Leserfoto:
Kontrastreiche Landschaftsdarstellung

Einige Feinheiten der Schwarzweißausarbeitung von Landschaftsaufnahmen wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Thomas Ruschel aus dem saarländischen Eppelborn hat uns das obige Bild unter dem Titel „Schesaplana” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Bild entstand Anfang September 2013 im Rahmen einer Wanderung von Hütte zu Hütte im Rätikon. Es wurde morgens gegen 10 Uhr aufgenommen. Das Bild soll den Gipfel des Schesaplana mit seinen Kontrastreichen und schroffen Felsen zeigen, die besonders von dieser Seite zu sehen sind. Im Kontrast dazu stehen die weichen Wolken im Hintergrund, die wie ein Bett für den Gipfel wirken. Um diesen Kontrast zu unterstreichen habe ich eine kontrastreiche Schwarz-Weiß-Wiedergabe gewählt. Als Kamera kam eine Olympus E-PL1 mit Sigma 19mm/2.8 zum Einsatz. Das Bild wurde bei Blende 5 und 1/2000s fotografiert und erst nachträglich in schwarz-weiß umgewandelt.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Thomas bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von
38 mm bei einem Formatfaktor von 2.0 sowie die Sensorempfindlichkeit von ISO 200.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Die maßgeblichen Strukturen des Bildes formen sich aus der zackig verlaufenden Grenze zwischen Schnee- und Geröllfeld im Vordergrund, der Kammlinien im oberen Bilddrittel sowie einigen von links unten auf das Massiv zulaufender Linien (rote Linien ebd.).

In der Blickführung ergibt sich so ein Einstieg links unten mit Weiterleitung nach rechts oben, um dann am rechten Bildrand umzudrehen und entlang des Kamms nach links oben zu ziehen (gelbe Linien ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Angedeutet zweigipflig und leicht nach links versetzt bei einem Median von gut 110 präsentiert sich das Histogramm. Der Dynamikumfang der Szene wurde gut eingefangen, maßgebliche Tonwertabbrüche liegen entsprechend nicht vor.

Das Bergmassiv liegt in den Zonen I bis II, das Schneefeld in seinen dunklen Partien in Zone V bis VI, in seinen hellen Partien in Zone VII bis VIII. Wenig abgesetzt davon ist das Wolkenfeld in Zone VIII bis IX.

Problembereiche (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

  1. Gerade die Darstellung der Schattenbereiche des Schnees ist oftmals heikel. Der hier etwas ’schmutzige‘ Eindruck dieser Partie hätte durch Abwedeln um ein bis zwei Zonen gemindert werden können.
  2. Die helle Partie des Schneefeldes und des Wolkenfeldes differenzieren kaum in den Tonwerten, so daß sich kein wirklicher Räumlichkeitseindruck herstellen will. Überdies wirkt die Wolkenpartie in ihrer Struktur etwas ‚käsig‘. Eine weichere und etwas dunklere Ausarbeitung der Wolken wäre zu empfehlen gewesen, um diesen beiden Aspekten entgegenzuwirken.
  3. Die ‚Wolkenschatten‘, also die dunkler um den Wolkenrand abgesetzten Partien und der insgesamt unruhige Himmel irritieren etwas. Auch hierin wirkt die Bearbeitung zu kontrastreich.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Einige aus meiner Sicht bestehende Problembereiche dieser Ausarbeitung mit Lösungsvorschlägen hatte ich oben bereits angeführt.

Gerade bei der Schwarzweißbearbeitung von Landschaften sollte der Himmelsbereich mit besonderer Vorsicht angegangen werden, um Artefakte in Form übermäßiger Kontrastkanten und überharter Strukturen zu meiden.

Auch eine Spiegelung (siehe dazu untenstehendes ‚Vergleichsbild‘) mit ihrer mir etwas eingängiger erscheinenden Blickführung (gelbe Linien ebd.) ist erwägenswert.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

Problembereiche

Vergleichsbild

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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