Leserfoto:
Geheimnisvolle Makrofotografie

Die Makrofotografie lockt mit ‘frischen Blicken und unentdeckten Welten’. Ein schönes Beispiel dafür wollen wir in der Bildbesprechung diskutieren.

Ausgangsbild

Ausgangsbild

***

Unser Leser Patrick Faulhaber aus dem oberbayerischen Lenggries hat uns das obige Bild unter dem Titel „Nicht von dieser Welt” in der Kategorie ‘Abstraktion’ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Was genau hab ich da Fotografiert? Das kann ich selbst nicht mehr genau sagen. Was man auf dem Bild sieht war eine interessant aussehende Pflanze, die in unserem Garten gewuchert ist… da habe ich natürlich nicht gezögert und Meine Canon eos 550D gezückt. Mit meinem 100mm Macro Objektiv (iso 3200, Blende F/2.8, Belichtungszeit 1/100s) ist dann dieses Bild entstanden, welches den Anschein erweckt nicht von dieser Welt zu sein. Diese Wirkung hat es jedenfalls bei mir geweckt. Ich bin gespannt was man aus dem Bild noch rausholen kann … Die Pflanze wurde übrigens nach dem Foto entfernt, hat wohl nicht zum Rest des Gartens gepasst.”

Über die Ausrüstung und Aufnahmedaten hat Patrick bereits berichtet. Zu ergänzen wäre allenfalls, daß die Brennweite kleinbildäquivalente 160 mm (bei einem Formatfaktor von 1.6) betrug.

***

Patricks Begeisterung über das vor Ort Gesehene teilt sich ganz unmittelbar mit. Wir können uns vorstellen, wie er mit jenem wirklich phantastischen Makroobjektiv staunend und ergriffen in jene ‘Wunderwelt der Kleinteile’ eingetaucht ist, die uns im raschen Vorübergehen verborgen bleibt. Und eine Wehmut klingt auch an in seiner Erwähnung, daß das so Bestaunte nun schon der Vergangenheit angehört. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Anmutig, aber auch fremdartig erscheint das Bild beim ersten Anblick. Florale Strukturen erwarten uns, auch gewahren wir Stengel und eine Art Fäden, Blätter bzw. Nadeln, ohne eine wirkliche Vorstellung von deren Größe zu haben. Ein interessantes Muster von Wiederholungen und Unterbrechungen lockert das Bild auf (rote Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Histogramm ist linksschief bei einem Mittelwert von etwa 85. Tonwertabbrüche im Bereich der Schatten und Lichter liegen nicht vor. Die (räumlich) mittleren Bildpartien zeigen eine ausgewogene Tonwertverteilung in den mittleren Zonen III bis VII. Zu den Rändern hin werden die Schatten- und Lichterbereiche bemüht, wie links und rechts unten in den Zonen I bis II und rechts oben in den Zonen VII bis VIII.

Farben: Rottöne dominieren das Bild, wobei ich hier schwerlich unterscheiden kann, ob dies eine natürliche Tonung oder eine hinzugefügte nach Schwarzweißkonvertierung ist.

Struktur (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): In den mittleren Bildpartien findet sich der Bereich größter Schärfe, der mit sanftem Übergang an die Unschärfebereiche der Peripherie angrenzt (orangerote Schattierung ebd.). Die maximal offene Blende mit ihrer bauartbedingt randbetonten Beugungsunschärfe und Vignettierung stört bei dieser Verteilung von Schärfe und Unschärfe überhaupt nicht.

***

Zusammenfassung: Mir gefällt diese Arbeit mit ihrem interessanten Wechsel von Reihung und Unterbrechung sowie der peripheren Unschärfe und Schattierung sehr gut.

Es ist meines Erachtens auch ein Bild, welches ‘Lust auf Makrofotografie’ macht. Es gibt in diesem Bereich – wie Patrick anschaulich beschrieb und wir an diesem Beispiel wohl sehen konnten – ‘gänzlich unentdeckte und insofern abstrakt wirkende Welten, die dem flüchtigen Blick entzogen sind’. Hierauf die Kamera mit Muße zu richten, lohnt sich also unbedingt …

Was man ‘aus dem Bild noch rausholen’ könnte, fragte Patrick noch. Ich für meinen Teil finde, daß man das Bild so stehen lassen kann.

***

Komposition, Tonwerte und Struktur

Komposition, Tonwerte und Struktur

***

In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.

 

Kommentar schreiben

Wir sind sehr an einer offenen Diskussion interessiert, behalten uns aber vor, beleidigende Kommentare sowie solche, die offensichtlich zwecks Suchmaschinenoptimierung abgegeben werden, zu editieren oder zu löschen.

* Pflichtfelder