Leserfoto:
Verschenktes Potential

Einige Problembereiche der ‚raschen Urlaubsfotografie‘ wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Dietmar Henne aus dem niedersächsischen Dassel hat uns das obige Bild unter dem Titel „Christusstatue auf dem Corrcovado” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „aufgenommen im Nebel”

Zur Aufnahme wurde eine Canon PowerShot SX260 HS mit eingebautem Zoomobjektiv 4.5-90.0 mm verwendet. Die Brennweite betrug 90 mm, entsprechend etwa 506 mm Kleinbildäquivalent (!) bei einem Formatfaktor von 5.62), die Belichtungsdaten waren 1/100 Sekunde bei Blende f/6.8 und ISO 800. Das in 4000 mal 3000 Pixel eingereichte Bild wurde zwecks Darstellbarkeit auf normalen Monitoren auf 1000 mal 750 Pixel verkleinert.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Zentraler Blickfang ist der eingeblendete Datumsstempel (rote Linien ebd.).

Vergleichsweise ins Hintertreffen geraten demgegenüber der sich am unteren Bildrand andeutende Vorgipfel mit einigen kreisenden Vögeln und die sich schemenhaft andeutende Christusstatue am obenen Bildrand (gelbe Linien ebd.). Beide letztgenannte Elemente (Vorgipfel und Statue) gruppieren sich zudem auf einer senkrechten Linien und lassen so keinen Spannungsbogen erkennen.

Der Blick wird zum besagten Datumsstempel rechts unten gezogen (blaue Linien ebd.)

Struktur:

Alle erwähnten Bildelemente mit Ausnahme des Datumsstempels fallen in Unschärfe. Dies ist kein Verschleierungseffekt durch den Nebel, sondern ein Verwacklungsartefakt. Bei der rechnerischen Brennweite von über 500 hätte sich eine sichere Belichtungszeit auf 1/1000 Sekunde beschränken müssen.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Verwacklungsunschärfe, der eingeblendete Datumsstempel und die statische Anordnung der Bildelemente ruinieren diese eigentlich interessante und vielversprechende Szene.

Die nachfolgende Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) mag aufzeigen, was sein hätte können, wenn die Elemente schräg angeordnet und über die so entstehenden Diagonale in einen Dialog getreten wären.

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Bildteil:

Komposition

Überarbeitung

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Wolfgang Hauser says:

    Die Tonwerte sind auch noch sehr verbesserungsbedürftig. Kontrast hoch, Weißabgleich wärmer, Farbsättigung höher. Beim Herumspielen in Lightroom habe ich außerdem die „Klarheit“ (Lokalkontraste) und mittels Gradationskurve den Kontrast in den Lichtern erhöht.

    Ich besitze zufällig die gleiche Kamera, die liefert definitiv keine Top-Bildqualität – ist halt das, was man von einem günstigen kleines Superzoom-Modell erwarten kann. Es lohnt sich deshalb öfter, die Bilder ähnlich wie beschrieben noch nachzuarbeiten. Teure Software braucht man dafür nicht, das geht alles auch mit dem kostenlosen Gimp.

    Antworten

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