Leserfoto:
Eine Allegorie von Leben und Tod

Eine sehr interessante und geheimnisvolle Arbeit möchte ich Euch in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (3 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Dominik Haitz aus Karlsruhe hat uns das obige Bild unter dem Titel „Düsterberg” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Das Bild entstand im März diesen Jahres (Anmerkung: 2013) in der Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe. Obwohl jahreszeitlich fast Frühling, verbreiten die blattlosen Bäume und die Sonne, die kaum durch die dicke Wolkendecke durchzuscheinen vermag, eine eher herbstliche Stimmung. Dies habe ich durch Entsättigen, Schärfen und Verstärken des Kontrasts noch hervorzuheben versucht. Die weißen Punkte im Gras empfinde ich jetzt beim Ansehen als störend, auch wenn diese zusammen mit den hellen Stellen vielleicht eine zusätzliche Textur und Raumtiefe erzeugen.”

Zur Aufnahme wurde eine Canon EOS 1000D, vermutlich mit Kitobjektiv verwendet. Die Brennweite betrug 18 mm (entsprechend knapp 30 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.6), die Belichtungsdaten waren 1/250 Sekunde bei Blende f/10 und ISO 200.

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Nicht ohne Ironie möchte ich anmerken, daß mir selbst besagte Günther-Klotz-Anlage bei der ersten Annäherung (aufgrund der Nähe zu Industriegebiet und Rheinhafen) wie eine riesige Abraumhalde vorkam … doch betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Eine Person, vermutlich eine junge Frau (rote Linien ebd.), unbewegt auf einem fahlen Weg (grüne Linien ebd.) und vor einem blattlosen Doppelbaum (orange Linien ebd.) stehend, rechts oberhalb davon die bleiche Sonne (gelbe Linien ebd.), das ist die Essenz dieses sehr geheimnisvollen und düsteren Bildes.

Die Anordnung der beschriebenen Elemente gibt die Blickrichtung vor, diese beginnt in der Mitte des unteren Bildrandes, setzt sich in einer Aufwärtsbewegung fort, um dann schräg nach rechts oben zu ziehen (violette Linien ebd.). Die sehr akzentuierte Kuppe stellt zugleich die Horizontlinie dar und strukturiert den Raum (blaue Linie ebd.)

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Zweigeteilt, mit kaum belegten Mitten und insgesamt nach links versetzt zeigt sich das Histogramm, einer düsteren und hochkontrastigen Anmutung des Bildes entsprechend.

Es liegen markante Tonwertabbrüche im Schattenbereich vor, die hier aber als zulässiges Gestaltungsmittel die Bildwirkung noch verstärken.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Dominik zeigt uns eine interessante und geheimnisvolle Arbeit. Er selbst erwähnt ‚Frühling und Herbst‘, doch meinte ich im Bild auch eine Symbolisierung ‚beginnenden Lebens und nahenden Todes‘ zu erkennen.

Im Vergleich zu der sehr dichten Motivgruppe von Weg, Person, Bäumen und Sonne erscheint mir der Raum allerdings zu weitläufig, zu sehr vom eigentlichen Bildgeschehen ablenkend.

Meine Überarbeitung (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) zeigt daher einen Beschnittvorschlag, der nach meinem Eindruck das Geschehen weiter verdichtet und die Dramatik noch steigert.

Mir fiel noch auf, daß Dominiks Homepage wegen einer Vielzahl von Bildern auf der Startseite sehr lange lädt. Vielleicht könnte er hier noch einiges unterteilen und ausverlagern. Auch die Anbringung eines vollgültigen Impressums wäre zu empfehlen.

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Bildteil:

Komposition: Grundelemente und Blickführung

Tonwerte: Histogramm und Schattenbeschnitt

Überarbeitung: Beschnittvorschlag

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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1 Antwort
  1. Michael Schommer says:

    Meine Anerkennung an Herrn Haitz für das Foto, was mich als Betrachter fasziniert und festhält. Es appelliert an so eine Art Endzeitstimmung.
    Die Bearbeitung macht die Kälte und Bedrohlichkeit in der Tat noch unmittelbarer und näher, bringt aber auch gleichzeitig eine Spannungsminderung mit sich: zum Einen geht von der Verlorenheit ein Teil verloren, zum Anderen wird durch das Aufheben der recht zentralen Struktur (mit den Bäumen, die quasi einen „letzten Halt geben könnten vor dem Abrutschen“) und dem Wegfallen der schräg abfallenden Horizonte zu den Seiten eines der beängstigenden Motive auch hinausgenommen.
    Gut, aber anders.

    Antworten

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