Leserfoto:
Über den tagtäglichen Schrecken …

Was soll ich heute schreiben? Schaut selbst …

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (1 Bild)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Mario Wagner aus dem rheinland-pfälzischen Trierweiler hat uns das obige Bild unter dem Titel „me” in der Kategorie ‚Portrait‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Ich wollte meine relativ alten Avatare im Internet erneuern und herausgekommen ist dieses Selbstportrait. Ich habe mein iPhone 5 verwendet, da der Verwendungszweck keine hohe Auflösung voraussetzt und Selbstportraits mit dem iPhone am besten gehen.”

Über die Ausrüstung hatte Mario bereits berichtet. Die Brennweite betrug 4,1 mm (entsprechend 33 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von gut 8), die Belichtungsdaten waren 1/609 Sekunde bei Blende f/2.4 und ISO 50. Das in 2448 mal 3264 Pixel eingereichte Bild wurde zwecks Darstellung auf normalen Monitoren auf 750 mal 1000 Pixel verkleinert.

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Marios gewerbliche Homepage weist ihn als Mediendesigner aus und enthält einige ordentliche Fotografien. Insofern fragte ich mich, ob diese Einreichung eher als ’satirische Verdichtung des gruseligen Laienporträts‘ gedacht war.

Betrachten wir in diesem Sinn die ‚klassischen Problembereiche‘ (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) …

1. ‚Der Haltearm‘: Unverzichtbar in der Laienfotografie, besonders beim Selbstporträt. Dem Betrachter erschließt sich so unmittelbar, daß der Fotograf wirklich etwas gearbeitet hat.

2. ‚Die frontale Mittigkeit‘: Die einzig denkbare Darstellungsweise im Laienporträt, alles andere würde nur manieriert (künstlerisch) wirken und die Erkennbarkeit auf Facebook- und Fahndungsbildern erschweren.

3. ‚Der Heiligenschein‘: In Zeiten ‚digital verschärfter Eigendarstellung‘ wird uns niemand eine dezente Selbstüberhöhung verübeln. Die anderen machen es ja auch so.

4. ‚Der Geweihbereich‘: Es ist einerlei, ob dem Hirn nun Pflanzen oder Geländerstrukturen entwachsen. Hauptsache, da ist etwas, man möchte ja etwas vorzeigen können.

5. ‚Das Dekor‘: Blumenkübel oder Vergleichbares am Bildrand sind ebenfalls ein unverzichtbarer Bestandteil des Laienporträts. Es symbolisiert weitläufiges Interesse am Weltengeschehen.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Ich bin mir wie gesagt nicht ganz sicher, ob es sich hierbei um eine satirisch oder ernsthaft gemeinte Einreichung handelte …

Sofern Ersteres, können wir bei dieser Gelegenheit ‚gemeinsam Spaß‘ haben; sofern Letzteres, wollte ich Mario nicht zu nahetreten oder ihn gar bloßstellen. Ich halte ihn durchaus für befähigt, ansprechende Porträtaufnahmen zu erstellen.

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Bildteil:

Problembereiche

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


3 Antworten
  1. Oliver Bedford says:

    Hallo Thomas!

    Hervorragende, überaus lesenswerte Kritik!

    Und auch lehrreich, Punkt 3 habe ich bisher bei meinen Selfies sträflich vernachlässigt. Kommt nicht wieder vor. ;-)

    Gruß,
    Oliver

    Antworten
  2. Mario says:

    Hallo Thomas,

    ganz so technisch hatte und wollte ich das Bild eigentlich nicht betrachten … ja, wie komme ich da jetzt wieder raus?!

    Egal, Du hast alles dazu gesagt … ich fühle mich nicht beleidigt. Ist dann doch keine Kunst.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „ganz so technisch hatte und wollte ich das Bild eigentlich nicht betrachten

      Da verfasse ich ’nach Monaten einmal‘ eine Bildanalyse ohne (manchen ermüdende) Aufzählung von Kompositionselementen und Tonwertzonen, und dann ist es immer noch zu technisch :o) …

      Zitat: „wie komme ich da jetzt wieder raus?!

      Indem Du mir und Dir verdeutlichst, warum Du die Dir gewiß geläufigen ‚Prinzipien guter Porträtfotografie‘ (leicht changierender, ansonsten motivneutraler Hintergrund, Zwei- bis Dreipunktbeleuchtung) hier außen vor gelassen hast?

      In meiner eigenen Porträtarbeit mache ich ja auch nicht unterschiedliche Versionen für großes Print- und kleines Avatarformat. Was für Ersteres geht, geht dann für Letzteres schon zweimal …

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