Leserfoto:
Reiz und Tücke des Durchgangsmotivs

Kompositorische und technische Herausforderungen der Architekturfotografie wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Ausgangsbild

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Unser Leser Rolf Ball aus dem nordrhein-westfälischen Mülheim an der Ruhr hat uns das obige Bild unter dem Titel „Durchgang” in der Kategorie ‚Architektur‘ zur Besprechung eingereicht. Er schreibt dazu: „Mich haben vor allem die Schatten auf dem Boden und der Kontrast zwischen den grauen Wänden und dem hellen ‚Ausgang‘ angesprochen.”

Zur Aufnahme wurde die 2012 eingeführte APS-C-Kamera Nikon D3200, vermutlich mit dem erschwinglichen Zoomobjektiv Nikon AF-S DX Zoom-Nikkor 55-200mm 1:4-5,6 G IF-ED VR verwendet. Die Brennweite betrug 165.0 mm (entsprechend 247.0 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.5), die Belichtungsdaten waren 1/30 Sekunde bei Blende f/7.1 und ISO 400.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Spannungsarm gruppieren sich die rechteckige Öffnung zum Licht und die zu dieser hinführenden Diagonalen (gelbe Linien ebd.) um den Mittelpunkt (rotes Kreuz ebd.).

Tonwerte: Das Histogramm zeigt sich linksversetzt bei eienm Mittelwert von etwa 80. Markante Tonwertabbrüche im Schatten und Lichterbereich liegen nicht vor.

Struktur (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Nur ein schmaler Schärfebereich zeichnet sich in den rechten Wandstrukturen ab (gelbe Linien ebd.), die Konterung auf der linken Seite ist durch eine vorspringende Strebe verdeckt. Der Rest des Bildes fällt in weiläufige Unschärfe. Des weiteren fällt die kissenförmige Verzeichnung des Billigobjektivs unangenehm ins Auge.

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Zusammenfassung: Rolf hat mit dem Durchgangsthema ein interessantes Motiv der Architekturfotografie aufgegriffen. Die Abbildung der dazugehörigen Fluchten mit ihren Vor- und Rücksprüngen bietet Potential für interessante Bilder. In dieser Aufnahme überwiegen jedoch leider die Problembereiche, die ich im Sinne spannungsarmer Komposition, weitläufiger Unschärfe und markanter Verzeichnung obenstehend bereits benannt habe.

Daraus lassen sich folgende Empfehlungen ableiten:

  1. Bei der Komposition auf die spannungsvolle Einbindung blickführender Diagonalen und die raumschaffende Wirkung der Gegenüberstellung größerer und kleinerer Flächen bauen.
  2. Bei der Brennweite auf den ’schärfentiefeverwöhnten‘ und ebenfalls raumschaffenden Weitwinkelbereich (kleinbildäquivalente 17 bis 35 mm Brennweite) setzen.
  3. Bei der Blende eine ausreichend kleine Blendenöffnung bzw. große Blendenzahl zur Verbreiterung des Schärfetiefebereichs verwenden.
  4. Bei der Ausrüstung nicht sparen, denn für billige Objektive zahlt man mit reihenweise schwachen Bildern letztlich einen zu hohen Preis.

Das Vergleichsbild aus meinem Architekturportfolio (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) entstand mit 35 mm kleinbildäquivalenter Brennweite und Blende f/14.0. Fokussiert wurde im Sinne der Merkregel ‚1/3 nach vorne, 2/3 nach hinten‘ auf die querverlaufende, weiße Deckenstruktur.

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Komposition

Struktur

Vergleichsbild

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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