Leserfoto:
Entenflug

Einen interessanten Gestaltungsansatz im Sinne von ’nah und fern, scharf und unscharf‘ möchte ich in der heutigen Bildbesprechung vorstellen.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Hans Müller aus Reutlingen hat uns das obige Bild unter dem Titel „Entenflug” in der Kategorie ‚Natur/Tier‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Aufnahmedaten: Canon PowerShot SX 20 IS 1/500 sec; f/5,7; ISO 200; Br.w. 100 mm; Ich habe an einem eher diesigen Tag am (Hoch-)Rhein fremdartige, offensichtlich auf der ‚Durchreise‘ befindliche Wasservögel gesehen und zu fotografieren begonnen. Aus grösserer Entfernung näherte sich ein Entenschwarm in der Luft, den ich mit der grossen Brennweite ‚verfolgte‘. Von mehreren Bildern gefällt mir dieses ganz gut. Nah im Vordergrund hängende Weidenzweige ergeben dieses beinahe abstrakte Muster, das in meinen Augen eine ganz reizvolle Stimmung erzeugt. Bei der Bearbeitung wurde nur etwas aufgehellt und das Blau des Himmels leicht verstärkt. Den Bildausschnitt habe ich nicht verändert. Frdl. Gruß H. Müller”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Hans bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die kleinbildäquivalente Brennweite von 560,0 mm (!) bei einem Formatfaktor von 5,6.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Eine kleiner Vogelscharm, bestehend aus zwei Gruppen zu je drei und zwei allein fliegenden, jeweils deutlich gezeichneten Enten stellt den Blickfang in diesem Bild dar. Die Flugrichtung geht nach rechts, entsprechend wird auch der Blick geführt (rote Linien ebd.).

Konstrastierend dazu erkennen wir im Vordergrund schemenhaft und in Unschärfe fallend einige Weidenzweige, welche den Flug der Enten in einer fast dramatischen Weise umrahmen (gelbe Linien ebd.).

Einige Defokussierungsartefakte fallen noch ins Auge (blaue Kreuze ebd.).

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm stellt sich mittenbetont und etwas nach rechts versetzt bei einem Median von knapp 170 dar. Der Tonwerte reichen von Zone I bis IX, der Dynamikumfang ist somit nicht ganz ausgeschöpft.

Farben:

Ein durchgehender Blauton beherrscht das Bild.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Motividee und Bildgestaltung ist durchaus reizvoll. Der Flug der Enten wird in seiner Dynamik von den geschwungenen Weidenzweigen aufgegriffen und vom Spiel der Schärfe und Unschärfe weiter unterstützt.

Selbst die sonst als Bildfehler anzusprechenden Defokussierungsartefakte fallen hier nicht sonderlich negativ auf, sondern fügen sich als Gestaltungsmerkmal ein.

Durch diese atmosphärischen Qualitäten reicht das Bild über einen einfachen Schnappschup weit hinaus.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte

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Bildteil:

Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
Mehr über die Profi-Bildkritik erfahren / Eigene Bilder zur Kritik einreichen.


4 Antworten
  1. Erica di Motta says:

    Hallo: schade, schade, ob jetzt die Flugrichtung „ein Durcheinander ist“ oder es schöner wäre, wenn alle in einer Richtung fliegen würde, sehe ich nicht unbedingt als Diskussionspunkt. Grundsätzlich fokussiere ich so, daß kein Gras oder ähnliches im Vordergrund schwach sichtbar ist. Wenn mir solche Aufnahmen passieren, benutze ich sofort die Löschtaste an der Kamera. Entweder Vordergrund scharf oder Objekt fokussiert.
    Bedauerlicherweise muss ich dies so definieren.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Man hat mich bisweilen (hier weniger, eher in den Diskussionen auf Spiegel Online) bezichtigt, einer gewissen Dogmatik im Regelwerk zu huldigen. Hier ist es gewissermaßen andersherum: wie oben dargelegt, erkenne ich den Regelbruch als atmosphärisch bereicherndes Element an …

      Und noch eine Ergänzung, eher an Laderio gerichtet: ja, wir wollen hier auch gewöhnliche Bilder besprechen; eben auch solche, die es nicht in die Galerie schaffen, die aber für die betreffenden Fotografen möglicherweise wichtige Stationen in der fotografischen Entwicklung darstellen. In diesem Sinn …

  2. laderio says:

    Bezüglich Flugrichtung muss ich widersprechen. Diese geht nach meinem dafür halten nach links…
    Ansonsten finde ich das Bild ganz nett, aber man hat sich auch schnell satt gesehen.

    Antworten
    • Thomas Brotzler says:

      Parbleu, Du hast Recht mit der Flugrichtung! Die Blickbewegung nach rechts unten (rote Linie) bleibt aber kompositorisch wichtig bzw. bestimmend …

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