Tutorial:
Waldfotografie (3)

Ein themenbezogenes Tutorial in vier Teilen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung in das Thema
2. Ein Versuch der Annäherung …
2.1. Geschichtliches …
2.2. Poetisches …
2.3. Psychologisches …
3. Problembereiche und Lösungsansätze
3.1. Komposition …
3.2. Belichtung …
3.3. Figur-Grund-Konstellation …
4. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

***

3. Problembereiche und Lösungsansätze (Fortsetzung)

3.2. Belichtung …

Nicht weniger gravierend wie die kompositorischen Probleme in der Waldfotografie sind die belichtungsbezogenen.

Ein guter Zugang ergibt sich, wie ich meine, über die Vorstellung einer Innenraumaufnahme bei Tageslicht. Wer solches schon versucht hat, kennt das Problem, daß auf konventionellen Aufnahmen die Elemente im Raum oftmals in tiefe Schatten fallen, das durch Fenster hineinfallende Licht hingegen völlig überblendet erscheint.
Bild 15 (Joujou / Pixelio)In gewisser Weise ist die Situation im Wald demgegenüber noch verschärft – einem dunklen ‚Innenraum‘ stehen zahlreiche ‚Fenster‘ bzw. Lücken im Blätterdach entgegen.

Der Sonnenstand bzw. die Einfallrichtung des Lichts ändert daran wenig – Gegenlichtaufnahmen wie in Bild 15 lassen wohl eher an einen ‚über Waldgebiet gezündeten Explosivkörper‘ denn an eine stimmungsvolle Naturaufnahme denken.
Bild 16 ('Herbstanfang' von Matthias Binder)Aber auch unbenommen solcher Anfängerfehler zeigt das wesentlich ambitioniertere, ‚viel mehr mit dem statt gegen das Licht arbeitende‘ und schon ausführliche besprochene Bild 16 von Matthias dieses Dilemma in seiner grundsätzlichen Dimension auf.

Auch hier liegen weitläufig zeichnungslose und überblendete Bereiche vor, welche die Aufmerksamkeit vom eigentlich beabsichtigten Fokus abziehen – dieser sollte hier ganz offensichtlich in der Gegenüberstellung von Einzelbaum und umgebenden Gebüsch im Vordergrund und Baumgruppe im Mittelgrund liegen.

Der Grund liegt hierin, daß der Dynamikumfang zwischen dunkler Waldpartie und heller Himmelspartie selbst bei trübem Wetter die Darstellungsmöglichkeiten unserer heutigen Digitalkameras, die sich auf acht bis zehn Belichtungsstufen beschränken, regelmäßig übersteigt. Der gute, alte Negativfilm war diesbezüglich viel ‚gemütlicher‘ und erlaubt bei geeigneter Aufnahme- und Dunkelkammertechnik die Rückholung der Lichter auch bei einem Dynamikumfang von bis zu fünfzehn Belichtungsstufen.

Wir nähern uns damit auch schon den Lösungsansätzen an, die sich hier (aufgrund unseres Selbstverständnisses als ‚fotografisches Seminar für anspruchsvolle Digitalfotografen jeder Stufe‘) natürlich nicht auf ein ‚jovial empfohlenes Zurück zur Analogfotografie‘ beschränken sollen.
Bild 17Anhand von Matthias‘ Bild lassen sich gewisse Vorteile der digitalen Schwarzweißfotografie aufzeigen.

Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind dabei nicht nur im Sinne der Auslenkung der Farbkanäle, sondern auch der Anpassung der Tonwerte beträchtlich. Sie übersteigen diejenigen im Bereich der Farbfotografie, die einer realistischen Anmutung verpflichtet ist, bei weitem.
Bild 18Konkret kann das in Bild 17 dargestellte Histogramm-Manöver hilfreich sein, um die etwas aus dem Ufer gelaufene Belichtung nachträglich noch zu korrigieren. Wir rufen dazu die Gradationskurven in Photoshop mit Strg-M auf und ziehen mit der Maus an der sich daraufhin darstellenden Kurve – die Lichter werden dabei reduziert, die hellen und dunklen Mitten angehoben.

Das Ergebnis zeigt Bild 18. Die Lichter stechen nun nicht mehr so unangenehm durch das Blätterdach, die Vorder- und Mittelgrundebenen heben sich viel besser voreinander ab.

Bild 20 ('Auenwald am Kleinen Däbersee', HDR)Bild 19 ('Auenwald am Kleinen Däbersee', Normal)Die einer ‚verschärften Innenraumszene‘ entsprechende Belichtungssituation der Waldfotografie könnte nun den Ruf nach HDR-Fotografie, also der ‚Normalisierung eines überschießenden Dynamikumfangs mithilfe von abgestuften Belichtungsreihen‘ lautwerden lassen.

Ich selber habe damit allerdings selten gute Resultate erzielt und bin insofern etwas skeptisch. Dies will ich noch an zwei Bildern veranschaulichen.

Bild 19 zeigt die konventionelle Aufnahme einer Auenwaldszene. Das Histogramm ist etwas unausgewogen, insbesondere die Schatten sind teilweise deutlich zugelaufen. Bild 20 ist die gleiche Szene als HDR-Aufnahme. Hier wirkt die Belichtung viel ausgewogener, auch zeichnet sich die Feinstruktur deutlicher ab. Doch fehlt dieser Bearbeitung aus meiner Sicht etwas wesentliches – der räumliche Eindruck, der im Zuge der forcierten Tonwertnormalisierung und unterschwelligen Vergrauungstendenz einer solchen Bearbeitung rasch verloren geht.

***

Soweit für heute zu den belichtungsbezogenen Problemen der Waldfotografie und einigen Lösungsansätzen. Im nächstwöchigen, vierten und abschließenden Teil möchte ich noch einige Überlegungen in Richtung des ‚gestaltpsychologischen Konstrukt von Figur und Grund‘ anstellen und eine Zusammenfassung geben.

***

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *