Leserfoto:
Dramatisches Idyll

Bearbeitungsaspekte der monochromen Landschaftsfotografie wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

***

Unser Leser Oliver Bedford aus dem hessischen Ober-Ramstadt hat uns das obige Bild unter dem Titel „Zahn der Zeit” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Blick vom Bergfried der Burg Are (Altenahr) ins Ahrtal. Aufgenommen bei einer Wanderung auf dem Rotweinwanderweg an einem sonnigen Oktobertag – ausnahmsweise ohne Menschenmassen im Bild. Aufgenommen mit einer Canon Powershot G12 in RAW, Details siehe EXIF-Daten. Entwickelt mit Darktable unter Linux: Tonwerte angepasst, lokale Kontraste erhöht, in Monochrom gewandelt, desweiteren gedreht und beschnitten. Im GIMP noch einen ‚Objektivfehle‘ bearbeitet und nachgeschärft.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon PowerShot G12 mit eingebautem Zoomobjektiv 6.1-30.5 mm verwendet. Die Brennweite betrug 12.1 mm (entsprechend gut 50 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 4.2), die Belichtungsdaten waren 1/100 Sekunde bei Blende f/6.3 und ISO 400.

***

Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Sehr gefällig präsentiert sich das Bild mit einem weit unten platzieren Besucherpaar auf einer Bank (rote Linien ebd.) und vor einem Geländer (blaue Linien ebd.), hinter welchem der Abfall in das Tal zu erahnen ist.

Eingerahmt wird diese beschauliche Szene vom Rest des Bergfrieds auf der linken, einem Baumprofil auf der rechten und einigem Gebüsch auf der unteren Seite (gelbe Linien ebd.).

Im schönen Wechsel führen dann die Kaskaden der Hügelketten nach hinten in den Raum (grüne Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Belichtung ist ausgewogen, Tonwertabbrüche liegen nicht vor.

Im Gesamteindruck wirkt das Bild etwas flau, die eindrucksvolle Naturszene könnte noch etwas mehr Dynamik vertragen – insbesondere der in Zone II gelegte Abfall ins Tal (siehe 1) und der unerklärlich dunkel gehaltene, rechte obere Bildrand bei diesiger Hügelkette (siehe 2) verdiente nach meinem Geschmack noch eine lokale Nachbearbeitung.

***

Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Olivers Arbeit besticht durch eine sehr gelungene Bildanlage und Komposition (wie man sieht, geht das auch mit einfacher Ausrüstung), in der Tonalität und Dramatik könnte meines Erachtens aber noch mehr herausgeholt werden.

Ich habe in der untenstehenden Überarbeitung einmal skizziert, in welche Richtung das gehen könnte (für eine saubere Ausarbeitung bräuchte es das unverkleinerte und nicht komprimierte Ausgangsbild).

Das letzte Bild (siehe dazu ‚Überarbeitung: Abwedeln und Nachbelichten‘) zeigt die aufgehellten und abgedunkelten Bereiche.

***

Bildteil:

Komposition

Tonwerte

Überarbeitung

Überarbeitung: Abwedeln und Nachbelichten

***

Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


***

In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


12 Antworten
  1. Sylvest says:

    kleine anregung, wäre es möglich bei bildern die ihr „überarbeitet“ das überarbeitet und das original nebeneinander darzustellen.
    man hätte dann den direkten vergleich ohne immer wieder nach oben zu scrollen zu müssen.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      So etwas hielte ich auch für sinnvoll – also etwas wie die „Lightbox“, die ich auf meiner eigenen Fotografie-Homepage nutze und die die Bilder auf Klick aufpoppen läßt … ich kann die Frage auch an die Technik weitergeben, bin aber hinsichtlich der Möglichkeiten des WordPress-Systems, mit dem wir hier arbeiten, wenig zuversichtlich …

      Für das ernsthafte Vergleichen und Durcharbeiten bliebe bis dahin der pragmatische Weg, die verschiedenen Bilder in das eigene Bildbearbeitungsprogramm zu kopieren bzw. importieren (es gibt ein nettes Firefox-Plugin für Phostoshop) und dort dann gegenüberzustellen und durchzuarbeiten.

  2. Oliver Bedford says:

    Hallo zusammen,

    erstmal vielen Dank für Besprechung meines Bildes.

    Das Bild ist für mich persönlich erstmal wegen eines gewissen
    (subjektiven) symbolischen Inhalts interessant bzw. wegen
    Assoziationen, die irgendwo zwischen unaufhaltsamem Voranschreiten der
    Zeit, nicht zu verhindernde Erosion, Alter, Lebensabend, … angesiedelt
    sind.

    Zu den technischen Punkten in der Rezension von Thomas: der
    „unerklärlich dunkel gehaltene, rechte obere Bildrand bei diesiger
    Hügelkette“ ist schnell aufgeklärt: er ist auf ein künstliche
    Vignettierung bei der RAW-Entwicklung zurückzuführen. Ich hatte daran
    beim Einreichen nicht mehr gedacht, und ich gebe Thomas nach seinen
    Ausführungen insofern recht, als sie zumindest diskussionswürdig
    ist. Beweggrund war der für mich zu helle Himmel, der vom eigentlichen
    Thema ablenkt. Man kann das auch unten in den Büschen sehen.

    Technisch hätte ich mir mehr Durchzeichnung/Kontrast in den Lichtern
    gewünscht, aber bei der Gegenlichtsituation konnte ich das nicht anders
    realisieren. Fraglich für mich ist, ob mehr Detailschärfe im Bereich
    des gegenüberliegende Waldes dem Bild mehr geschadet oder genützt
    hätte.

    Was die Kontrasterhöhung angeht, so habe ich bereits bei der Entwicklung
    in diese Richtung gearbeitet (also Tonwertkurve und „Lokalen Kontrast“
    entsprechend angepasst). Vielleicht hätte das Bild noch ein wenig mehr
    davon vertragen können.

    Viele Grüße,
    Oliver

    Antworten
  3. fherb says:

    Vignettierung

    Eine Frage trotzdem: Ich selbst achte immer streng darauf, Vignettierungen des Objektives aus dem Bild zu rechnen. (Es gibt sicher gestalterische Ausnahmen, wo man das sogar extra einbaut.)

    Warum sollte man das bei diesem Bild nicht korrigieren? Oder hast Du nur nicht darauf geachtet?

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Doch, die Vignettierung fiel mir schon auf. Ich bin diesbezüglich bei der Schwarzweißfotografie sehr duldsam … und verwende diese auch bei meinen eigenen Arbeiten oft, um die Blickführung etwas zu lenken. Es sollte halt nicht so übertrieben sein, daß der Betrachter in einen Tunnel hineinschaut (obwohl dies gerade den Reiz von Aufnahmen mit der Holga ausmacht) …

  4. fherb says:

    Ich muss sagen, ich bin bei diesem Bild richtig erstaunt, wie die zwei (bezüglich des Bildausschnitts) winzigen Menschen auf der ebenso winzigen Bank derart vom Auge und dem Kopf virtuell fokussiert werden („und es hat zooom gemacht“), dass sich dieser schöne bildliche Ergebniseffekt ergibt.

    Es stimmt: Ich habe auch zuerst an eine Infrarotfotografie gedacht. Oder zumindest ein kräftiger Rotfilter. Und die Natur ist selten optimal. Abwedeln, nachbelichten, selektiv den Kontrast bearbeiten… All das verbessert das Bild weiter.

    Aber gedenken wir auch jenen Fotografen, die das Abbild auf dem Negativ schonungslos auf Papier brachten. Ohne irgendwelche Korrekturen. Manchem war das seine eigene Philosophie (warum auch immer). Und ich finde das Original schon recht gut gelungen. Die von Thomas vorgeschlagenen Verbesserungen sind gut. Aber ohne das schon recht gut gelungene Original wäre jede Verbesserung machtlos.

    An so einem Bild kann man sich unendlich mit kleinsten Verbesserungen aufhalten. Aber sagen wir mal so: Wäre es nicht ohne Nachbearbeitung schon große Klasse, wäre die Nachbearbeitung macht- und sinnlos. Danke, Thomas, dass Du immer wieder so interessante Bilder raus suchst!

    Antworten
    • Oliver Bedford says:

      Hallo,

      ich habe gerade nochmal nachgeschaut und beim Wandeln in S/W keinen selektiten Farbfilter gesetzt. Der Infraroteindruck kommt wahrscheinlich in erster Linie von den ausgefressenen Lichtern (Gegenlicht, Dunst, die G12 neigt IMHO etwas dazu) und dem hellen Baum am rechten Rand. Der war aber wirklich so hell (leuchtendes gelb-grün direkt von der Sonne beschienen).

      Die wenigen echten Infrarotbilder, die ich mir der G12 gemacht habe, sahen alle deutlich künstlicher aus.

      Gruß,
      Oliver

  5. Erica di Motta says:

    Mir gefällt hier die Darstellung de Relation zwischen den auf de Bank sitzenden Menschen und des Objektes der Ruine.
    Soweit ich erkenne, war der Fokus auf den Menschen; dem Gemäuer fehlt es an Schärfe, aber in Photoshop kein Problem.
    Gut wäre in jedem Fall als Vorschlag: zwei Fotos zu machen, eines fokussiert, eines als Weitwinkel;
    Das Thema, finde ich getroffen!
    Allzeit gut Licht!

    Antworten
  6. dWL says:

    Eine sehr schöne Szene, die sehr gut komponiert ist. Insofern stimme ich der Kritik zu.
    ABER:

    Auch im Zeitalter der HDR-Fotografie ist es tödlich, extreme Kontraste gewissermaßen auf Biegen und Brechen in den mittleren Graubereich hineinzuzwingen.

    Es ist der Moment, wo erst vor kurzem die Morgensonne über den Scheitel der Talseiten kommt oder sie kurz or dem Untergehen ist.

    Dabei ist der betrachtete Abhang in tiefem SCHATTEN, eben so wie am oberen rechten Rand, der wohl unbeareitet blieb und daher als „Referenz“ dienen kann.

    Das eher viel zu brutale Aufhellen der Verschatteten Bereiche lässt das Bild auf eine unangenehme Art völlig unnatürlich wirken, weil es der Wirklichkeit menschlichen Sehens widerspricht.

    Fast hat man den Eindruck, es handele sich um eine Infrarotaufnahme.

    Die vorgeschlagene Nachbearbeitung sieht schon viel, viel natûrlicher aus und lässt die schöne Komposition bereits besser wirken.

    Jedoch wird dabei der obere Teil des gegenüberliegenden Hangs unverständlicherweise ausgespart. Dieser müsste jedoch EBENFALLS weitestgehend stark verschattet aein, wenn man den stremnfachen Winkel er Schatten der Personen auf der Bank als Referenz nimmt.

    Insofern ist für mich deutlich mehr an kontraproduktivem Aufhellen rückgängig zu machen.

    Anselm Adams bspw. zeigt, dass der Mut zu tiefen, aber noch strukturierten Schwärzen der richtige Weg ist.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Deine Argumente zum entfernten Hang sind hinsichtlich der ‚Belichtungslogik‘ schlüssig, doch meine ich persönlich, daß dann die Dramatik, die sich ja auf die beiden Personen (als Maßstab des Naturgeschehens) und die dunkle Schlucht bezieht, dann wieder etwas ausgehebelt würde.

      Möchtest Du das Bild am entfernten Hang vielleicht einmal in Deinem Sinn nachbelichten, damit wir vergleichen können? Es könnte interessant sein, dramaturgische und belichtungstechnische Aspekte hier miteinander abzuwägen.

    • Oliver Bedford says:

      Hallo,

      tjaaaa, leider ist deine Vermutung brutal falsch.

      Ich habe mitnichten Schatten aufgehellt, sondern im Gegenteil die Schatten abgesenkt.

      Der rechte obere Rand hingegen ist alles andere als unberarbeitet (s. meine Antwort an Thomas Brotzler).

      Und jetzt werde ich mal frech: vielleicht halte ich ja nicht viel von Adams, sondern bin eher ein Fan von Atget?

      Gruß,
      Oliver

    • DWL says:

      @Oliver Bedford

      Môglicherweise hast Du meine Kritik etwas selektiv gelesen?

      Adams sollte lediglich als BEISPIEL dafür dienen, dass die Ausnutzung des vollen Kontrastumfangs in vielen (nicht allen) Situationen positive Wirkungen haben kann.
      Das hat NICHTS mit „Fan sein“ zu tun oder sklavischer Verehrung seines Zonensystems, sondern mit unterschiedlichen Herangehensweisen an die Gestaltung solcher Fotos wie diesem.

      Da ich nicht dabei war, muss ich logischerweise Vermutungen hinsichtlich des ursprünglichen Kontrastes anstellen, ich bin kein Hellseher, habe jedoch eine längere Erfahrung in der Fotografie und leite daraus meine Rückschlüsse ab (Fehler möglich).

      Dass ich die Inszenierung als solche sehr gut finde, schrieb ich bereits.

      Wenn man ein Foto zur Diskussion stellt, so muss man logischerweise davon ausgehen, dass Betrachter schreiben, was sie bei der Betrachtung empfinden, hinsichtlich technischer Aspekte vermuten, ob und wie sie eine andere Präsentation besser fänden ( das nennt sich konstruktive Kritik) …

      Eine eingehendere schriftliche Kritik kostet Zeit – das Investien von Zeit seitens eines Kritikers könnte man durchaus als Empfänger einer Kritik würdigen.

      Wer Kritik als Angriff empfindet und dann im sprachlichen Kontext auf „Verteidigungsmodus“ umschaltet, ist als Empfänger einer Kritik für mich eine „zeitliche Fehlinvestition“ , da es mir um sachorientierte Kommunikation geht.

      Insofern erspare ich Dir zukünftig meine Kommentare.

      Entspannte Grüsse

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *