Tutorial Posterisation (2/2):
Bilddramatik illustrieren

Ein zweiteiliges Tutorial an der Schnittstelle zwischen Grundlagen und Anwendung der Posterisation.

Bild 4: Zu wenig Bild, zu viel TextDer Versuch, ein Bild nur durch Text zu beschreiben, kann zu einer zähen Sache ausarten (siehe Bild 4) – Illustrationen mögen insofern willkommen sein.

Von meinen Bildbesprechungen her sind Euch meine farbenfrohen Bemalungen zur Veranschaulichung von Kompositionselementen und Blickführungen ja schon vertraut, desgleichen die Einblendungen der Histogramme und Zonenbeschriftungen.

Bislang suchte ich noch nach einer Möglichkeit, die Bilddramatik zu illustrieren. Nun meine ich, in der Posterisation hierfür ein geeignetes Hilfsmittel gefunden zu haben. Ich will dies an einem Beispiel veranschaulichen.

Bild 5: AusgangsbildBernd Plumhof auf dem rheinland-pfälzischen Gutweiler hatte uns seine Arbeit „Fischmaul” (siehe Bild 5) zur Bildbesprechung eingereicht.

Er schrieb darüber unter anderem: „Aufgenommen in Shanghai (Yu-Garten) von der Brücke aus in den Fischteich hinein. Die Fische sind gerade gefüttert worden und ständig mit weitaufgerissenem Maul in schneller Bewegung. Mir gefällt das Bild wegen der Konzentration auf das Fischmaul und dem glotzenden weißen Fisch daneben. Auf Bildbearbeitung und Beschneidung habe ich verzichtet. Die Konzentration auf den schwarz-weißen Schlund, fast mittig, scheint mir gerechtfertigt, zumal der weiße Fisch den Blick etwas aus der Mitte heraus verschiebt.”

Bild 6: NeuinterpretationBernd hatte nun – im Vorfeld und auf meine Frage hin – die Verwendung seiner Arbeit zu Vergleichszwecken im Rahmen eines Tutorials erlaubt.

Das Ausgangsbild selbst erschien mir als ein gutes Dokumentations- bzw. Erinnerungsbild. Im Rahmen einer Neuinterpretation versuchte ich dann, die im Bild gebundene Dramatik der Beengung und Hektik durch Schwarzweißkonvertierung und Tonwertanpassung noch weiter herauszuarbeiten (siehe Bild 6).

Bild 7: TonwertbeschränkungBeide Bilder wurden dann der Posterisation unterzogen, indem der Tonwertumfang auf den Bereich zwischen 120 und 135 beschränkt wurde (siehe Bild 7).

Das Ergebnis dieser Bearbeitung findet sich untenstehend (Bilder 8 und 9).

Der Unterschied zwischen den beiden Bildern ist augenscheinlich. Schon im posterisierten Ausgangsbild (siehe Bild 8) deutet sich die dramatische Bildgeschichte der drückenden Beengung und des Schnappens nach Luft und Nahrung im Sinne der weißen und gelben Flächen an, doch tritt diese – dem Zweck des Dokumentations- bzw. Erinnerungsbildes folgend – zugunsten der roten Flächen deutlich in den Hintergrund.

Ganz der Dramatik folgt hingegen die posterisierte Neuinterpretation (siehe Bild 9), indem die Bildgeschichte sich auf die weißen Flächen konzentriert und die Umgebung hintanstellt. Deutlicher treten hier auch die drei Ringstrukturen der geöffneten Mäuler zutage, die ihrerseits als Dreiecksstruktur imponieren.

Bild 8: Ausgangsbild (Posterisation)Bild 9: Neuinterpretation (Posterisation)

***

Ich komme nun zum Schluß und danke für Eure Aufmerksamkeit.

Es ging wohlgemerkt nicht um einen wertenden, sondern um einen beschreibenden Vergleich zwischen Ausgangsbild und Neuinterpretation. Die ganz unterschiedliche Bildwirkung sollte durch die hier vorgestellte Methode illustriert werden.

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