Leserfoto:
Gestaffelte Dynamik

Eine interessante Bewegungsstudie möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Emil Licht aus dem niedersächsischen Sassenburg hat uns das obige Bild unter dem Titel „MTA” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild entstand während unserer USA-Reise. Die New Yorker U-Bahn finde ich immer wieder spannend. Dieses mal habe ich mit niedrigen Kamerapositionen experimentiert. An diesem Bild gefällt mir die Bewegungsunschärfe von U-Bahn und Beinen und obwohl es auf wenige Elemente reduziert ist, ist es für mich immernoch eindeutig die New Yorker U-Bahn. Eigentlich fotografiere ich gerne in Schwarzweiß. Bei diesem Bild haben mich die roten Streifen von einer Umwandlung abgehalten.”

Zur Aufnahme wurde eine Nikon D7000 mit Zoomobjektiv (vermutlich dem Nikon AF-S DX Nikkor 16-85mm 1:3,5-5,6G ED VR) verwendet. Die Brennweite betrug 16 mm (entsprechend 24 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.5), die Belichtungsdaten waren 1/5 Sekunde bei Blende f/8.0 und ISO 200.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Bild vermittelt einen sehr dynamischen Eindruck. Alles scheint sich hier zu bewegen, zu zerfließen, allenfalls die angedeuteten Rillen der Bodenplatten und die überstrahlten Deckenlampen vermitteln noch einen halbwegs statischen Eindruck.

Links im Vordergrund fallen uns die Beine einer durch Bewegungsunschärfe schemenhaften Gestalt auf (rote Linien ebd.), welche sich weiter nach links und aus dem Bild herausbewegt (blaue Linien ebd.). Rechts im Hintergrund hingegen werden die sich ebenfalls in Bewegungsunschärfe auflösenden Strukturen der erwähnten U-Bahn sichtbar (gelbe Linien ebd.), deren Bewegungsrichtung ich spontan nach rechts hinten und somit gegenläufig zur Person auslas (sicher erkennbar ist dies aber nicht, siehe nochmals blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich linksgeneigt und zweigipflig. Entsprechend wirkt das Bild trotz mancher lichter Partien insgesamt recht düster. Es weist auch zahlreiche Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich auf, die hier aber als zulässiges Gestaltungsmittel zur Unterstreichung von Bewegung und Dramatik fungieren.

Farben:

Rötliche und bräunliche Farbtöne herrschen im Bild vor.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Es ist die ‚Visualisierung der Bewegung in mehreren Ebenen‘, die mich an Emils Arbeit besonders anspricht. Kompositorisch ist das Bild geschickt angelegt, denn die nach gestaltpsychologischer Maxime als ‚Figur‘ erkennbare Person und die als ‚Hintergrund‘ fungierende Bahn erlauben es dem Auge des Betrachters, in diesem ‚Chaos von Bewegung‘ noch eine gewisse Ordnung zu finden.

Und ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß die hochkontrastige Darstellung mit zahlreichen Tonwertabbrüchen, die bei vielen anderen Motiven als Fehlbelichtung anzusprechen wäre, hier ein zulässiges und wirksames Gestaltungsmittel zur Steigerung des dramatischen und dynamischen Eindrucks darstellt.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente und Blickführung

Tonwerte: Histogramm

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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