Leserfoto:
Wellendramatik

Eine kompositorisch und dramatisch ansprechende Arbeit mit einigen tonalen Fallstricken wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Peter Wagner aus Frankfurt hat uns das obige Bild unter dem Titel „Von der Welle überrascht” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Wir hatten einen herrlichen Tag am Strand von Zarautz, in der Nähe von San Sebastian verbracht. Durch die Flut war die Luft sehr feucht und die Sonne verschwand hinter den Hügeln. Während ich dieses diffuse Licht einfangen wollte, kam dieses spontane Foto zustande. Die Flutwellen schwappten gegen die Mauer der Strandpromenade während ich die Treppe herunterkam und aufpasste, dass die Kamera nicht nass wurde. Plötzlich kam der Junge aus dem Gang links der Treppe heraus gerannt und gleichzeitig eine Welle, die wohl etwas größer war als er erwartet hatte und ihn erschreckte. Über Eure Kritik würde ich mich freuen. Beste Grüße, Peter Hier noch die EXIF Daten, falls sie nicht im Bild eingebettet sind: ISO 200 f/5,6 14 mm 1/80 sec”

Zu ergänzen wäre noch, daß zur Aufnahme die Systemkamera Fujifilm X-Pro1 mit dem Festbrennweitenobjektiv XF 14mm F2.8 R (zwei ’schöne Teile‘, aber nicht ganz billig) verwendet wurde. Die Brennweite betrug 21 mm im Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.5.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Bild zeigt eine hochdramatische Szene. Ein kleiner Junge, spannungsvoll ins Drittel von links und unten gesetzt (rote Linien ebd.), reißt seine Arme schützend vor der mächtig und mittig platzierten, gerade über die Uferbefestigung tretenden Welle (gelbe Linien ebd.) hoch.

Die Szene wird von diagonal hinführenden Linien und einigen Senkrechten umrahmt (blaue Linien ebd.). Einige Hintergrundstrukturen wie die Uferlinie mit einigen Häusern und die obere Baumgrenze vervollständigen das Bild (grüne Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die Szene ist extrem kontrastreich, nur mit Mühe und einigen Tonwertabbrüchen im Schatten- und Lichterbereich kann der an sich sehr gute Kamerasensor die Dynamik dieser Belichtungssituation umfassen. Das Histogramm zeigt sich entsprechend zweigipflig bei einem Median von gut 80.

Farben:

Gelbliche und gräulich-blaue Farbtöne bestimmen das Bild.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Ich möchte die gelungene Komposition und Dramatik von Peters Arbeit hervorheben, aber auch auf die Problematik der Tonalität verweisen. Die Schatten sind im Ausgangsbild sehr weit geschlossen, die Zonen 0 bis II ‚verkleben‘ richtiggehend.

Da die entsprechenden Bildinformationen ja noch in der Aufnahme vorhanden sind, habe ich in der Überarbeitung mittels des Instruments ‚Tiefen/Lichter‘ die Schatten um 15% geöffnet und den Mitteltonkontrast um 10 Einheiten angehoben. Nach meinem Dafürhalten leuchtet das Bild so viel mehr und kommen die Schattenpartien wesentlich besser zur Geltung.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

Überarbeitung: Tiefen/Lichter

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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3 Antworten
  1. Erica di Motta says:

    Guten Tag, ja sw ist eine gute Idee:
    Im Original die Bergseite im Schatten war verbesserungsnotwendig: Es hilft schon bei der Kamera wie bei Gegenlichtaufnahmen einen Blitz zu benutzen, er wirkt insgesamt auf das Bild und dadurch auch auf den Hintergrund; ein schönes Motiv, jedoch mehr ein Schnappschuss, der motivmässig auch gelungen ist., Gratulation!

    Antworten
  2. Marcus Leusch says:

    Ein für mich ein sehr ansprechendes Bild was Komposition und situative Umsetzung anbelangt. Der Hinweis auf die zugelaufenen Schattenpartien zeigt vielleicht noch einmal, wie schwierig die Belichtungsspielräume in der digitalen Fotografie (Kameraeigene Software etc.) sein können und was sich mit entsprechender Bildbearbeitung aus einem solchen Foto noch herausholen lässt – aber bei diesem Thema (Belichtung, analog/digital) bin ich schon auf den Fortgang und einige wahrscheinlich für mich verwertbare Erkenntnisse Deines Tutorials, Thomas, schon sehr gespannt. Zumindest stelle ich hier noch Defizite bei eigenem Bemühen fest, wo sich Anspruch und Grenzen des technisch Machbaren immer wieder aneinander reiben.
    Mir persönlich würde diese Aufnahme übrigens in einer entsprechenden SW-Umsetzung noch viel eher zusagen, auch wenn mich das außergewöhnliche Farbmanagement der „X“-Kameras von Fuji oft in Erstaunen versetzt (vor allem bei Hauttönen in Portraitaufnahmen).

    LG
    Marcus

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Zitat: „Mir persönlich würde diese Aufnahme übrigens in einer entsprechenden SW-Umsetzung noch viel eher zusagen

      Eine ‚Idee von Schwarzweiß‘ vermitteln ja schon jene schlichten Graustufenumwandlungen, die ich für meine Kompositions- und Tonwertskizzen gerne verwende.

      Ich bin mir bei diesem Bild nicht so sicher, ob ein Schwarzweißbild (auch unter Ausschöpfung der Farbkanäle) gleichsam wirken könnte, denn der Kalt-Warm-Kontrast und jene ‚gelb-orange Lichtdusche‘ von oben bringen schon enorme atmosphärische Qualitäten mit sich …

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