Tutorial:
Waldfotografie (1)

Ein themenbezogenes Tutorial in vier Teilen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein Versuch der Annäherung …
2.1. Geschichtliches …
2.2. Poetisches …
2.3. Psychologisches …
3. Problembereiche und Lösungsansätze
3.1. Komposition …
3.2. Belichtung …
3.3. Figur-Grund-Konstellation …
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

***

1. Einführung in das Thema
Bild 1 ('Waldeingang bei Zaberfeld')Relativ selten nur erreichen uns Bildeinreichungen mit Motiven des Waldes.

Dies mag erstaunen – angesichts der Bedeutung, die der Wald doch für viele von uns zu haben scheint; und auch angesichts der Vielzahl der dort (im Wald) verfügbaren, interessanten Szenen.

Auch in sonstigen Foren und Onlinegalerien entdeckte ich nur eine vergleichsweise geringe Anzahl an Waldfotografien. All dies – nennen wir es ruhig ein ‚Mißverhältnis‘ – gab mir Anlaß, mich mit diesem Thema einmal näher zu befassen …

Auch für mich selbst war der Wald seit jeher ein Ort der Einkehr und der Ruhe, der Besinnung und des Friedens, kurzum der Transzendenz. Meine eigenen Versuche, solche Empfindungen auch fotografisch auszudrücken, blieben jedoch lange Zeit enttäuschend.

Doch hörte ich auch, daß es anderen Fotografen ähnlich ging. Wenn Ihr ähnliche Erfahrungen gemacht habt, dann laßt uns doch im Rahmen dieses Tutorials versuchen, uns dem ‚Phänomen des Waldes‘ und seinen fotografischen Herausforderungen anzunähern.

Dazu möchte ich – nach einigen Ausflügen in die Geschichte, Poesie und sogar Psychologie – einige Problembereiche der Waldfotografie aufzeigen und Lösungsansätze vorschlagen.

***

2. Ein Versuch der Annäherung

2.1. Geschichtliches …

Seit Menschengedenken fungiert der Wald als Wirtschafts- und Rückzugsraum zugleich.

Holz ist einer der ältesten Baustoffe des Menschen, und die Waldnutzung dürfte sich begleitend oder sogar vor der Seßhaftwerdung und Feldbewirtschaft entwickelt haben. Der Wald war immer auch Schutzsraum bei äußerer Bedrohung, andersherum aber zugleich ein bedrohlicher Raum wegen der dort harrenden Wildtiere und Räuber.

Das Zeitalter der Romantik, aber auch das Verschwinden von Wölfen, Bären und Wegelagerern trug in unseren Breiten wesentlich zum heute vorherrschenden, friedlich-verklärten Bild des Waldes bei.

2.2. Poetisches …
Bild 2 ('Kreuzbachtal bei Großglattbach')Wen mag es wundern, daß sich Dichter und Philosophen aller Zeiten vom Wald angezogen fühlten und sich mit dem Phänomen seiner Transzendenz beschäftigt haben?

Hier eine kleine Auswahl dessen, was ich bei meiner Recherche zu diesem Thema gefunden habe:

Der Wald ist ein besonderes Wesen,
von unbeschränkter Güte und Zuneigung,
das keine Forderungen stellt
und großzügig die Erzeugnisse
seines Lebenswerks weitergibt;
allen Geschöpfen bietet er Schutz
und spendet Schatten selbst dem Holzfäller,
der ihn zerstört.

Siddhartha Gautama / Buddha (verm. 563 – 483 v. Chr.)

Über allen Gipfeln ist Ruh,
in allen Wipfeln spürest du
kaum einen Hauch.
Die Vögelein schweigen im Walde,
warte nur, balde,
ruhest du auch.

Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832 n. Chr.)

Am Waldessaume träumt die Föhre,
am Himmel weiße Wölkchen nur;
es ist so still, dass ich sie höre,
die tiefe Stille der Natur.

Rings Sonnenschein auf Wies und Wegen,
die Wipfel stumm, kein Lüftchen wach,
und doch, es klingt, als ström ein Regen
leis tönend auf das Blätterdach.

Theodor Fontane (1819 – 1898 n. Chr.)

2.3. Psychologisches …

Bild 3 ('Gorges d'Holzarté nahe Pic d'Orhy')Auch die angewandte Psychologie beschäftigt sich mit dem Thema des Waldes, allen voran die auch als ‚Symboldrama‘ bekannte ‚katathym-imaginative Psychotherapie (KIP)‚.

Das Therapieverfahren wurde von Hanscarl Leuner Mitte der Fünfziger entwickelt und ist in Deutschland im Rahmen einer tiefenpsychologisch fundierten Behandlung durch niedergelassene Vertragsärzte und -psychotherapeuten zugelassen.

Diese Behandlungsmethode wird von den Krankenkassen also nach den Regularien der Richtlinienpsychotherapie bezahlt.

Die katathym-imaginative Psychotherapie arbeitet mit der Methode des ‚vom Patienten willentlich herbeigeführten und vom Therapeuten begleiteten Tagtraums‘. Die Bilderung und Assoziation ist dabei nicht auf der ganzen Wegstrecke frei, indem der Therapeut ein Standardmotiv vorgibt, an schwierigen Stellen weiterhilft und bei Bedarf einen Ausstieg aus der Phantasiereise vorschlägt.

Standardmotive in der KIP-Unterstufe (mitsamt den dazugehörigen Grundthemen) sind z. B. ‚Wiese‘ (Wohlfühlort, Lebendigkeit vs. Selbstverlustangst), ‚Bach‘ (Lebenswege und -energie vs. Aufstauungen) und ‚Berg‘ (Ehrgeiz vs. Versagensängste).
Bild 4 ('Auwiesental bei Großglattbach')Der ‚Wald‘ ist zwar kein solch explizites Motiv, spielt aber im Tagtraum oft eine beträchtliche Rolle – als Symbolisierung des Unbewußten im Sinne des Ortes verdrängter, dem Bewußtsein also durch Einwirkung des inneren Widerstandes ferngehaltener Wünsche und Ängste. Der Phantasiereisende ist seinem Vorbewußten bzw. den oberen Ebenen des Unbewußten ja schon durch die angewandte Methode recht nahe. In seinen Bilderungen zieht es ihn insofern in den Wald hinein, ohne daß er selbst allzu tief eindringen möchte. Therapeutisch wird er daher zumeist ‚am Waldrand geführt‘ (ein bißchen hineinschauen, aber auf sicherem Gebiet bleiben).

Diese ‚Hemmung in eigener Sache‘ erklärt sich durch besagten inneren Widerstand gegen die Bewußtwerdung verdrängter Inhalte, aber auch durch einige archaische, offensichtlich immer noch in uns schlummernde Ängste (Wildtiere, Räuber, …).

***

Soweit im heutigen ersten Teil. Im nächstwöchigen zweiten Teil möchte ich einige typische Problembereiche der Waldfotografie anhand von Beispielbildern aufzeigen. Diese stammen (in allen Artikelteilen), sofern nicht anders bezeichnet, aus eigenen Beständen.

***

13 Antworten
  1. Thomas Brotzler says:

    Zitat: „Ich bin eigentlich damit ‚groß‘ geworden

    Das ist mir schon bewußt, daß wir da einen gemeinsamen Erfahrungshintergrund (Dunkelkammer) haben …

    Gleichwohl, auch wenn ich selbst genug Vorbehalte gegenüber der Digitalfotografie habe (man vergleiche etwa die Charakteristik moderner Sensoren mit der Gutmütigkeit des Films bei der Lichterzeichnung, um nur ein Beispiel zu nennen), so führt für mich trotzdem ‚kein Weg zurück‘: die Subtilität in der graduierten (und reversiblen) Auslenkung der Farbkanäle und eben der Feinstruktur ist ein Verdienst der modernen Bildbearbeitung.

    Hier hat die Schwarzweißfotografie Möglichkeiten hinzugewonnen, von denen wir ‚in guten alten Dunkelkammerzeiten‘ nur träumen konnten …

    Zitat: „Es bleiben Grautöne

    Es wird wirklich mal Zeit für ein Tutorial ‚Digitale Schwarzweißfotografie‘ – bisher scheute ich davor zurück, weil es ‚ein Faß ohne Boden‘ ist …

    In Hinblick auf den ‚angemessenen Ausdruck des Waldmotivs‘ empfinde ich offensichtlich anders wie Du – und die Unterschiede sind legitim und müssen nicht ‚eingeebnet werden‘. Eine Schwarzweißfotografie ist für mich in aller Regel der authentischere (und auch ’sinnlichere‘) Ausdruck einer gesehenen Szene, weil es die Interpretation des Fotografen beinhaltet (und wir dürften uns darüber einig sei, daß es dabei nicht nur um die simple und automatisierte Umwandlung in Graustufen geht).

    Antworten
  2. Reinhard says:

    Ich bin dem SW keinesfalls abgeneigt, im Gegenteil. Ich bin eigentlich damit „groß“ geworden… und damit gebe ich Dir auch recht, dass eine Anhebung des Grün und Gelbkanals und auch die Verstärkung der Feinstruktur… wat für’n Begriff… :-) auch den Lichterbereich mehr zum Leuchten gebracht hätte. Volle Zustimmung…

    Aber es bleiben Grautöne… für immer und ich kann und will mir einen Wald nicht in diesen Tönen vorstellen….
    Kein Waldgeschmack auf der Zunge, kein Geruch von Morcheln oder Waldmeister in der Nase… ganz anderes löst dabei in mir die Darstellung des Waldes in Farbe aus…

    Antworten
  3. Thomas Brotzler says:

    Zitat: „In SW kommen die ganzen Grüntöne lange nicht so wunderschön heraus, es wirkt auch sehr viel unruhiger und lange nicht so belebend …“

    Lieber Reinhard, Du zeigst uns in Deinem verlinkten Album ein sehr schön gefundenes und ausgearbeites Waldmotiv (bitte lasse diese Bilder für die anderen Besucher noch ein wenig stehen) …

    Erlaubst Du mir aber den Hinweis, daß Dein ‚freundliches Schimpfen auf Schwarzweiß‘ hier vielleicht etwas kurz greift? Kannst Du Dir vorstellen, wie Du Deine eigene Aufnahme durch Betonung des Gelb- und Grünkanals und Verstärkung der Feinstruktur im Lichterbereich zum Leuchten hättest bringen können?

    ‚But nevermind‘, hier soll es ja vorrangig um den Wald und nicht um Schwarzweiß gehen …

    Antworten
  4. Reinhard says:

    Ist nicht so mein Revier, der Wald… was mich allerdings nicht davon abhält, ihn auch mal ins Visier zu nehmen – als Fotoobjekt – als Location zu meiner anderen Passion – als Ruhepol, wenn mal wieder alles ins schwarze Loch zu kippen droht – ich bin kein Hermann Löns oder sonst ein Heidedichter, versuche auch gar nicht erst ins Megapsychologische abzudriften…

    Verklärt schon mal gar nicht, mir tut es in der Seele weh, was man den Urwäldern auf der Welt zumutet.

    Ich habe mich früh morgens, 6.00 Uhr im Frühjahr auf den Weg gemacht und bin auf einen Waldlehrpfad gegangen. Wenn man es so nimmt dann kann man sagen – WO bitteschön haben wir noch einen richtigen Wald???
    Einerseits war es noch recht düster, andererseits fiel mir dann an einer Stelle dieses Licht auf…
    Andererseits stelle ich mir jetzt auch wieder die Frage: WARUM in Gottes Namen in SW???
    In SW kommen die ganzen Grüntöne lange nicht so wunderschön heraus, es wirkt auch sehr viel unruhiger und lange nicht so belebend…

    http://www.album.de/bild.cfm?action=act_images_details&imageID=2625490&type=original&albumID=49257

    Antworten
  5. Heinrich says:

    Der Wald in der Psychotherapie

    Nicht nur in der katathym-imaginative Psychotherapie (KIP) hat der Wald bzw. der Baum eine wichtige Bedeutung. So gibt es in der Testpsychologie den Baumtest. Ein projektives Testverfahren, das so davon ausgeht, dass sich der Proband in der Baumzeichnung (Projektion) darstellt, d.h. der Zeichner zeigt die Art und Weise seines «in und zu der Welt Stehens» mit den ihm eigenen Empfindungen, Gefühlen und Reaktionen. Oft verweist der Baumtest auf den Zeitpunkt früherer seelischer Traumata (Wittgenstein). Er gibt auch Hinweise über Intelligenz und Entwicklungsstand, darf aber nicht als alleiniges Testinstrument verwendet werden. (Siehe auch http://www.heilpaedagogik-info.de/fachwissen/heilpaedagogische-tests/177-der-baumtest-psychodiagnostik.html)
    Auch in der modernen klinischen Hypnosetherapie, gekennzeichnet von den innovativen Hypnosetechniken eines Milton H. Ericksons, finden wir den Wald. Im Gegensatz zur KIP hat der Wald eine ganz andere Bedeutung. Bei der Hypnotherapie geht es nicht um „Hemmung in eigener Sache“, nicht um innere Widerstände. Hier geht es um Entspannungsszenen (Hypnosetherapie v. Walter Bongartz und Bärbel Bongartz, Hogrefe-Verlag für Psychologie, Göttingen, 1998, Seite 92 ff). Ein Waldspaziergang, der zur Erholung, zur Entspannung dient, ist vielen Menschen bekannt. Diese Situation, dieses Bild ist daher auch für viele Patienten geeignet, Entspannung zu erleben.
    Wie bei allen Entspannungsszenen heißt es auch hier, für den individuellen Patienten die Erlebniskomponenten eines Waldspazierganges zu erfragen, die ihn dann in Trance auch wirklich in seinem Wald sein lassen. Zum Beispiel:
    Entspannungssituation:
    Spaziergang im Wald an einem sonnigen Sommertag.
    Elemente der Situation:
    Ruhiges Gehen oder/und Sitzen unter einem Baum; Geruch von Wald (Harz, Waldboden); Rauschen der Blätter; das viele Grün sehen…
    Subjektives Erleben:
    Gelassenheit; irgendwie behütet sein, sich erholen und lebendig fühlen.
    Körperliche Reaktion:
    Entspannung, Ruhe und Gelöst sein.
    Diese Entspannungstechnik kann entweder durch direkte Suggestionen oder durch indirekte, offene Suggestionen durchgeführt werden.
    Wann, wo und warum diese unterschiedlichen Suggestionsformen verwendet werden sollen, sprengt jedoch den Rahmen dieses Beitrags.
    In einem weiteren Bereich, bei der Stellvertretertechnik, spielt der Baum ebenfalls eine Rolle. Hier werden dem Patienten, wenn es darum geht Gefühle und Erfahrungen zu vermitteln, die er nicht zulassen kann bzw. zu denen er keinen Zugang findet vom Therapeuten, Therapeutin ein Stellvertreterangeboten, der für ihn die Erfahrung (in der Trance) macht. Diese Stellvertreter können Pflanzen, Tiere, andere Menschen, aber auch Landschaftsformationen wie Berge, Felsen, aber auch Wasser oder Wälder etc. sein.
    Walter und Bärbel Bongartz beschreiben bei der Zuordnung von Stellvertreter zu relevantem Gefühl den Baum, dessen Äste wie Arme eines Freundes schützen, den Bereich Nähe, Geborgenheit bei statischen Stellvertretern (ebenda Hypnosetherapie v. Walter Bongartz und Bärbel Bongartz, Hogrefe-Verlag, 1998, Seite 198).
    Im Gegensatz zum KIP wird der Patient in der Hypnotherapie nicht nur bis zum Waldrand geführt. Hier erlebt er den Wald hauptsächlich als Hort der Ruhe und Entspannung.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Lieber Heinrich, ganz herzlichen Dank von meiner Seite für die Ergänzungen und Weiterführungen zum ‚Waldthema in der Psychotherapie‘ aus berufenem Munde!

      Da ich selbst (im meinem anderen Ruf als Psychotherapeut) psychoanalytisch (eben klassisch und im Sinne der KIP) tätig bin, fehlt mir selbst die Expertise zu diesen hypnotherapeutischen Zusammenhängen …

      Der von Dir beschriebene Ansatz erscheint ’sehr führend‘, dies mag die therapeutische Situation auch vor unerwünschter Überflutung durch ins Bewußtsein drängende Inhalte schützen.

      Die Verwendung des Waldmotivs in den verschiedenen Therapieverfahren scheint aber meine These (im Tutorial) zu unterstreichen, von welch entscheidender Bedeutung der Wald für uns Menschen ist – eben auch als ’seelisches Engramm‘, als innere Projektionsfläche unterbewußter Repräsentanzen …

  6. Manuel says:

    Vielen Dank, freue mich schon auf den nächsten Teil!

    Ich bin sehr gerne im Wald unterwegs, deshalb sind sehr viele meiner Fotos im Wald entstanden. Dies auch, weil der Wald zu jeder Jahreszeit ein gutes Motiv bildet: etwas unheimliche, düsterne Stille im Winter bzw. eine Märchenlandschaft wenn Schnee liegt, das erwachende Leben im Frühling, die Kraft der Bäume im Sommer, die Farbenpracht im Herbst…

    Was mir noch nie in den Sinn gekommen ist, ist ein Bild vom Wald in S/W umzuwandeln. Eher erhöhe ich bei meinem Bildern jeweils die „Vibrance“ etwas. Bei S/W kommen jedoch die Strukturen wesentlich besser zum Vorschein. Danke für den Tipp!

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „ Eher erhöhe ich bei meinem Bildern jeweils die ‚Vibrance’” etwas.

      Warum auch nicht, wenn es Deiner Absicht und Empfindung entspricht? In diesem Tutorial soll es ja in erster Linie um die kompositorischen und belichtungsmäßigen Fallstricke gehen, die oft die meisten Probleme bereiten …

  7. Marcus Leusch says:

    Lieber Thomas,
    das Gruseln angesichts des „Geleisteten“ ist ganz auf meiner Seite, insofern ist H. auch in diesem Punkt ein Irrender und wahrlich kein Waldhüter. Philosophisch betrachtet, gestaltet sich diese Frage allerdings differenzierter – siehe Existenzphilosophie bei J.P. Sartre, Daseinsanalyse bei Foucault oder J. Derrida … etc. …
    Aber der Wald hat natürlich seit jenen – Heideggers – Zeiten immer auch einen gewissen Beigeschmack …

    Antworten
  8. Marcus Leusch says:

    Da ich gerade dabei bin, mich auch fotografisch für das Thema näher zu interessieren (liegt wohl an meiner wieder entdeckten Wanderlust jenseits der Straßen und Mietskasernen), herzlichen Dank für dieses Tutorial. Mir geht es so, dass ich besonderes sehe, aber letztlich sprichwörtlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sehe … Insofern bin ich schon gespannt auf Deine Fortsetzung mit entsprechenden Bildbeispielen, von denen mir aktuell Dein „Waldeingang“ sehr zusagt.

    
Ja, was wären die Märchen ohne Wald (Grimms Märchen lesen!) – da sind wir schon mitten drin in unsrer Seele, und was Du vom Tagtraum andeutest, finde ich sehr interessant. Vielleicht passt ja hierzu auch ein Beispiel aus der Philosophie, das MIR in den Sinn kam, als ich diese Seiten öffnete: 



    „Holz lautet ein alter Name für Wald. Im Holz sind Wege,
    die meist verwachsen jäh im Unbegangenen aufhören.
    
Sie heißen Holzwege.
    Jeder verläuft gesondert, aber im selben Wald. Oft scheint es,
    als gleiche einer dem anderen. Doch es scheint nur so.
    
Holzmacher und Waldhüter kennen die Wege. Sie wissen,
    was es heißt, auf dem Holzweg zu sein.“


    (Martin Heidegger, Holzwege) 




    Beste Grüße
    Marcus

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Vielen Dank für diese Ergänzung, lieber Marcus. Freilich frage ich mich, ob Heidegger sich hier selbst als Waldhüter oder Irrender imaginierte. Seinen Thesen zur Entfremdung (am Symbol des Waldes) kann ich leichthin folgen. Doch hat er sich ja auch ‚einiges geleistet‚, weswegen mich bei Erwähnung seines Namens immer auch ’so ein unterschwelliges Gruseln‘ beschleicht. Vielleicht paßt das aber ganz gut zur Dialektik des Themas … Gruß vom Thomas

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