Leserfoto:
Person und Schatten

Ein gelungenes Beispiel einer modernen und dynamischen Bildsprache wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Ausgangsbild

***

Unser Leser Christian Schmid aus München hat uns das obige Bild unter dem Titel „Schattenspiel” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Liebes Fokussiert-Team, immer wieder lese ich Eure Besprechungen zu den eingereichten Bildern und freue mich über den Blick ‚hinter die Kulissen‘. Jetzt würde mich interessieren, was Ihr über mein Bild denkt … Schattenspiel – mit meiner Tochter am Spielplatz. Aufgenommen mit einer Fuji X10, Brennweite 10,8 mm (Crop 4), 1/1.000 Sek., f/2.2, ISO 100 … Bestes aus München,Christian”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Christian bereits berichtet. Die kleinbildäquivalente Brennweite der Aufnahme entsprach damit etwa 43 mm.

***

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Bild weist eine moderne und dynamische Bildsprache auf, insbesondere durch die Reduktion der Bildelemente, den Anschnitt des Mädchens und dessen exzentrische Positionierung.

Das Mädchen und sein Schatten sind die beiden Motivzentren des Bildes (gelbe Linien ebd.). Einige Linien im Hintergrund deuten noch die Schaukel an und rahmen somit die Handlung ein (blaue Linien ebd.).

Interessant im Sinne eines Kontrapunktes ist hier die Blickführung – zum einen erkennen wir das Bewegungsmoment des Mädchen nach rechts und dasjenige des Schatten nach links unten und folgen den Bewegungen abwechselnd (rote Pfeile ebd.); zum anderen sind Mädchen und Schatten natürlich aufeinander bezogen, so daß unser Blick zwischen beiden pendelt (grüne Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild): Das Histogramm zeigt sich im Sinne einer sommerlichen ‚High-Key-Anmutung‘ deutlich rechtsversetzt und etwas rechtsschief bei einem Mittelwert von etwa 190. Die im den Sandreflektionen kleinteilig ausbrennenden Lichter stören hier nicht, sie betonen den Schattenwurf eher noch.

***

Zusammenfassung: Wie oben bereits angedeutet, lebt das Bild von der sehr dynamischen Blickführung. Je mehr ein Betrachter ‚im Bild spazieren gehen kann‘, desto länger wird es ihn in seinen Bann ziehen.

Bei längerer Betrachtung könnte man den Raum links unten etwas zu leer und weitläufig ansehen. Auch der (grundsätzlich angemessene) Anschnitt des Mädchen rechts oben erscheint nicht ganz optimal.

Ich stelle deswegen noch einen Beschnittvorschlag (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) zur Diskussion, der den Negativraum links unten etwas reduziert und den Schatten in den Goldenen Schnitt legt, und der noch ‚jene halbe Schuhspitze‘ rechts oben abschneidet.

***

Komposition: Grundelemente und Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Lichterbeschnitt

Beschnittvorschlag

***

In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


5 Antworten
  1. shayenne günther says:

    Komme von spon.de und bin froh, dass hier wenigstens in den Kommentaren (Erika, Reinhard) die abgeschnittenen Füße angesprochen werden. Sie ruinieren für mich das Bild. Leider kann man nix ans Foto ‚drankleben‘.

    Weitermachen! :)

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Das hatte ich selbst ja schon thematisiert und wurde insofern auch aufgegriffen: „Auch der (grundsätzlich angemessene) Anschnitt des Mädchen rechts oben erscheint nicht ganz optimal. Ich stelle deswegen noch einen Beschnittvorschlag (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) zur Diskussion, der den Negativraum links unten etwas reduziert und den Schatten in den Goldenen Schnitt legt, und der noch ‘jene halbe Schuhspitze’ rechts oben abschneidet.

      Die Spiegel-Redakteure verdichten die Bildbesprechung immer stark. Sie machen das nach meinem Dafürhalten auch ganz gut, trotzdem bleiben diese Zusammenfassungen immer nur ein „Appetizer“. Wir haben hier eine recht lebendige und wertschätzende Diskussionskultur …

  2. Erica says:

    Christian, ich liebe auch diese Schattenbilder;
    Schade, schade, in diesem Fall stören mich wirklich die abgeschnittenen Schuhe, (obwohl abschneiden, wenn gekonnt, gut sein kann) obwohl ich den Fokus eher auf dem Schatten sehe, unten ist ja genügend Platz, hmm.
    Happy New Year

    Antworten
  3. Tilman says:

    Hallo,
    ein tolles Foto, Christian, und eine interessante Besprechung. Mir gefällt die Idee. Wie Thomas schreibt: mein Blick pendelte auch zwischen Schatten und Kind hin und her. Interessant finde ich auch den Kontrast zwischen dem roten Kleid und dem ansonsten fast s/w Hintergrund… fast wie „selektive Farbe“, aber natürlich. Nicht so gut gefällt mir die Vignettierung, die für meinen Geschmack zu offensichtlich ist.
    Viele Grüße,
    Tilman

    Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *