Leserfoto:
Eine ‚Aufklappsicht auf die Realität‘

In der heutigen Bildbesprechung wollen wir eine interessante Sicht auf die Realität und das Für und Wider des Color-Key-Effekts diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Dominik Haitz aus Karlsruhe hat uns das obige Bild unter dem Titel „Neumarkt Dresden” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild zeigt den Platz vor der Frauenkirche in Dresden, spontan aufgenommen von der Aussichtsplattform im Kirchturm. Das Bild wurde entsättigt, mit Ausnahme des knallroten ‚Rund-Fahrrades‘ um dieses als Blickfang hervorzuheben. Erkennbar an den langen Schatten wurde das Bild zu einer späten Tageszeit aufgenommen. Von allen Fotos die bei dem Besuch der Frauenkirche entstanden sind gefällt mir dieses am besten, obwohl es die Kirche gar nicht zeigt.”

Zur Aufnahme wurde eine APS-C Kamera Canon EOS 1000D mit Kitobjektiv Canon EF-S 18-55mm f/3.5-5.6 II verwendet. Die Brennweite betrug 55 mm (entsprechend Zahl 88 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/100 Sekunde bei Blende f/8.0 und ISO 200.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Im Gegensatz zu Dominik stach mir besagtes ‚Color-Key-Fahrrad‘ nicht als Allererstes ins Auge – ein Betrachter sieht ein Bild oft anders wie der Fotograf …

Als Motivschwerpunkt und Blickfang fungieren nach meinem Dafürhalten vielmehr die tangential angeschnittene Statue und das etwa in der Mitte postierte Paar (blaue Linien ebd.). Um Letzteres herum gruppieren sich weitere, stehende und sitzende Passanten und eben die zwei Fahrräder links und rechts der Statue (rote Linien ebd.).

Diese Personen und Gegenstände lassen sich mit gedachten Linien zu einem Kreis zusammenfassen (gelbe Linien ebd.) der das Bildgeschehen bestimmt.

Der Raum wird schließlich noch durch einige fallende Diagonalen strukturiert und ‚geerdet‘ (grüne Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm ist sehr ausgeglichen und mittig, es weist nur geringe Tonwertabbrüche im Schatten- und Lichterbereich auf.

Farben (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das ‚rote Fahrrad‘ wurde bereits erwähnt, der Rest des Bildes ist monochrom.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Dominiks Bildidee und -anlage finde ich im Sinne einer ‚Aufklappsicht auf die Realität‘ sehr ansprechend.

Er hat zudem den ‚entscheidenden Augenblick‘, als sich Passanten und Gegenstände rund um das zentrale Paar gruppierten, sehr gut abgepaßt. Somit beruht die ‚zentrale Bildgeschichte‘ aus meiner Sicht auf dem stillen Dialog zwischen der Statue und dem mittig platzierten Paar.

Der Color-Key-Effekt eines randständigen Bildelements lenkt davon ab und erscheint mir persönlich kontraproduktiv, zumindest verzichtbar.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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