Schärfentiefe-Tutorial (1/4):
«Tiefenschärfe» klingt irgendwie falsch

Die Schärfentiefe ist eines der wichtigen Gestaltungselemente der Fotografie. Der Begriff existiert in zwei Varianten.

Bild 1 {Wikipedia; PiccoloNamek}

Die Schärfentiefe (englisch ‚depth of field‘ bzw. DOF) ist ein zentraler Begriff in der Fotografie. Sie umfaßt (von der Kamera aus gesehen) denjenigen Entfernungsbereich, in dessen Grenzen ein Objekt mit ausreichender Schärfe bzw. noch akzeptabler Unschärfe (ich komme auf diese Begriffe noch zurück) auf dem Film oder Sensor abgebildet werden kann.

Die Steuerung der Schärfentiefe bei der Aufnahme ist somit ein wichtiges Gestaltungsmittel mit merklicher Auswirkung auf das Bildergebnis.

Die Abschätzung der Schärfentiefe gelang in analogen Zeiten mittels manueller Umschaltung von Offen- zur Zielblende, während dies bei der bei heutigen Digitalkameras üblichen, automatischen Springblende mit der Abblendtaste erfolgt. In beiden Fällen ist eine orientierende optische Kontrolle der Schärfentiefe möglich.
Schärfeskala (Rob Wikipedia; https://de.wikipedia.org/wiki/Hyperfokale_Entfernung#/media/File:Hyperfokal_Einstellung.jpg)

Eine weitere Möglichkeit zur Abschätzung der Schärfentiefe stellte in früheren Tagen die auf dem Objektiv eingravierte Schärfeskala (siehe Bild 2) dar, anhand derer sich die hyperfokale Entfernung (auch auf diesen Begriff komme ich noch zurück) sowie der Minimal- und Maximalabstand ablesen ließ. Dieses außerordentlich nützliche Instrument wurde im Bereich erschwinglicher Objektive heutiger Tage leider ersatzlos gestrichen.

Das Tückische bzw. Schwierige an der Schärfentiefe ist, daß diese von einer Vielzahl von Aufnahmeparametern beeinflußt wird – zu nennen sind hierbei Blendenöffnung, Brennweite und Objektabstand. Diese Abhängigkeiten wollen wir in diesem Tutorial untersuchen.

2. Tiefenschärfe versus Schärfentiefe

Zunächst möchte ich jedoch noch etwas zur Begrifflichkeit sagen. Lange Zeit kursierte der Begriff der ‚Tiefenschärfe‘, und er tut es noch heute in Amateurkreisen. Im Zuge einer Normierung (was es nicht alles gibt: ‚DIN 19 040 Blatt 3‘) gewann ab 1970 jedoch der Begriff der ‚Schärfentiefe‘ Oberwasser und wird in Fachkreisen fast ausschließlich verwendet.

Dies macht auch Sinn, wie ich meine: ‚Tiefenschärfe‘ zielt auf eine recht ominöse bzw. unergründliche ‚Schärfe der Tiefe‘ ab, während ‚Schärfentiefe‘ begrifflich korrekt die ‚Tiefe bzw. Ausdehnung des Schärfebereichs‘ erfaßt.

7 Antworten
  1. Timo Hartfelder says:

    Die Abschätzung der Schärfentiefe gelang in analogen Zeiten mittels manueller Umschaltung von Offen- zur Zielblende, während dies bei der bei heutigen Digitalkameras üblichen, automatischen Springblende mit der Abblendtaste erfolgt. In beiden Fällen ist eine orientierende optische Kontrolle der Schärfentiefe möglich.

    Ich nutze mit meiner Digitalkamera (D200) immer noch die Blende um die Schärfentiefe zu beeinflussen, gibt es da einfachere Wege?

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Hallo Timo,

      alles okay hierbei, die Blende ist immer noch das ‚Hauptinstrument zur Beeinflussung der Schärfentiefe‘ …

      Der Punkt ist nur der, daß (1) unser Blick durch den Sucher (bzw. auf die Live-View-Anzeige) immer bei maximal offener Blende erfolgt (was das Objektiv also hergibt), um das Vorschaubild möglichst hell zu gestalten, (2) die nachfolgende Aufnahme dann jedoch mit der gewählten Blende (früher am Objektiv, heute in der Regel elektronisch) erfolgt.

      Die Schärfentiefe ist in der Vorschau also deutlich geringer wie auf der späteren Aufnahme. Wenn wir diese bereits vorab kontrollieren wollen, müssen wir uns eben jener Abblendtaste bedienen.

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  1. […] rechts und links in die dann unvermeidbare Unschärfe geraten (Danke übrigens Thomas für das Tutorial über die Schärfentiefe neulich :-) ). In der Nachbearbeitung habe ich 2-3 Staubkörner des Fensters weggestempelt und die […]

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