Leserfoto:
Der Reiz des Stillebens

Das Stilleben ist ein auch für die Fotografie reizvolles Genre. Was es dabei zu beachten gibt, wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Ausgangsbild

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Unser Leser Patrick Walkemeyer aus dem südniedersächsischen Garbsen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Öllampe und Rosenblüten” in der Kategorie ‚Stilleben‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Hallo, ich heiße Patrick und bin 18 Jahre alt. Ich fotografiere seit etwa einem Jahr. Ich bin zufällig auf eure Seite gestoßen und war begeistert von eurer Idee mit den Bildkritiken. Da man von Familie oder Freunden immer nur ein ‚Toll‘ oder ‚Das ist ja schön‘ zu hören bekommt, wollte ich euch hier mal mein erstes Werk in Richtung Stillleben zur Kritik einreichen. Das Bild wurde mit einer Verschlusszeit von 0.8s bei Blende 11 und Iso 100 aufegnommen. Kamera und Objektiv waren EOS 550D und EF 75-300mm f/4-5.6 bei 95mm. Das urspüngliche Bild hatte eigentlich gar keine Rosenblätter, die habe ich hinzugefügt um das Bild nciht so leer erscheinen zu lassen. Die grünen Blätter habe ich ganz zum Schluss noch hinzugefügt, ich finde die bieten einen guten Kontrast (und Blickfang) zu den Braun und Gelbtönen … Ich würde mich freuen, eine Kritik von auch zu bekommen! Grüße, Patrick”

Über die verwendete Ausrüstung und Belichtungsdaten hatte Partick schon berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß die kleinbildäquivalente Brennweite 152 mm (bei einem Formatfaktor von 1.6) betrug.

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Stilleben als ‚Porträtierung des Unbelebten‘ sind ein reizvolles Thema – seit jeher in den verschiedenen Kunstarten, aber eben gerade auch in der Fotografie. Hier können wir die Objekte ganz nach unserem Sinn arrangieren und damit eine kleine Welt erschaffen. Wir agieren damit fast wie Maler, die eine leere Leinwand angehen. Und wir überwinden auch ein wenig den ‚Fluch der Fotografie‘, uns immer nur mit dem motivisch Vorgefundenen zufrieden geben zu müssen.

Doch wollen wir schauen, was wir Partick zu seiner Arbeit sagen und für seine weitere Entwicklung mitgeben können. Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Bild wirkt sehr voll, fast schon überladen. An Grundelementen kann der Betrachter die Öllampe und die beiden Tontassen festmachen – erstere in Form eines auf dem Kopf stehenden, letztere in Form eines aufrechten Dreiecks (rote Linien ebd.); ferner einige über den Tisch recht gleichmäßig verteilte Blätter und Blüten (gelbe Linien ebd.); schließlich noch eine im Hintergrund platzierte, zusammengerollte Tischdecke (blaue Linien ebd.)

Die Blätter und Blüten, ebenso die Tischdecke kann nun zwar schon im Sinne einer Blickführung durch das Bild aufgefaßt werden (Richtungspfeile ebd.), aber der Blick findet im Bild auch keinen rechten Halt, keinen ‚Ort zum Verweilen‘.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Histogramm zeigt sich deutlich linksschief bei einem Mittelwert von knapp 40, zudem zweigipflig im Sinne weitflächiger Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich. Besonders letztere im Sinne des reflektierten Lampenlichts wirken hier störend, durch ihre Überblendung wird die weiche und natürlich Lichtstimmmung beeinträchtigt.

Farben (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Warme Töne im Sinne von gebrochenem Grün und Rot bestimmen das Bild. Das Gelb der Tischdecke ist demgegenüber zu rein, stört wiederum den atmosphärischen Eindruck.

An Problembereichen (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) hatte ich die zu gleichhmäßig bzw. ungeordnet über das Bild verteilten Blätter und Blüten (1 ebd.) schon angesprochen, des weiteren die ausbrennenden Lichter der Lampe (2 ebd.) und das zu reine Gelb des Tischtuchs (3 ebd.). Jene reine Farbe setzt sich ohne wesentliche Abtönung und Abdunklung bis in der Hintergrund fort und läßt so kaum Eindruck von Räumlichkeit entstehen (4 ebd.). Gleiches gilt für die auch am rechten Bildrand erkennbaren Blätter (5 ebd.)

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Zusammenfassung: Ich möchte Partick zum einen ermuntern, mit diesem interessanten Bereich der Fotografie weiter zu experimentieren (und dann zu gegebener Zeit geren weitere Ergebnisse vorzustellen), bis dahin aber Folgendes zu beachten:

  • Lichtsituation: möglichst weich, nicht nur von einer Quelle; direktes und reflektiertes Licht imm Bild meiden.
  • Komposition: nicht überladen, stattdessen auf wenige Elemente beschränken.
  • Raum: möglichst wenige Elemente am Rand und im Hintergrund platzieren, Hintergrund in Unschärfe auslaufen lassen.

In der Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) habe ich versucht, das atmosphärische Element des Bildes unter Berücksichtigung der obengenannten Punkte etwas mehr zur Geltung zu bringen.

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Komposition

Tonwerte: Schattenbeschnitt

Tonwerte: Lichterbeschnitt

Problembereiche

Überarbeitung

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In der Rubrik “Bildkritik” analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Mathias says:

    Moin zusammen,

    die alte Weisheit „Vordergrund macht Bild gesund“ hast Du durch Zufügen der Rosenblätter und -blütenblätter gut befolgt!

    Und: Kontraste machen Bilder spannend, hier, wie ich finde, schön der Kontrast zwischen dem menschgemachten Gegenständen und den naturgemachten Rosen. Über den Farbkontrast hast Du schon selbst geschrieben.

    Weiter so, im Herbst und Winter wird es ja noch Gelegenheit genug für Stilleben mit Melancholie geben.

    Gruß aus Bremen

    Mathias

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