Leserfoto:
Vom Fluch der leichtgängigen Fotografie

Das ohne Mühe gewonnene Bild ist nicht zwingend auch ein gutes Bild.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Holger Uhlig aus dem oberfränkischen Walsdorf hat uns das obige Bild unter dem Titel „Grandfather Mountain” in der Kategorie ‚Landschaftsfotografie‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Fotografiert mit einer Nikon D2x und einem Nikkor Zoom 18-200. Grandfather Mountain, North Carolina; Oktober2013. Die Szenerie hat mir gefallen im Vordergrund der Berg, auf ihm die ‚Bergsteiger‘ (man kann den größten Teil mit dem Auto hinauffahren) und im Hintergrund die Weite der Great Smokey Mountains.”

Über seine Ausrüstung hatte Holger bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch die rechnerische Brennweite von 62 mm (einer kleinbildäquivalenten Brennweite von 93 mm bei einem Formatfaktor von 1.5 entsprechend), die Belichtungszeit von 1/13 Sekunde bei Blende f/22.0 und ISO 100.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Aufnahmesetup:

Für eine weitläufige Landschaftsaufnahme wäre eine Blende f/11.0 zur Erzielung einer ausreichenden Schärfentiefe angemessen gewesen, was auch der Gefahr der Bewegungs- und Beugungsunschärfe bei weit geschlossener Blende entgegengewirkt hätte.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Im Sinne eines klassischen ‚Blick-vom-Berg-runter-Szenarios‘ erfolgt der Blickeinstieg bei der etwa im Bildviertel links oben positionierten, etwas unscharf wirkenden Personengruppe (rote Linien), um dann dem Abhang hinunter zu folgen (gelbe Linien ebd.) und bei der Betrachtung des Tales zu enden (blaue Linien ebd.).

Ein unglücklicher Baumanschnitt rechts unten irritiert (oranges Kreuz ebd.). Sowohl der Vordergrund in der linken unteren Bildhälfte (grüne durchgezogene Linien ebd.) wie auch der Hintergrund in der rechten Bildhälfte (grüne punktierte Linien ebd.) wirkt insgesamt flau, wenig strukturiert.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm zeigt sich rechtsversetzt bei einem Median von etwa 145. Es ist überdies zweigiplfig und weist so was auf den hohen, durch die Kamera nicht zu meisternden Dynamikumfang der Szene hin. Dies zeigt sich auch am weitläufig ausgebrannten Himmel.

Farben:

Fahle grünbraune und graublaue Farben herrschen im Bild vor.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Ich will Holger nicht zu nahetreten, aber diese Arbeit ragt mit ihren oben beschriebenen Mängeln (schlichte Komposition, unbereinigte Randbereiche, Bewegungs- und Beugungsunschärfe, flaue und wenig durchgezeichnete Struktur, Überbelichtung bzw. nicht gemeisterter Dynamikumfang) über das schon ‚millionenfach reproduzierte Touristen- und Erinnerungsbild‘ nicht hinaus.

Vielleicht geben uns Holgers eigene Hinweise auf die ‚Bergsteiger‘ zu denken – all das kostet ja keine Mühe mehr: das Auto fährt uns mitsamt unserer Ausrüstung den Berg hoch, die Kosten für Akkustrom und Bildspeicher sind vernachlässigbar, und Zeit müssen wir uns für die Motivsuche und Aufnahmesteuerung auch nicht mehr nehmen. Wenn wundert es, wenn daraus beliebige Bilder entstehen, die alsbald in Vergessenheit geraten?

Wie anders ging damals doch Ansel E. Adams vor, der seine schwere Großformatausrüstung stundenlang den Berg hochschleppte und sich ganz genau überlegen mußte, wofür er die wenigen mitgenommenen Planfilmkassetten verwenden wollte.

Weiteres zu einer ‚bedachten Fotografie in digitalen Zeiten‘ würde den Rahmen dieser Besprechung sprengen. Hier darf ich auf die Diskussion und unsere (schon vorhandenen oder noch ausstehenden) Tutorials verweisen.

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Bildteil:

Komposition

Tonwerte: Histogramm und Lichterbeschnitt

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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