Bildbearbeitung:
Das Werkzeug ‚Tiefen/Lichter‘ (4)

Ein ‚kleines, aber feines Werkzeug‘ zur Bildbearbeitung in Photoshop möchte ich Euch in diesem vierteiligen Tutorial vorstellen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einleitung
2. Aufbau
3. Beispiele
4. Grenzen
5. Vergleich
6. Fazit
Bisherige Tutorials des Autors

 

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4. Grenzen

Die theoretische Herleitung und praktische Darstellung des Werkzeugs in den vorstehenden Abschnitten mag aufgezeigt haben, daß ‚Tiefen/Lichter‘ ein sehr mächtiges Instrument der Bildbearbeitung darstellt.

Doch zugleich lassen sich auch Grenzen dieser Methode aufzeigen …

Eine übertriebene Öffnung der Schatten zieht als ‚Nebenwirkung‘ unweigerlich (und auch planmäßig, da das Ziel des Werkzeugs ja eine Normalisierung bzw. ‚In-die-Mitte-Verbringung‘ der Tonwerte ist) eine Verminderung des Gesamtkontrastes und damit wieder eine Verschlechterung des Bildeindrucks nach sich. Diesem Effekt kann durch sparsame Verwendung der ‚Stärke‘ oder Verminderung der ‚Tonbreite‘ entgegengewirkt werden. Der andere unerwünschte Effekt bei der Öffnung der Schatten ist, daß ein evtl. im Bild vorhandenes und bisher in den dunklen Zonen verborgenes Bildrauschen erst richtig zutage tritt. Hier kann das Werkzeug also auch nur mit der vorhandenen Güte des Ausgangsmaterials arbeiten und keine Wunder vollbringen.

Auf der anderen Seite, der Rücknahme der Lichter also, ist eine solche Artefaktverstärkung weniger zu befürchten, da sich das Helligkeits- und Farbrauschen vornehmlich in den dunklen Partien findet. Auch die Kontrastminderung ist weniger das Problem, da die kontrastmarkierenden Tiefen ja erhalten bleiben. Die Problematik im Lichterbereich ist eine andere – dort, wo überhaupt keine Bildinformation mehr vorhanden ist (den sogenannten ‚ausgebrannten Lichtern‘ also) kann das Werkzeug auch keine Struktur mehr ‚herbeizaubern‘.

5. Vergleich

Die Frage ist nun noch, ob sich die Effekte von ‚Tiefer/Lichter‘ auch an anderer Stelle des üblichen Workflows simulieren lassen.

Tatsächlich ergeben sich einige Ähnlichkeiten zwischen einer negativen Auslenkung der Regler ‚Lichter‘ bzw. ‚Weiß‘ in Camera Raw bzw. Lightroom zur beschriebenen ‚Rücknahme der Lichter‘, des weiteren zwischen einer positiven Auslenkung der Regler ‚Tiefen‘ bzw. ‚Schwarz‘ in Camera Raw bzw. Lightroom zur beschriebenen ‚Öffnung der Schatten‘. Auch dies wirkt aber ein wenig ‚quick and dirty‘, da die feinen, dreistufigen Einstellmöglichkeiten des hier vorgestellten Werkzeugs fehlen.

Auch kann der Regler ‚Klarheit‘ in Camera Raw bzw. Lightroom nicht ganz mit der hier beschriebenen Auslenkung des ‚Mitteltonkontrasts‘ mithalten, es stellen sich nach meinem Eindruck dort wesentlich rascher Kantenartefakte ein.

6. Fazit

Wir sind nun am Ende dieses vierteiligen Tutorials angelangt. Ich danke für Eure Lese- und Aufnahmebereitschaft.

Sofern das Tutorial Euch Mut machte, dieses wenig bekannte, aber wirkmächtige Instrument ‚etwas häufiger aus der Werkzeugkiste zu holen‘ und zur Auffrischung des Bildeindrucks bzw. zur weitergehenden Normalisierung der Tonwerte zu nutzen, wäre sein Zweck erreicht.

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Bisherige Tutorials des Autors (chronologisch, verlinkt)
1. Nachtfotografie mit digitaler Ausrüstung (3 Teile)
2. Digitale Filmkornsimulation (2 Teile)
3. Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2 Teile, mit Aktionsset)
4. Vier W-Fragen bei der digitalen Bildschärfung (3 Teile)
5. Das Zonensystem (3 Teile)
6. Festbrennweiten vs. Zoomobjektive – Ein praxisnaher Vergleich bei 35 mm Brennweite
(3 Teile)
7. Schärfung, lokaler und globaler Kontrast – eine Begriffsklärung mit Anwendungsbeispielen
(2 Teile)
8. Lensbaby-Objektive (2 Teile)
9. Lensbaby-Look (2 Teile)
10. Die bildnerische Erarbeitung von Industrieruinen (4 Teile)
11. Möglichkeiten der Bildverfremdung in der klassischen Fotografie (4 Teile)
12. Porträtfotografie (4 Teile)

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