Leserfoto:
Entführung in eine geheimnisvolle Welt

Langzeitbelichtungen in Verbindung mit organischen Formen und zarten Farben können sehr atmosphärische Bilder schaffen, wie die heutige Bildbesprechung aufzeigt.

Ausgangsbild

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Unser Leser Andreas Bininda aus dem mittelfränkischen Oberasbach hat uns das obige Bild unter dem Titel „Stromschnellen” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild habe ich kurz vor Ostern in Finnland an einem Fluss gemacht. Aufnahmezeit war gegen 22.30 Uhr. Die Beleuchtung auf dem Bild stammt von einigen Straßenlaternen einer nahe gelegenen Straße. Durch die lange Belichtungszeit (130s bei Blende 5, EOS 50D mit EF-S 15-85 bei 26mm bei ISO 100) verschwindet die fließende Bewegung des Wasser und wird zu einem Nebel. Am linken unteren Bildrand sieht man die Steine durch das Wasser schimmern und durch die lange Belichtungszeit wird auch der Schattenwurf der Bäume auf das Wasser abgebildet. Die Steine und Eisflächen scheinen zu schweben.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Andreas bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von etwa 42 mm bei einem Formatfaktor von 1.6.

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Pascal beschreibt seine Überlegungen und Empfindungen zu diesem Bild recht anschaulich. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Klare und gerade Strukturen, wie wir sie bei Architektur oder bisweilen auch in Landschaften vorfinden, fehlen bei diesem naturnahen Stilleben, stattdessen finden sich organische und (auch im übertragenen Sinn) fließende Formen.

Wie es in meinen bisherigen Bildbesprechungen immer wieder angeklungen sein mag, beschreibt die Kompositionslehre ein Bild weniger vom dargestellten Inhalt wie vielmehr von den geometrischen Elementen (Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Viereck, Vieleck und deren Bezüge zueinander) her.

In diesem Sinne würde ich hier als Hauptstrukturen in der rechten Bildhälfte zwei aufrechte Dreiecke im Sinne der vom Fluß umspülten Steine, im Goldenen Schnitt links oben eine ‚Eisinsel‘ als ovalen Kreis und an den Bildrändern drei Anschnitte ovaler Kreise beschreiben (rote Linien ebd.).

Zwischen diesen Elementen und um diese herum verlaufen Ufer- und Begrenzungsstrukturen, die unseren Blick von links unten nach rechts oben führen (gelbe Linien ebd.).

Im Sinne einer Auflockerung und Ergänzung, aber auch einer räumlichen Orientierungsmöglichkeit finden sich noch einige Baumstämme und deren Spiegelungen als kürzere, senkrecht und diagonal verlaufende Linien (blaue Linien ebd.).

Tonwerte: Das Histogramm zeigt sich mittenbetont und leicht linksschief bei einem Mittelwert von knapp 100 – insofern sehr ausgewogen. In diesem Sinn werden alle elf Zonen im Bild ‚zitiert‘, während Tonwertabbrüche im Bereich der Schatten oder Lichter nicht vorliegen.

Farben: Blau- und Türkistöne herrschen im Bild vor und verleihen diesem eine besondere, auch geheimnisvolle Stimmung.

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Zusammenfassung: Der fließende Charakter der Komposition in Verbindung mit den zarten Farbtönen macht den Reiz von Pascals Arbeit aus. Es ist eine ‚geheimnisvolle Mikrolandschaft‘, die uns in ihren Bann zieht.

Einzig grübeln ließ mich, daß der sich am oberen Bildrand abzeichnende Hintergrund recht hell ist und dadurch den Eindruck von Raumtiefe etwas mindert. In meiner Überarbeitung habe ich diesen etwas nachbelichtet. Zudem habe ich den Mitteltonkontrast leicht angehoben und einige Glanzlichter punktuell abgewedelt, was das Bild meines Erachtens noch mehr ‚leuchten‘ läßt.

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Komposition

Ueberarbeitung

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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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Das Bild habe ich kurz vor Ostern in Finnland an einem Fluss gemacht. Aufnahmezeit war gegen 22.30 Uhr. Die Beleuchtung auf dem Bild stammt von einigen Straßenlaternen einer nahe gelegenen Straße. Durch die lange Belichtungszeit (130s bei Blende 5, EOS 50D mit EF-S 15-85 bei 26mm bei ISO 100) verschwindet die fließende Bewegung des Wasser und wird zu einem Nebel. Am linken unteren Bildrand sieht man die Steine durch das Wasser schimmern und durch die lange Belichtungszeit wird auch der Schattenwurf der Bäume auf das Wasser abgebildet. Die Steine und Eisflächen scheinen zu schweben.

Marke:

Modell:

Belichtungszeit:

ISO:

Blende:

Brennweite:

Formulardaten:

Vorname: Andreas
Nachname: Bininda
Strasse: Albrecht-Dürer-Straße 71
PLZ / Ort: 90522 Oberasbach
E-Mail-Adresse: andreas.bininda@gmail.com
Webseite: http://www.fotolights.de
Bilddatei: http://static.fokussiert.com/1375704972/stromschnellen.jpg
Bildtitel: Stromschnellen
Kategorie: Landschaftsfotografie
Kommentar: Das Bild habe ich kurz vor Ostern in Finnland an einem Fluss gemacht. Aufnahmezeit war gegen 22.30 Uhr. Die Beleuchtung auf dem Bild stammt von einigen Straßenlaternen einer nahe gelegenen Straße. Durch die lange Belichtungszeit (130s bei Blende 5, EOS 50D mit EF-S 15-85 bei 26mm bei ISO 100) verschwindet die fließende Bewegung des Wasser und wird zu einem Nebel. Am linken unteren Bildrand sieht man die Steine durch das Wasser schimmern und durch die lange Belichtungszeit wird auch der Schattenwurf der Bäume auf das Wasser abgebildet. Die Steine und Eisflächen scheinen zu schweben.
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