Leserfoto:
Eine lebendige und anrührende Straßenszene

Interessante Spannungsbögen im Sinne von ‚jung und alt‘, ‚männlich und weiblich‘ und ‚farbig und weiß‘ weist die heute vorgestellte Straßenfotografie auf.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Steffen Rothammel aus dem bayerischen Garmisch-Partenkirchen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Zusammen” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Aufgenommen in Vinales auf Kuba. Ich sah die beiden aufeinander zu laufen und musste schnell einen geeigneten Blickwinkel finden. In Kuba findet das Leben draussen statt. Das Kinderfahrrad sollte die Geschichte abrunden …”

Zu Ausrüstungsdetails und Aufnahmedaten liegen keine Informationen vor.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Übersichtlich wirkt die Szene auf den ersten Blick, und doch fallen hier sogleich einige interessante Spannungsbögen ins Auge.

Als Motivzentrum und Blickfang fungiert natürlich jenes sich so wohlwollend zugetane, betrachtende und umarmende Paar, zwei ältere Personen, ein weißer Mann und eine farbige Frau im linken Bilddrittel, gekontert von einem Kinderfahrrad im rechten Bilddrittel (rote Linien ebd.).

Zwischen diesen Spannungsbögen im Sinne von ‚jung und alt‘, ‚männlich und weiblich‘ und ‚farbig und weiß‘ schweift der Blick (blaue Linien ebd.).

Einige Horizontalen im unteren Bilddrittel strukturieren schließlich noch den Raum (gelbe Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Recht ausgewogen zeigt sich das Histogramm, etwas nach links verschoben, doch ohne nennenswerte Tonwertabbrüche im Schattenbereich.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Das Bild erlaubt dem Betrachter eine ganz unmittelbare und unverstellte Teilnahme an einer sehr freundschaftlichen Begegnung zweier älterer Personen. Insofern erschließt sich uns Steffens Kommentar, daß in Kuba das Leben auf der Straße stattfindet, ganz zwanglos.

Es ist eine gute, anrührende Arbeit.

Gewiß hat Steffen nach der Aufnahme die Einwilligung der Abgebildeten eingeholt – eine vorherige Einholung stört oft die Spontanität und Unverfälschtheit der Szene. Bei Steffen kommt noch hinzu, daß er dieses Bild auf seiner Homepage verkauft, so daß er mit einer Einwilligung juristisch auf der sicheren Seite wäre.

Er sollte aber seine mit einem Shop ausgestattete und insofern gewerbliche Homepage baldmöglichst mit einem vollgültigen Impressum versehen.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


2 Antworten
  1. fherb says:

    Hallo!

    Ich bin jetzt zwar über einen Monat zu spät mit dem Kommentar, aber ich sehe mir Thomas‘ Kritiken meist in größeren Abständen am Stück an.

    Die Bildkomposition, Farben, inhaltliche Spannungsbögen finde ich absolut toll. Ich habe aber beim Betrachten ein Problem: Die senkrechte Fuge links neben der Bildmitte ist schief. Nur dadurch fällt sie mir auf und „macht“ in meinen Augen auch das Bild etwas schief.

    Wenn das Bild etwas mehr Rand hätte (nach unten), könnte man es eine Winzigkeit im Uhrzeigersinn drehen, um den Effekt abzuschwächen. Leider würde hier der Beschnitt die Füße der Frau weiter angreifen.

    Ich denke, man kann diesen Punkt aber trotzdem aus der Welt schaffen, indem man die Fuge im Kontrast stark dämpft. Z.B. könnte man sie mit schmalem Pinselwerkzeug und 50% Deckung leicht „zustempeln“. Oder geometrisch sehr korrekt aufhellen. Sie sollte sichtbar bleiben, aber deutlich weniger auffallen, finde ich.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Danke für diesen Hinweis. Wie Du denke ich, daß durch die Korrektur jener Fuge das Bildgefüge in anderer Hinsicht ‚aus dem Lot‘ geriete. Doch stört mich die vorliegende Version auch nicht allzu sehr. Jene so akzentuierte Fugen dienen auch als eine Art Fachung bzw. Einrahmung der Bildhandlung (der Personen im linken, des Fahrrads im rechten Feld).

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