Leserfoto:
Stellung und Bewegung im Raum

Eine interessante, experimentelle Arbeit

Ausgangsbild

Unser Leser Dirk Wenzel aus dem sachsen-anhaltinischen Mansfeld hat uns das obige Bild unter dem Titel „systemische Familienaufstellung” in der Kategorie ‚Digitale Kunst‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „wer stellt sich wo auf … ? und wer nimmt eine scheinbare Verbindung durch sein Bewegungsrichtung zu wem auf … ? … oder die Frage aller Fragen … wer will einfach nicht ??? eine Szene aus Paris an einem sonnigen Tag Menschen laufen über einen großen Platz und es ergeben sich ‚Laufmuster‘ …”

Über Ausrüstungsdetails und Aufnahmedaten liegen uns diesmal keine Informationen vor.

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Wie mir schon bei anderen Arbeiten dieser neuen Serie von Dirk auffiel, spielt sich das Bildgeschehen weitgehend an den Rändern ab, während in der Mitte ein strukturarmer Raum verbleibt, der nach Absicht des Fotografen wohl von der Vorstellung des Betrachters gefüllt werden soll.

Die Personen sind zwar erkennbar, doch bleiben sie auch vage bzw. nur schemenhaft angedeutet. Hier sehen wir am linken Bildrand eine Frau in Rückenansicht, die nach rechts oben strebt. Dort – also am obenen Bildrand – werden weitere Personen erkennbar, ein Mann im linken Drittel und Bewegungsrichtung nach rechts sowie eine Frau am rechten Bildrand und Bewegungsrichtung nach links (rote und gelbe Linien ebd.).

Nur spärlich ist wiederum die Andeutung und Strukturierung des Raums, sie beschränkt sich auf eine schemenhaft erkennbare, dunkle Hauswand und den Übergang zum Trottoir (blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Zweigipflig und mit nur gering belegten Mitten präsentiert sich das Histogramm und unterstreicht die sehr hochkontrastige Darstellung.

Da ist aber noch etwas anderes im Bild – das Fehlen von Zwischentönen, das Verschmelzen der Tasche der vorderen Frau mit dem Boden etwa, weist auf das Gestaltungmittel der auch als Posterisation bekannten Tonwerttrennung und -reduktion hin.

Farben:

Auch die Farben sind nicht weniger auffällig wie die Tonwertbehandlung.

Wir sehen gebrochene Farben aus dem Blau-, Türkis- und Braunspektrum, welche uns gleichwohl nicht realitätsnahe, sondern in eigentümlicher Weise verstärkt und verzerrt erscheinen – Kundigen kommt hier die Crossentwicklung früherer Tage in den Sinn.

***

Zusammenfassung:

Dirk zeigt mit seiner neuen Serie, die sich solcher Gestaltungsmittel wie der simulierten Posterisation und Crossentwicklung zu bedienen scheint, interessante neue und experimentelle Wege auf.

Damit einher geht freilich die Gefahr, daß sich solches alsbald als ‚Look‘ erschöpft. Umso wichtiger bleibt es, die Komposition auch in diesem Bereich der ‚Digital Art‘ sorgfältig und spannungsreich zu gestalten.

Dies scheint mir bei dieser Arbeit gelungen, da Stellung und Bewegung der einzelnen Protagonisten im Raum und zueinander durchaus ‚das Kopfkino mobilisieren‘.

***

Bildteil:

Komposition

Tonwerte

 

47 Antworten
  1. Dirk Wenzel says:

    zum Ernst der Lage zurück … :-)

    mich interessiert bitte auch deine Meinung Thomas zu dem beschriebenen Vorgehen – auf Tilman Frage – von mir …

    so wegen Weißabgleich und Meer …

    BGr Di

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    • Thomas Brotzler says:

      Lieber Dirk …

      Als eingefleischter Schwarzweißfotograf kann ich Dir wohl kaum eine erschöpfende Antwort zur ‚delikaten Befassung der Farben im Bild‘ geben. Das käme ja vielleicht etwas komisch … Ich will aber gerne schildern, was ich mit der Farbe ‚am Hut habe‘, andere wären dann zur Ergänzung berufen. Also …

      [1] Farbe ist für mich zunächst willkommenes Futter für die Aussteuerung der Farbkanäle, d. h. die subtile Schichtung und Verteilung von Tonwerten.

      [2] In wenigen Fällen habe ich – meistens Landschaften, wie in meiner Norwegenserie – die schwarzweißkonvertierten Bilder mit einer ‚Tonung durch die Originalfarben‘ (Ebenenmodus ‚Farbe‘, also ohne Luminanz, meist zu 30%) versehen.

      [3] Jetzt wird es für Dich vielleicht spannend: In einigen weiteren Fällen – insbesondere den experimentellen Serien mit den Lensbaby – habe ich die Farbe exzessiv verwendet im Sinne von Dichte und Verschiebung. Die sichtbare Fehlfarbe war dabei also nicht unwesentlicher Zweck des Ganzen (ich binde unten noch ein Bildbeispiel ein). Das scheint mir gar nicht so unterschiedlich von Deinem Ansatz. Nur hab ich nicht mit dem Weißabgleich gearbeitet, sondern mit einer ’simulierten Crossentwicklung‘.

      Viele Wege führen nach Rom oder auf den Krabbenkutter …

      Thomas

      Frankfurt 2011 | Studie-04

    • Thomas Brotzler says:

      Ich war’s nicht. Eine innere, unbezwingbare Macht stattdessen, die über mich kam. Muß mal meinen Analytiker fragen. Verdammt, das bin ich ja selber …

  2. Thomas Brotzler says:

    Zitat: „Mit der Schärfe habe ich auch schon mal als Student gespielt…

    Auch ich erinnere mich immer wieder gerne an frühere, selige Studentenzeiten. Da liefen schon teilweise ’scharfe Sachen‘ herum, an denen man sich die Finger verbrennen konnte …

    Antworten
  3. Dirk Wenzel says:

    Moin Moin vom Krabbenkutter …

    … zur Frage von Tilman … Moin Tilman … :-)

    … die Antwort könnte kurz ausfallen …
    … wenn da nicht …

    … die netteste „Spielerei in Paris“ ist die mit dem Weißabgleich …

    … ich stelle diesen wenn die Kamera es erlaubt einfach manuell um … zack fertig …

    …oder ich nehme eine bunte Karte und mache darüber einen Weißabgleich und nutze diesen …

    … wenn ich nur so als Beispiel an die bläulichen Schatten in bestimmten Bildern denke … ist ja bekannt … so kann ich diese Spielerei nach Erfahrung oder Zufallsprinzip immer weiter fortsetzten …

    … mit wenig Aufwand ergeben sich oft interessante „Farbräume“ …

    zweitens … jetzt doch ne 2. :-)

    den Farbraum in der Kamera manuell Umsetzten … das bedeutet wenn ich es richtig verstanden habe … :-)

    die Luminanzwerte in Bezug zur Farbe und Sättigung verändern und dann wirken lassen …

    in Verbindung mit dem verschobenen Weißabgleich noch mal spannend …

    und so kannst doch alles verändern wenn die Kamera es zulässt ohne auf Filter in der Dunkelkammer zurück zu greifen …

    dort macht eine erneute Farbtonverschiebung oft noch mal ein interessantes ohha …

    wenn man frau es denn mag …

    … um zurück zum „Landgang“ zu kommen … diese Ergebnisse dann in SW ohha …

    und was ich oft versuche dabei zu nutzen …

    viele helle „Flächen“ im Bild …

    … diese kleine „Spielerei in Paris“ ist nichts neues und wird dann auch schnell verredet so wegen Anspruch und keine Schärfe und so …

    … ach ja die Schärfe …

    …in der Kamera auf Minimum reduzieren und dann in der Nachbearbeitung die Klarheit reduzieren und die Luminanz Rausch reduzieren doch das Farbrauschen erhalten …

    … ein Letztes zum angedeuteten Maleffekt …

    …das gewünschte Motiv im Bildausschnitt sehr klein halten damit wenige Details verpixelt werden …

    danach den Bildausschnitt wählen und die Bildgröße behalten … skalieren oder so auto…

    oder manuell zum gewünschten weichlaufunscharfmaleffekt …

    und dann am End wie das Leben nun mal so ist noch ein wenig schärfen wenn gewünscht und … dann den Filter drüber … nein nein :-)

    ein Versuch wert auch zwei drei … vielleicht versucht es ja mal jemand und präsentiert sein Ergebnis …

    da geben ich die Frage noch an Erica weiter …

    wie arbeitest Du kreativ ?????

    Die Blaue Stunde hat mich nun auf dem Krabbenkutter erwischt und ich lasse alles in original beim Betrachten der Farben und der Weite und der Kälte … ach ne … die fühle ich ja nur … ist das kalt … kalte Farbe tolle Effekt … starke Sättigungsfarben weniger Effekt … helle Luminanzstarke Farben ein …

    Spiel fürs Auge in Paris …

    hoffe die Antwort ist verständlich und genüge Tilman …

    … es war ist mir eine Freude verneig

    BGr von der Seehundbank

    Dirk

    Antworten
    • Tilman says:

      Vielen Dank für Deine ausführliche Erklärung, Dirk!

      Mit „Weißabgleich” habe ich noch nie experimentiert, eine wirklich interessante Idee.

      Mit der Schärfe habe ich auch schon mal als Student gespielt… Farbrauschen beibehalten, die Luminanz-werte weichzeichnen, muss ich unbedingt einmal versuchen. Ich hatte damals, ist aber auch schon 25 Jahre her, genau das Gegenteil gemacht :->

      Freue mich schon auf neue Fotos von Dir. Sie sind immer etwas besonderes.

      Mit freundlichen Grüßen,
      Tilman

  4. Tilman says:

    Hallo,

    @Dirk Danke für Deine Erläuterungen. Es ist also nicht der Zufall irgendeines digitalen Filters? Also die Frage: „wie kommt dieses zu Stande?“ Ich würde gerne etwas mehr über die Technik erfahren, aus wirklichem Interesse!

    Jeps = Jouets de Paris? Oder einfach nur Yes?

    @Thomas ob ich Euch mit diesem ‘Analytikerkrams’…

    Das kannst Du gar nicht anders :->, und das ist gut so. Vielleicht lässt Dirk’s Bild aber auch gerade wegen seinem unwirklichen Aussehens und der geringen Detailtreue eine sehr weitgehende Interpretation zu, wie Du bereits bei der Besprechung von Dirk’s Bild „Körpersprache“ angemerkt hast.

    Sind aber Fotografie + Verfremdung wirklich das richtige Werkzeug? Ich bin da eher skeptisch. Auch wenn die Komposition gut ist, denke ich, daß solche Bilder, die ja wie Gemälde anzusehen, schnell langweilig werden: der Künstler hat bei weitem nicht dieselben Möglichkeiten, seine Gedanken festzuhalten, wie ein „richtiger“ Maler.

    Mit freundlichen Grüßen,
    Tilman

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „der Künstler hat bei weitem nicht dieselben Möglichkeiten, seine Gedanken festzuhalten, wie ein ‚richtiger‘ Maler.

      Genau das ist auch mein Kummer mit der ‚Digital Art‘, ohne daß ich hierin andere entmutigen oder gar Dirks Schöpfung herabwürdigen wollte – eine persönliche Einschätzung also, auch von meiner ursprünglichen Herkunft von der Malerei geprägt, die ja auch meine heutige fotografische Ausrichtung lenkt. Andererseits lasse ich mich von gelungenen Schöpfungen wie dieser hier gerne auch begeistern.

  5. Reinhard says:

    @ Thomas: Ob ich’s wohl wagen kann, Dir bei der Besprechung Deines Sommerporträts am Freitag (31.01.) meinerseits ein wenig mit gutartigem Schalk zu Leibe zu rücken?

    Du kannst alles wagen… und ob ich den gutartigen Schalk im Text erkenne – wir werden es sehen… :-)

    Antworten
  6. Dirk Wenzel says:

    Moin Moin vom Krabbenkutter …

    … die Wetterlage ist stabil und es wird ein kalter guter Tag find …

    vielen lieben Dank für die zahlreichen intensiven Gedanken zu meinem Bild … verneig und große Freude …

    ich versuche durch eine kurze haha Beschreibung Antworten zu geben :

    1. Ich sehe mich als Bildgestalter dieser Szene und habe mich nicht als Teil / Person in dieser Szene gefühlt.

    2. warum : Reinhard wird sich vielleicht noch erinnern …

    das Thema „Menschen im Raum -mit und ohne Beziehung “ hat mich schon lange interessiert … im Bild fest zu halten … natürlich mit dem Wunsch … den die BetrachterIn beim Betrachten mit einer „Botschaft“ zu halten … im Bild …

    3. bei diesem nun :

    es ist für mich der Beginn einer „möglichen“ Aufstellung … daher ist mir die Bewegung der Protagonisten wichtig gewesen …

    Ende offen… wie es so geschrieben gesagt wird …

    auch für den die BetrachterIn so hoffe …

    4. Den Raum -Platz – habe ich durch den Schnitt gestaltet … erhoffte durch den Bildrand den Beginn der „Platzsuche“ zu unterstützen …

    das Bild hat noch „Fleisch und Futter“ also Platz nach allen Seiten …

    5. die Ortsangabe beschreibt eine Öffentlichkeit …

    die Tür als Botschaft – Heim Privat – nicht öffentlich … der eigentliche Ort für „Familie“

    .. aber auch die Möglichkeit für den die BetrachterIn … sich aus dem Bild -den Platz – zu denken – diesen symbolisch zu verlassen –

    … nur so angemerkt – meine Gedanken …

    6. warum diese Überschrift ?

    verschiedene Themen für ein Bild im Herzen und Kopf … so Lebenserfahrung und Inhalte …

    diese Idee mit auf Reisen genommen, in der Hoffnung, einen Ort Platz zu finden … dieses Thema umsetzen zu können …

    Plan B war ein Motiv … welches sich an diesem Platz nicht fand … ein Mensch im Schatten stehend doch von Sonnenlicht noch berührt und die freie Fläche im Hintergrund helle erstrahlt …

    zwei Ideen ein Ergebnis …

    … ist doch klasse oder ? …

    7. damit zur Lichtsituation und gewünschten Bildinhalt :

    die „Helligkeit schaffte die Vorraussetzung wieder einmal „Elemente“ durch Licht verlaufen zu lassen … damit vielleicht ein Holzbein oder eine Tasche oder was so alles verändert wirken kann … :-)

    8. die Frage „ob gemalt“ ?

    die Antwort ist doch in der Frage schon selber gegeben -warum dann noch fragen ? :-)

    oder Fragen : wie kommt dieses zu Stande ?

    die Filter sind es nicht – da gibt es in der Vorplanung zu einer möglichen Präsentation noch andere Jeps … :-)

    Reinhard kennt dieses Bild bestimmt noch in SW mit starkem Kontrast …

    … diese Bearbeitung soll keine Persönlichkeitszüge wie Gesichter Lachen Weinen usw zeigen …

    warum : ich wollte nicht … jaja …
    die Persönlichkeitsmerkmale der Personen über den Raum stellen …

    bleibt also … Bewegung im Raum mit Themenbezogenheit für eine mögliche Auseinandersetzung der BetrachterInnen wenn denn gewollt …

    9. Produkt Zufall ?

    die Idee war da … die Situation ergab sich durch… mal wieder… :-)

    Warten und Schauen …

    … Plan B … wie beschrieben … hatte nicht und sollte vielleicht nicht …

    damit die 10 nicht erreicht wird :-) …

    dieses soll nicht das letzte Wort zu diesem Bild sein :-)

    ich nehme viele tolle Gedanken für weitere Bildideen mit auf den Krabbenkutter und verneige mich …

    … allen Gedankenerzählern Anspornenden und Fragenden sowie Antwortgebenden und LeserInnen bleibt noch die Frage zu stellen …

    wo steht IHR und was ist noch möglich oder doch im Herzen schon entschiedne für und um ein Bild im Bild ?

    … auf der Seehundbank liegen die Seehunde heute irgendwie … wie beschreib ichs …

    … anders …

    … ein neues Bild in gewohnter Kulisse …

    ne … ich glaub … nein ich habs erkannt …

    … meine Krabbenkutterposition hat sich etwas verändert …

    … was ein neues Bild … wenn IHR nur sehen könntet …

    ach ne … Ihr hättet ja dann nur dieses Bild und nicht meine Erinnerungen an vergangene …

    … aber diese EINE NEUE ist der Hammer …

    BGr vom Krabbenkutter der Dirk

    Antworten
  7. Reinhard says:

    „systemische Familienaufstellung”

    „wer stellt sich wo auf … ? und wer nimmt eine scheinbare Verbindung durch sein Bewegungsrichtung zu wem auf … ? … oder die Frage aller Fragen … wer will einfach nicht ??? eine Szene aus Paris an einem sonnigen Tag Menschen laufen über einen großen Platz und es ergeben sich ‘Laufmuster’ …”

    Egal ob mit Filter bearbeitet, als Gemälde erstellt, was spielt das für eine Rolle. Wir sind in einem Fotoforum und keiner Gemäldegalerie. Also wird das schon irgendwie mit ‚m Knipskasten erstellt worden sein. Der Fantasie sind auch danach und währenddessen keine Grenzen gesetzt, was es erschwert bestimmte Regeln und Dogmen gezwungener Maßen anzulegen. Die Gedanken sind frei und meine Filter sind es auch.

    Viele Laufmuster wird es wohl nicht geben, zumindest nicht wenn es bei den abgebildeten Personen bleibt. Davon gehe ich zunächst aus. Und ob der freie Platz sich mit dem Fotografen oder dessen Gedanken oder was auch immer, füllen lässt, weiß nur er allein. Ich kann nur mutmaßen, was er sich dabei gedacht hat. Ich will auch nicht wissen, was sein KÖNNTE, es geht mir um das Hier und Jetzt. Ich sehe eine Person links im VG, sehr nah am Rand oder gerade ins Bild gelaufen. Sie scheint beschwingt über den Platz zu gehen, lässig, vielleicht auch aus Freude über den Inhalt in der Umhängetasche, den sie zu Hause erst richtig genießen will. In einiger Entfernung kommt von links eine scheinbar männliche Person ins Bild zu dem ich keine weitere „Beziehung“ habe, genauso wenig wie zu der rechts oben links ins Bild kommenden scheinbar weiblichen Person, die in irgendetwas „verwickelt“ zu sein scheint. Sie könnte sich jetzt den Weg geradeaus zu dem Herrn links im Bild wenden, oder gerade herunter, immer an der rechten Seite des Bildes entlang um so eine der Laufspuren in eine andere Richtung zu bringen… oder eben auch die Richtung zur beschwingten Personen links im Bild einschlagen. Jo, so können tatsächlich Laufmuster entstehen. Über die nähere Bedeutung dessen wird aber nichts gesagt. Sie wären dann halt vorhanden. Aber eben nicht deutlich sichtbar.

    Was aber fühle ich bei diesem Bild… Ich habe schon sehr viele Bilder von Dirk sehen dürfen, einige erschlossen sich mir sofort, andere weniger oder gar nicht. Man mag mit Filtern und anderen technischen Spielereien Wirkungen erzielen, seinen unglaublich erweiterten Wortschatz mit in die Bildbesprechung einbeziehen und daraus jetzt ein Bildnis schaffen, welches auf was für Ebenen auch immer besprochen werden kann.
    Ja, es entstehen Laufmuster… schön… wer sich wo aufstellt und warum und überhaupt, das können wir fantasieren, aber nicht bestimmen.

    Mein lieber Dirk, es wirft für mich wieder mal Fragen auf… hier verstehe ich einmal mehr Deine Intention nicht und muss ehrlich kapitulieren…

    Meine Welt der Bilder ist halt eine andere. Viel einfacher und leichter zu durchschauen. Aber was mich wahnsinnig freut ist, hier wird mal was losgetreten – hihi, wenn ich auch 2/3 davon nich kapiere…

    Mach weiter so…

    Grüß mir den Krabbenkutter…

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „Aber was mich wahnsinnig freut … hier wird mal was losgetreten

      Ja, mit bisher 34 Beiträgen ist das schon eine sehr lange und vielschichtige Diskussion. Das gab es schon lange nicht mehr, meine ich.

      Ob ich’s wohl wagen kann, Dir bei der Besprechung Deines Sommerporträts am Freitag (31.01.) meinerseits ein wenig mit gutartigem Schalk zu Leibe zu rücken?

  8. Tilman says:

    Schönes Bild, Dirk!

    Persönlich finde ich es zu bearbeitet. Ich habe Schwierigkeiten mit der Tasche, die sich nicht vom Hintergrund unterscheidet. Auch die Form des linken Beines vorne ist komisch, der Fuß des Mannes ist abgeschnitten, die hintere Frau hat ein Holzbein.

    Ich würde vielleicht anders über das Bild denken, wenn es gemalt wäre. Ist es aber nicht, sondern der Zufall irgendeines digitalen Filters. Das ist mir zu wenig.

    Oder ist es gemalt?

    @Thomas: ‚ménage à trois‘, eine Person unterhält zu zwei anderen Personen eine Sexualbeziehung… was man nicht alles aus so einem Bild lesen kann :->

    Mit freundlichen Grüßen,
    Tilman

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „eine … zwei … eine …“

      Im Grunde ja, aber es geht bei beiden genannten Lebenssituationen (der ödipalen Konstellation des dritten und vierten Lebensjahres wie auch der Fortschreibung im erwachsenen Sinn) nicht um das Ausdrückliche, sondern um die Phantasien, was sein könnte, um Hoffnungen und Ängste also, auch um Loyalität und Verrat, um Konflikte mithin …

      Ich weiß jetzt bloß nicht, ob ich Euch mit diesem ‚Analytikerkrams‘, mit dem ich mich zu gut der Hälfte meiner Arbeitszeit beschäftige, nicht ein bißchen langweile …

  9. Reinhard says:

    Holla,

    Jo, und wieder in die Falle gerannt… Zunächst mal gegoogelt was überhaupt das Wort systemisch bedeutet – kannte ich bisher doch nur systematisch… dann über die Metaebene gestolpert, was bei Wikipedia bedeutet: Metaebene ist die lose verwendete Bezeichnung für eine übergeordnete Sichtweise, in der Diskurse, Strukturen, oder Sprachen als Objekte behandelt werden. Findet die Metaebene in derselben Struktur statt, über die sie spricht, so liegt ein Fall von Selbstreferentialität vor. Es können immer neue Metaebenen aufgesucht werden, eine absolute Metaebene gibt es nicht. Was als Metaebene in Frage kommt, ist abhängig von der Wahl einer methodischen Perspektive. Wird auf der Metaebene eine systematische Betrachtung durchgeführt, so ist das Ergebnis eine Metatheorie.

    Was wiederum zur Folge hatte… ich klink mich aus… Wenn es nicht möglich ist mit normalen Worten zu sagen, was man bei der Betrachtung eines Bildes fühlt oder empfindet, dann hab ich ehrlich gesagt hier nix mehr verloren… Kinners, ich hab euch nicht VERSTANDEN… Sorry about that!

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      ‚Metaebene‘ bedeutet, wie es ja auch im ersten Satz von Wikipedia anklingt, über ‚etwas im übertragenen Sinn zu sprechen‘.

      Dies machen wir, wenn wir zum Beispiel über Gefühle reden, welche das Bild auslöst oder über Erinnerungen,, die uns dabei kommen.

    • Marcus Leusch says:

      Ich versuch‘s mal anders, vielleicht lässt sich Reinhard ja doch noch zurückholen?! Wäre doch zu schade!
      Vereinfacht ausgedrückt: Metaebene ≈ vergleichbar einer Vogelperspektive, aus der heraus man auf die Dinge sieht … Immer wenn wir über Gefühle (hier Bildeindrücke) oder Erfahrungen sprechen, machen wir nichts anderes. Wie sollten wir sonst Gefühle uns und anderen verständlich machen? Gesprochene/geschriebene Sprache ist nun einmal sehr abstrakt und nicht das Gefühl selbst, das wir im ersten Moment hatten.

      Bezogen auf die fotografische Situation hier bedeutet dies: Nicht nur darauf zu sehen, was der Fotograf uns zeigt, sondern ihn selbst mit in die Betrachtung einzubeziehen (Vogelperspektive). – Welche Rolle spielt er in dieser „Dreiecksbeziehung“? Ist er eine fehlende vierte Person, die hinzu gedacht werden muss … ? Und was sagt uns das im Zusammenhang mit dem Bildtitel?

    • Thomas Brotzler says:

      Ganz so, wie Marcus es ausführt … in dem Bild sehe ich in übertragener Hinsicht zum Beispiel ‚die alte und immer wieder neue Dreicksgeschichte der Menschheit‘ … etwas, was in der Kindheit als (sorry, hier kann ich auf den psychoanalytischen Begriff schwerlich verzichten) ‚ödipale Konstellation‘ beginnt und sich im Erwachsenenalter etwa als ‚ménage à trois‘ fortsetzt …

  10. Dirk Wenzel says:

    … nein nein … Zurückhaltung und die Strömungen beobachten und dann zum Fang die Netzte und so … :-)

    … was sprach der Leuchtturmwärter
    zum Delphin der da so im Meer …
    … und auf die Makrelen wartete …
    … „äußere Dich“ …

    … ich werde mich auch noch äußern … nach der Makrele … :-)

    BGr Di

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Dirk, mon fils perdu … bist so einsilbig ach! Schlechten Fang gemacht oder von Untiefen festgehalten?

  11. Marcus Leusch says:

    @ Thomas

    Frei nach Nietzsche: Die frühe Vergreisung ist mitunter eine der häufigsten Sünden der Jugend ;-))

    Auf dem Begriff „Dilettantismus“ liegt leider – zu Unrecht – ein gewisser Fluch der Negativität, weswegen ich ihn mir hier political correct verkniffen habe …

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Mehr Gefühl wurde gewünscht, mehr wohltuende Schwelgerei jenseits des technisch bzw. formal Beschreibbaren, aber in unserer Diskussion schienen wir eben diese Ebene doch nicht richtig erreichen zu können …

      Ich hätte durchaus noch eine interpretative Ebene parat, einige Gedanken zu einem ‚cherchez l’homme‘ und einer systemischen Betrachtung, doch will ich mich hier nicht vordrängen …

    • Marcus Leusch says:

      „Gedanken zu einem „‘cherchez l‘homme‘ und einer systemischen Betrachtung“

      Darüber scheint mir Dirk selbst doch noch etwas mehr Aufklärung bieten zu können. …

      Wenn ich Dich recht verstehe – und das passt vielleicht zu dem Gedanken in meiner ersten Reaktion (siehe oben) –, dann sollte man den Bildtitel nicht außer Acht lassen und einmal versuchen, diesen in einen Bezug zu dem Sichtbaren zu stellen! Für mich ist‘s im positiven Sinne durchaus auch ein verkapptes Portrait, das sich durchaus in den Tiefen dieser Aufnahme finden lässt und einiges über den Fotografen selbst erzählen könnte, insofern man davon ausgeht, dass jeder bildliche Ausdruck ein sehr persönlicher ist und auf den Urheber zurück weist. Das wäre sozusagen eine Metaebene, die sich mir hinter dieser Bildanmutung öffnet und eine weitere „Erzählebene“ ins Spiel bringt. Der Fotograf hinter der Kamera wäre in diesem Szenarium das Pendant zu dem leeren Raum („Gravitationszentrum“ der „Laufmuster“), der gegenüber den Möglichkeiten seiner Objekte/Protagonisten als unbeobachteter Beobachter „aufgestellt“ ist und zu ihnen eine Verbindung herstellt. – Erst der Blick des Fotografen konstituiert also eine Sinnhaftigkeit, die sich ihm zeigt, wenn die Objekte/Protagonisten auf seine Fragen auch antworten … Dieser eine Druck auf den Auslöser als Moment einer gewissen Selbsterfahrung/-Vergewisserung im Gegenüber … nur mal so frei assoziiert … – Ich spinne, also bin ich :-)

    • Thomas Brotzler says:

      Na, geht doch, auch wenn wir noch auf ‚Delfins Bäuerchen‘ warten (siehe Kommentar 13.1). Ich wüßte nun gerne noch Reinhard an diesem ‚Tisch der Metaebene‘ sitzen – ein kleines ‚Lese- und Achtsamkeitszeichen‘ von seiner Seite wäre also willkommen, denn er verlangte nach solcher ‚Speise‘ (siehe Kommentar 2) …

    • Thomas Brotzler says:

      Auch Smiley: ich habe in den Bestimmungen von Fokussiert nachgeschaut und nichts gefunden, was Dir, lieber Reinhard, den Gebrauch der segensreichen Antwortfunktion grundsätzlich und unter Androhung sofortigen Liebesentzugs verwehren könnte …

      Es ist eine interessante Diskussion. Freilich wurde sie schon früher und auch anderswo geführt, ohne daß uns dies entmutigen müßte, das Thema aufzugreifen und weiterzubringen.

      Es geht um ‚Dilettantismus‘. Im Wortsinne wohlgemerkt. Ob dieser den Jüngeren, der ‚Internetgeneration‘ überhaupt noch bekannt ist? Muß ich mich jetzt alt fühlen?

    • Thomas Brotzler says:

      Auf wen oder was beziehst Du Dich jetzt? Es sind ja kontroverse Meinungen geäußert worden …

  12. Erica di Motta says:

    @ Thomas Brotzler,
    selbstverständlich – ich arbeite immer in Serien, Diese Bemerkung
    Zitat: Gestaltungsansatz hin und meidet den ‘Zufallstreffer einer einzigen, gelungenen Arbeit’, einer ‘Oase in der Wüste’ – solche sieht man im Amateurbereich oft, sehr oft …
    ist hart und würde ich nicht akzeptieren als Einsteller des Bildes noch – sollte ich gemeint sein.
    Nochmals: Wir diskutieren unter Kollegen („Profifotografen“ und „Amateurfotografen)“ möchte ich diese Zuweisung nicht akzeptieren. Jeder hat – wie bekannt – bei Null angefangen, jeder hat das Recht etwas auszuprobieren, das fängt bei Bild Nr. 1 einer Serie an.!!!!!!

    Antworten
    • Marcus Leusch says:

      @ Erica di Motta

      „Wir diskutieren unter Kollegen („Profifotografen“ und „Amateurfotografen“) …

      Letztlich arbeiten wir doch alle bloß an einem: eine gelungene Aufnahme, die nach Möglichkeit das zum Ausdruck bringt, was wir zu sagen haben – wenn wir denn überhaupt etwas Wesentliches über dieses Medium kommunizieren möchten. Ob das nun gleich mit dem Stempel „Kunst“ versehen werden muss, darüber lässt sich streiten. Wer in diesem Bestreben kreativ unterwegs sein möchte, der sollte allerdings über ein gewisses Vorstellungsvermögen bezüglich der Möglichkeiten und Grenzen des Mediums Fotografie verfügen. Erst wenn ich mir hier über die Mittel im Klaren bin, kann ich diese Klaviatur auch kreativ zum „klingen“ bringen.

      Wer so arbeitet, fängt nicht immer wieder bei „Null“ an, sondern experimentiert auf hohem Niveau mit einer ganz anderen Fallhöhe … 
Insofern ist für MICH diese Unterscheidung zwischen Profi und Amateur nötiger denn je.

      Andererseits: Selbst unter den „Profis“ gibt es erhebliche Unterschiede. Den einen ist‘s Beruf (bloßer Broterwerb), den anderen Berufung! Erstere werden heute von manchen Amateuren durchaus übertroffen, die das „Handwerk“ ebenso erworben haben. Hier ist oftmals die bunte Bilderwelt der Kataloge, Zeitschriften und Zeitungen zu Hause, die ja heute auch das Internet übervölkern. 

      Letztere sind mir hingegen die Nächsten, denn sie fotografieren, weil sie es einfach müssen, weil sie uns etwas zu sagen haben … und uns an ihren Fragen teilhaben lassen.

      LG
      Marcus

  13. Erica di Motta says:

    @Thomas Brotzler,
    die letzte Tonwerte-Einstellung kommt gut rüber; ist gelungen. es gibt einen mystischen Effekt.
    Allzeit gut’Licht!!

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Hoppla, das war doch eine „vereinfachende Vergraustufung zur Illustration“, ein Arbeitsansatz also! Wußte gar nicht, daß ich damit jetzt „Unsterbliches geschaffen“ habe …

  14. Erica di Motta says:

    @ Reinhard,
    bitte Profi und Amateur ist kein Status mehr.
    Einzig und allein die Qualität einer Arbeit in diesem Bereich entscheidet.
    Man kann vieles (Techniken) gelehrt bekommen, man kann vieles lernen durch „mit den Augen stehlen“, Ausprobieren, aber ein Fotograf ist ein Künstler, der seinen eigenen Weg gehen muss, der einen eigenen Stil entwickelt muss.
    Mein Tipp: mehr Selbstbewußtsein!!

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „die Qualität einer Arbeit

      Ein ‚einer Serie‘ hätte ich unterschrieben, denn dies weist auf einen bündigen und durchgängigen Gestaltungsansatz hin und meidet den ‚Zufallstreffer einer einzigen, gelungenen Arbeit‘, einer ‚Oase in der Wüste‘ – solche sieht man im Amateurbereich oft, sehr oft …

  15. Erica di Motta says:

    Guten Tag,
    ich arbeite in ähnlichem Stil, manchesmal aber direkt mit der Kamera, indem ich Unschärfe erzeuge. Hier fällt mir ein Format auf, das nicht der 2:3 Verhältnis entspricht.
    Ich würde aber gerne hier die Umgebung sehen, um Beurteilen zu können, warum der Beschnitt der Personen so eng ist. Generell empfinde ich zu nahe am Rand gearbeitet als Einengung einer Szene.
    Ich hoffe, ich konnte mein Problem hier verständlich machen.
    Allzeit allen gut‘ Licht.

    Antworten
  16. Reinhard says:

    @ Thomas:

    Du schreibst: Aber es stimmt ja auch, wenn Du auf eine gewisse technische bzw. formalistische Ausrichtung meiner Besprechungen hinweist. Nun, die Bildanalyse erscheint mir zum einen als ein auch für die Fotografie unentbehrliches Rüstzeug, und solches scheint mir zum anderen (als Grundlage für alles weitere) in der Amateurfotografie am ehesten zu fehlen.

    Ich habe nicht gemeint, dass das nicht notwendig ist. Denn das unterscheidet Euch ja von den ganzen anderen Foren wo eben nur Blabla unter den Bildern steht. Aber ein klein wenig mehr Gefühl… Emotionen, die bei Euch ausgelöst wurden beim Anblick des Bildes fände ich schon schön…
    Auch daran kann man erkennen, ob man die Wirkung selbst richtig eingeschätzt hat oder nicht. Denn wenn ich als Amateurknipser es schaffe, einen Profi zu begeistern, dann kann ich nicht all zu viel falschgemacht haben.

    Nichtsdestotrotz lese ich Deine Abhandlungen gern, auch wenn ich hinterher Kopfschmerzen habe und erst mal auseinander pflücken muss, was Du genau gemeint hast.

    Aber es wird… :-)

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  17. Reinhard says:

    Da ist es wieder, Dein so geliebtes Dreieck… :-) Ich schließe mich mal dem Marcus an, und sei es auch nur aus dem Grunde, weil ich einfach nicht in der Lage bin, Deine Bilder treffend zu beschreiben. Es gehört wohl wirklich einiges an Fantasie und Beobachtungsgabe dazu, so etwas zu kreieren.
    Den technischen Auführungen von Thomas kann ich nur beifällig nicken – auch dafür fehlt mir fast jede erdenkliche Erfahrung.

    Würde ich mir jedes mal so viele Gedanken machen, ob und wie die Tonwerte im Bild sich verteilen – vor dem Druck auf den Auslöser – ich würde kein Bild zustande bringen.

    Letztendlich kann ich nur sagen, es wird mir ehrlich gesagt zu viel über die technische Seite gesprochen, als über das was es eventuell in einem auslöst.
    Das gilt übrigens für alle der letzten besprochenen Bilder.

    Ich erinnere nur an die besprochenen Bilder von Peter Sennhauser, der war mit dem Herzen dabei…

    Sorry about that.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „es wird mir ehrlich gesagt zu viel über die technische Seite gesprochen, als über das was es eventuell in einem auslöst. Das gilt übrigens für alle der letzten besprochenen Bilder.

      Lieber Reinhard,

      zunächst möchte ich sagen, daß ich Deine Kritik annehme. Es ist offen gesprochen, und so muß es auch angehört werden. Anderseits magst Du auch auf meine Entgegnung gespannt sein …

      Nun, ich schätze mich eigentlich als einen sehr emotionalen und auch eidetischen (bildlich vorstellungsbegabten) Menschen ein. Ich bin es als Fotograf vor Ort, und ohne solche Eigenschaften könnte ich wohl auch kaum seit fast 20 Jahren psychotherapeutisch tätig sein.

      Aber es stimmt ja auch, wenn Du auf eine gewisse technische bzw. formalistische Ausrichtung meiner Besprechungen hinweist. Nun, die Bildanalyse erscheint mir zum einen als ein auch für die Fotografie unentbehrliches Rüstzeug, und solches scheint mir zum anderen (als Grundlage für alles weitere) in der Amateurfotografie am ehesten zu fehlen.

      An dessen Stelle tritt dort dann oft das „Empfinden aus dem Bauch heraus“, sich oft in einem „das finde ich jetzt aber schön“ erschöpfend – starke Gefühle, wenige Worte, keine Methodik. Daß dies keinen Lerneffekt bedingt, haben schon viele andere vor mir festgestellt …

      Auch ich schwelge sehr, sehr gerne in ‚Bedeutungsebenen und Bildanmutungen‘ – doch scheint mir dies eher in die allgemeine Diskussion wie in meinen Vortrag zu gehören.

      Thomas

      P.S.: Dein duftiges Sommerporträt „The Spirit of summer“ kommt am 31.01. zur Besprechung …

    • Marcus Leusch says:

      @ Rheinhard

      Vorausgesetzt man weiß, mit Blende, Belichtungszeit und Sensor-bzw. Filmempfindlichkeit umzugehen, gelingen wahrscheinlich mit diesem Basiswissen auch ohne tiefer gehende technische Überlegungen durchaus interessante Fotos, die sogar professionellen Blicken Stand halten. Tatsächlich sind einige Fotografen intuitiv/autodidaktisch zur Meisterschaft gelangt. Ich erinnere mal an die vor wenigen Jahren erst entdeckte Vivian Maier (Street Photography), die wahrscheinlich wenig über Verlaufskurven und Kontrastwerte zu sagen wusste und zu Lebzeiten ja auch kein einziges ihrer Bilder auf Fotopapier belichten ließ.

      
Ab einem bestimmten Punkt ist man hingegen heute (in Zeiten der digitalen Bildverarbeitung) dankbar für jeden Hinweis, der einen im fotografischen Alltag besser werden lässt. Das betrifft sowohl die Aufnahme selbst als auch die Entwicklung in der digitalen Dunkelkammer, denn beide gehören letztlich zusammen. In dieser Hinsicht bin ich für jeden nützlichen technischen Hinweis dankbar. Und diese Hinweise haben mir bislang immer auf die Sprünge geholfen.

      
Vergleichbar vielleicht mit einer Gedichtinterpretation, die einerseits von einem assoziativen (durchaus emotionalen) Teil getragen wird, andererseits aber in der Analyse der Tiefenstruktur deutlich machen kann, warum ein solches Sprachgebilde als Kunstwerk auch wirkt. Wer selbst einmal versucht hat, Gedichte zu schreiben, wird wissen, wovon ich spreche. 

…

      Beste Grüße
      Marcus

    • Marcus Leusch says:

      @ Rheinhard

      Vorausgesetzt man weiß, mit Blende, Belichtungszeit und Sensor-bzw. Filmempfindlichkeit umzugehen, gelingen wahrscheinlich mit diesem Basiswissen auch ohne tiefer gehende technische Überlegungen durchaus interessante Fotos, die sogar professionellen Blicken Stand halten. Tatsächlich sind einige Fotografen intuitiv/autodidaktisch zur Meisterschaft gelangt. Ich erinnere mal an die vor wenigen Jahren erst entdeckte Vivian Maier (Street Photography), die wahrscheinlich wenig über Verlaufskurven und Kontrastwerte zu sagen wusste und zu Lebzeiten ja auch kein einziges ihrer Bilder auf Fotopapier belichten ließ. 
Ab einem bestimmten Punkt ist man hingegen heute (in Zeiten der digitalen Bildverarbeitung) dankbar für jeden Hinweis, der einen im fotografischen Alltag besser werden lässt. Das betrifft sowohl die Aufnahme selbst als auch die Entwicklung in der digitalen Dunkelkammer, denn beide gehören letztlich zusammen. In dieser Hinsicht bin ich für jeden nützlichen technischen Hinweis dankbar. 


      Vergleichbar ist dies vielleicht mit einer Gedichtinterpretation, die einerseits von einem assoziativen Teil getragen wird, andererseits aber in der Analyse der Tiefenstruktur deutlich machen kann, warum und durch welche Mittel ein solches Sprachgebilde als Kunstwerk auch wirkt. Wer selbst einmal versucht hat, Gedichte zu schreiben, wird vielleicht wissen, wovon ich spreche. 

…

      Beste Grüße
      Marcus

  18. Marcus Leusch says:

    Für mich ein interessantes und ansprechendes Bild, auch wenn ich bei digitaler „Kunst“ eher zurückhaltend bin. Die Farbgebung und -Stimmung erinnert mich entfernt an Bilder des amerikanischen Malers Edward Hopper. Hier wie dort scheinen die gezeichneten Personen zunächst verbindungslos, wie eingefroren vereinzelt. Wahrscheinlich ergibt sich dieser zunächst statische Eindruck hier aus der stark entwirklichten Bildanmutung mit einem Detailverlust, der von der Bewegung einiges wieder zurücknimmt. Das Bild ist sozusagen merk-würdig entschleunigt. Bewegung ergibt sich für mich vielmehr aus der jeweiligen Haltung der Protagonisten, die eine Laufrichtung von den Rändern her auf ein nicht näher bestimmbares Ziel suggeriert, von dem man allerdings auch nicht sicher sein kann, ob sie sich in ihm treffen werden. Insofern bleibt die Mitte des Bildes leer. Es ist jenes Gravitationszentrum in dieser „Dreiecksbeziehung“, das mit den imaginären „Laufmustern“, von denen Dirk spricht, zu füllen wäre, die letztlich aber gar nicht eindeutig festgelegt werden können. – Ein Spiel mit Erwartungen und dem Möglichkeitssinn für das, was der Fall sein könnte. 


    Wenn ich mir den Bildtitel ansehe, der ja dem familientherapeutischen Umfeld entnommen scheint, kommen einem natürlich noch ganz andere Fragen – z. Bsp. in welchem Beziehungsmuster die abgebildeten Personen zueinander stehen, funktional oder dysfunktional (siehe bei wikipedia über „Familienaufstellung“) handeln könnte etc. … Aber das wäre jetzt schon das Kino im Kopf, wie Thomas sehr treffend anmerkt.

    
Dank an Dirk für diese sehr schöne Bildanregung und an Thomas vor allem für
 die erhellenden technischen Hinweise …

    
Marcus 


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