Schärfentiefe-Tutorial (3/4):
Abstand und Brennweite

Neben der Blende beeinflussen der Objektabstand und die Brennweite die Schärfentiefe.

Bild 5: 'Auseinandergezogene' Landschaftsaufnahme bei 32 mm kleinbildäquivalenter Brennweite (Quelle: eigenes Portfolio)

Bild 5: ‚Auseinandergezogene‘ Landschaftsaufnahme bei 32 mm kleinbildäquivalenter Brennweite (Quelle: eigenes Portfolio)

Dass  die Blende die Schärfentiefe beeinflusst, wissen wohl zumindest die Besitzer einer Spiegelreflexkamera. Vergleichsweise schon weniger verbreitet ist das Wissen um den Zusammenhang zwischen Brennweite und Schärfentiefe.Nun tendiert die kurze Brennweite bzw. das, was wir gemeinhin als Weitwinkligkeit (mäßige ~ bei kleinbildäquivalenter Brennweite unter 35 mm, starke ~ unter 24 mm) bezeichnen, bereits durch die Anordnung der Elemente zu einer vertieften Raumwirkung.

Die nahegelegenen Objekte werden vergrößert abgebildet und damit hervorgehoben, die entfernten Objekte dagegen verkleinert abgebildet und damit hintangestellt. Gleichsam bewirkt der weite Öffnungswinkel durch die Vielzahl und Auseinanderziehung der erfaßten Objekte einen ‚weiten Blick in den Raum‘ (siehe Bild 5).
Bild 6: 'Verdichtete' Landschaftsaufnahme bei 200 mm kleinbildäquivalenter Brennweite (Quelle: eigenes Portfolio)Auf der Gegenseite zeichnet sich die lange Brennweite bzw. die Charakteristik von Teleobjektiven (die sich noch zu Porträtobjektiven mit kleinbildäquivalenter Brennweite über 85 mm, Standardteleobjektiven über 135 mm und Superteleobjektiven über 200 mm gruppieren lassen) durch einen engen Blickwinkel aus.

Die ‚Verdichtung des Raums‘ und die geringen Größenunterschiede der abgebildeten Objekte führen zu einer eingeschränkten Raumwirkung (siehe Bild 6).

Darüber hinaus wird die durch Schärfentiefe entstehende Raumwirkung natürlich auch durch die optischen Gegebenheiten am Objektiv bestimmt, womit wir wieder beim Thema wären. Eine kurze Brennweite geht mit einer vergleichsweise hohen Schärfentiefe, eine lange Brennweite hingegen mit einer geringeren Schärfentiefe einher.

Auch hierzu wieder einige Zahlen: bei einem Objektabstand von 5 Meter und einer Blende f/11,0 erstreckt sich die Schärfentiefe bei einer kleinbildäquivalenter Brennweite von 200 mm über den schmalen Bereich von 4,81 bis 5,21 Meter, bei einer kleinbildäquivalenter Brennweite von 17 mm hingegen über den weiten Bereich von 75 Zentimeter bis Unendlich.

Abhängigkeit vom Objektabstand
Wie schon in den vorherigen Abschnitten möchte ich auch hier ein Rechenbeispiel geben, welches die Dimension dieser Abhängigkeiten aufzeigt: bei einer kleinbildäquivalenter Brennweite von 100 mm und einer Blende f/11,0 erstreckt sich die Schärfentiefe bei einem Objektabstand von 20 Zentimetern über den hauchdünnen Bereich von 19,93 bis 20,07 Zentimeter (1,4 Millimeter bei einem Abbildungsmaßstab von 1:1!), bei einem Objektabstand von 40 Metern hingegen über den weitläufigen Bereich von 17,27 Meter bis Unendlich.

Vergleichsweise am wenigsten verbreitet erscheint das Wissen um den Zusammenhang zwischen Objektabstand und Schärfentiefe, wiewohl gerade diese Abhängigkeit für die Makrofotografie von höchster Bedeutung ist (siehe Bild 7).

Bild 7: Minimalster Schärfebereich in der Makrofotografie bei Blende f/11,0 und 100 mm kleinbildäquivalenter Brennweite (Quelle: eigenes Portfolio)Kennzeichnend für dieses geringe technische Verständnis ist ein Kommentar, der zu einer meiner Bildbesprechungen bei Spiegel Online abgegeben wurde: „… wenn ich ein Makro Bild machen, möchte dann fotografiere ich bewusst eher mit einer offenen Blende es muss nicht die maximal Blende sein 3-4 hätten es auch getan aber mein Ding wäre eher gewesen näher dran damit man die Ameise besser sehen kann …”

2 Antworten

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] Zu Letzterem ist plausibel, daß er sich (über eine geringere Schärfentiefe und ein weicheres Bokeh) eine bessere Freistellung vom Hintergrund gewünscht hätte. Dies hätte den bereits vorhandenen atmosphärischen Qualitäten des Bildes gewiß noch Auftrieb gegeben. Andererseits war er sehr weit weg vom Protagonisten, wie wir an der faktischen Brennweite von 420 mm erkennen. Ein solches Heranzoomen führt immer zu einem ‚Verkürzungs- und Verdichtungseffekt des Entfernten‘ – weiteres hierzu bei Interesse in meinem Tutorial ‚Schärfentiefe‘, insbesondere die Abschnitte 4 und 5. […]

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