Tutorial:
Waldfotografie (2)

Ein themenbezogenes Tutorial in vier Teilen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein Versuch der Annäherung …
2.1. Geschichtliches …
2.2. Poetisches …
2.3. Psychologisches …
3. Problembereiche und Lösungsansätze
3.1. Komposition …
3.2. Belichtung …
3.3. Figur-Grund-Konstellation …
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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3. Problembereiche und Lösungsansätze

3.1. Komposition …

Die typischen kompositorischen Probleme in der Waldfotografie belaufen sich auf eine ‚Mischung von zu geringer Strukturierung auf Bildebene und zu großer Vielfalt auf Elementebene‘. Nachstehend einige Beispiele zur Veranschaulichung.
Bild 5 (P. Habereder / Pixelio)Bild 5 zeigt die Standardvariante der Untersicht, des Blickes vom Waldboden also.

Wir sehen vor allem eine Vielzahl einförmiger Stämme (‚Spargelwald‘), ohne daß sich dem Blick Gruppierungen und Ordnungen anbieten.

Bild 6 (Quelle: Ramessos / Wikipedia)Bild 6 zeigt die Aufsichtvariante, wie sie sich im Überflug oder im Blick von einem Hügel oder Turm herunter ergeben kann.

Wir sehen ein geschlossenes Blätterdach, in dessen Einförmigkeit (‚grüner Dschungel‘) sich kaum mehr einzelne Bäume abzeichnen.

 
Bild 7 ('Birkenwald' von Dirk Altehoefer)Deutlich ambitionierter wirkt im Vergleich dazu Dirks hier bereits kurz besprochenes Bild 7.

Durch die Größenunterschiede der Baumstämme sowie die farbliche und tonwertmäßige Unterscheidung der einzelnen Ebenen eröffnen sich dem Blick schon detaillierte Strukturen.

Doch bleibt zum einen der Raumeindruck noch gering und verwirrt zum anderen die Vielzahl von Kleinstrukturen eher.

Anhand weiterer Bildbeispiele möchte ich nun Lösungsansätze aus dem beschriebenen Dilemma aufzeigen.

Bild 8 (Rosel Eckstein / Pixelio)Künstliche Bewegungsunschärfe ist ein probates Mittel, um ein Bild ‚in Richtung der Abstraktion zu verschieben‘ und so ein bereicherndes Element hinzuzufügen.

Bild 8 zeigt die dazugehörige Technik des Kameraschwenks – nicht die Bäume bewegen sich hier maßgeblich, sondern die Kamera.

Bild 9 ('Lichträume 13' von T. A. Hoffmann)Die sonst vermutlich statisch und langweilig wirkenden Baumstämme wirken so bewegter, flirrender.

Auch Bild 9 von T. A. Hoffmann bedient sich erkennbar dieser Technik des vertikalen Kameraschwenks zur Aufnahme.

Doch ist die hier dargestellte Szene durch die Wiederholung der Bäume, die dunklen Randsäume und die Zitierung des dunklen Himmels kompositorisch noch weiter angereichert.

Sehr eindrücklich formt sich so eine düstere und zugleich geheimnisvolle Atmosphäre.

Bild 10 ('Plattenwald bei Pinache')Auch die natürliche Bewegungsunschärfe des Waldes kann man kompositorisch-dramaturgisch zur Schaffung von Spannungsbögen einsetzen.

Bild 10 aus eigenen Beständen zeigt diesen Effekt – die Baumstämme waren unbewegt, durch einen Teil des Blätterwerks fuhr hingegen eine Windbö.

 

 

 

 
Bild 12 ('Glemstal bei Hemmingen')Bild 11 ('Hohenackersee bei Schmie'Ein sehr lohnender Ansatz zur Vermeidung der waldtypischen Kompositionsprobleme ist die Einbindung anderer Landschaftselemente.

Die Bilder 11 und 12 sollen aufzeigen, wie man einen See oder einen Bach für solche Zwecke mit Waldmotiven kombinieren kann.

Auch die Einbeziehung weitläufiger Wiesen-, Felder- und Himmelspartien kommt natürlich in Betracht, um die Komposition aufzulockern und spannend zu gestalten.

Bild 13 ('Felder bei Eisingen')Bild 14 ('Landschaft bei Gondelsheim')Bild 13 zeigt ein solches Beispiel der Einbindung in eine Landschaftszene. Größenmäßig tritt der Wald hier zurück, er stellt aber durch seine tonale Hervorhebung zugleich das Motivzentrum dar.

Bild 14 hingegen ist eigentlich ein ‚Baumporträt‘. Die umgebenden Elemente sind hier mehr Beiwerk zum hervortretenden Baumsolitär. Eine kleine Baumgruppe am Horizont betont den Raum und fungiert als ‚Maßstab‘.

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Soweit für heute zu den kompositorischen Problemen der Waldfotografie und einigen Lösungsansätzen. Im nächstwöchigen, dritten Teil soll es um die typischen Belichtungsprobleme gehen.
Zu Teil eins.

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3 Antworten
  1. Polichronis Moutevelidis says:

    Ein sehr weitgefächertes und eindeutig schweres Thema, wie ich selbst immer wieder erkennen musste. Dabei ging es noch nicht einmal primär um die Komposition, sondern um die gewaltigen Licht-Schattenunterschiede und die damit einhergehende Belichtung eines Waldes. Ich bin somit darauf gespannt, wie du dieses Thema angehst und welche Tipps du dann den Jungs und Mädels mit auf den Weg gibst, die sich dem Thema einmal annähern möchten.

    Viele Grüße aus Dortmund

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Danke für Deine Rückmeldung.

      Aus meiner Sicht muß man den ‚irrsinnigen Dynamikumfang‘ dreigleisig anpacken: (1) durchaus schon kompositionell, indem man möglichst mit dem und nicht gegen das Licht arbeitet, (2) mit geeigneter Kameraeinstellung und (3) auch mit geeigneter Ausarbeitung bzw. ‚Post Production‘ …

      Mehr zu (2) und (3) im nächsten Teil. Dabei werde ich auch anhand zweier Ausarbeitungen eines eigenen Bildes, daß HDR nicht immer das ‚Gelbe vom Ei‘ ist …

      So stay tuned :o) …

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