Leserfoto:
Ein Lichter- und Farbenmeer

Ein gelungenes Beispiel für Waldfotografie mit einem ‚kompositorischen I-Tüpfelchen‘ möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Jens von Ewald aus dem nordrhein-westfälischen Emmerich hat uns obiges Bild unter dem Titel „Allee” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Bild entstand an einem nebligen Spätsommermorgen. Das Licht war einmalig, so dass ich spontan aus dem Auto gestiegen bin und die Kamera gezückt habe. Der erste Gedanke war, ein vorbeikommendes Auto mit in die Komposition aufzunehmen, aber für mein Gefühl zerstörte das den ruhigen Effekt. Es ist fast kitschig, auf jeden Fall ‚objektlos‘ … würde ein Objekt (Fahrrad, Spaziergänger) das Bild verbessern? Lieben Gruß vom Niederrhein – Jens”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 1100D mit Zoomobjektiv (vermutlich Tamron 80-210mm/4,5-5,6) verwendet. Die Brennweite betrug 210 mm (entsprechend 336 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/400 Sekunde bei Blende f/6.3 und ISO 1000.

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Fragen – wie die hier von Jens aufgeworfene – sind mir immer willkommen, da ich dann gezielt darauf eingehen kann. Doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Ein Meer von Licht und Farben empfängt des Betrachter.

Mehrere Stafetten bzw. Fluchtlinien führen von links unten nach rechts oben durch diesen Raum und vertiefen ihn – da sind zum einen die Randstreifen auf beiden Seiten (gelbe Linien ebd.), dann die Reihe der Leitpfosten und Verkehrsschilder (rote Linien ebd.), sodann noch die kaskadierten Baumstämme mit dem Unterrand des Blätterdachs (blaue Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich etwas linksschief, nennenswerte Tonwertabbrüche zeigen sich nach der summarischen Umrechnung in Graustufen nicht.

Farben:

Der Vordergrund ist beherrscht von Blau- und Grüntönen, der Hintergrund von Rot- und Gelbtönen.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die im Wald oft schwierige Belichtungssituation hat Jens hier sehr gut gemeistert. Das Blätterdach schützte hier vor der so typischen Überbelichtung der Baumzwischenräume.

Ebenfalls sehr gefällig ist die Farbgebung und – damit komme ich nun auf Jens‘ Frage zurück – die kompositorische Anlage mit jener Wegführung von links unten nach rechts oben.

Jenes ‚Gefahrschild Kurve rechts nach StVO, Verkehrszeichen 103-20‘ (wie es im Amtsschimmeldeutsch so schön heißt) ist der Clou des Bildes, es läßt uns den weiteren, von der Betrachterposition schon nicht mehr sichtbaren Weg erahnen. Mehr braucht es nicht für ein wirksames Bild, alles weitere wäre auch aus meiner Sicht überzählig …

Man könnte das Bild je nach Geschmack noch etwas verdichten (siehe dazu untenstehendes Bild ‚Überarbeitung‘), doch dies würde zugleich den Tiefeneindruck mindern.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

Überarbeitung: Beschnittvorschlag

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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4 Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Vielen Dank für diesen Hinweis. Man lernt nie aus und ich werde meine Nomenklatur künftig anpassen.

    • Thomas Brotzler says:

      Hallo Horst,

      woran würdest Du ‚das Rechtsschiefe des Histogramms‘ festmachen? Ich selbst betrachte die Gesamtfigur der Tonwerte mit Spitzen- und Massenverteilung, die sich hier eindeutig auf den Bereich links von der Mitte konzentriert. Dies entspricht ja auch dem Blick auf das Bild, bei dem die dunklen Bereiche überwiegen.

      Auch wichtig, vielleicht entscheidend ist, daß die Tonwerte hier gut in das Histogramm integriert sind, also keine Tonwertabbrüche im Sinne zugelaufener Schatten und ausbrennender Lichter vorliegen. Daraus läßt sich das Gesamturteil einer etwas dunklen, aber noch ausgewogenen Belichtung formulieren.

      Thomas

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