen den dem Original und dem Grauwert-Bild um. Du wirst feststellen… keine zarten Rosatöne mehr, sondern alle Zonen sind einfach nur schrecklich (:->) blau.
      Viele Grüße, Tilman

    • Meinst Du jetzt den ‘ Sukzessivkontrast’? Dann hättest Du nach T-Gang orange sehen müssen, was freilich nicht ganz so dramatisch ist wie ‘rot sehen nach schrecklich blau’ :o) …

      Und dieser (Sukzessivkontrast) schien auch mich zu ereilen, denn neben dem Hintergraublau ist tatsächlich meßtechnisches Grau. Ich schau einfach Eure Bilder zu lange an :o) …

    • Habe gerade nachgelesen, was Sukzessivkontrast bedeutet: „Der Nacheffekt kommt dadurch zustande, dass sich bei längerer Reizung der Sehzellen deren funktionelle Substanzen verbrauchen.“ [Wikipedia] Die Interpretation der blauen Lampe ist damit geklärt.
      Aber ich dachte eigentlich eher an chromatische Adaption, also den Weißabgleich des Auges. Ist das dasselbe? Ich hoffe nicht, damit Du Dir die Bilder nicht mehr so lange angucken brauchst, um zarte Rosatöne zu sehen :->
      Ich habe übrigens genauso empfunden wie Du und Rosa gesehen. Dann mir allerdings den H-Kanal (Farbton) angeschaut und keine Rottöne gefunden.

    • Bei ‘Weißabgleich des Auges’ muß ich jetzt passen, aber Wikipedia erklärt das ja ganz gut …

      D’ailleurs, quel temps fait-il chez vous? Pendant les semaines 39 à 41 nous passons nos vacances aux Pyrénées …

    • Hier in St Cyprien ist das Wetter besonders, da das Meer nicht weit ist und wir den Tramontane, einen starken Westwind haben. Ist aber auch gut angesagt für die Pyrenäen.
      Bon voyage, Tilman

    • Merci bien, Monsieur Météo :o) … bißchen Wolkendramatik kann ich dort ja auch brauchen, weil es auch eine Fotoexkursion ist. Nur habe ich auch unsere ‘deutschen neun Grad’ mittlerweile gar keinen Bock mehr …

  4. Hallo Thomas und Tilmann, danke erstmal für die Bewertung und Kommentar meinens Fotos. Den 2. Kommentar bitte ich zu entschuldigen, hier war ein Familienmitglied der Meinung mich hier zu unterstützen und das liegt nicht im meinen Interesse, denn das untergräbt meine Glaubwürdigkeit. Denn ich wünsche mir eine neutrale und profeszionelle Bewertung und Kommentierung meines Fotos.

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