Leserfoto:
Offensichtliches und Verborgenes

Den Reiz eines ins Verborgene gehenden Blickes, aber auch einige Probleme der Nachbearbeitung zeigt die heutige Bildbesprechung.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Armin Dietz aus Hannover hat uns das obige Bild unter dem Titel „Die Entdeckung” in der Kategorie ‚Schnappschuss‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Die verborgenen Bildteile sind passenderweise nur dem um die Ecke schauendem Jungen vergönnt.”

Zur Aufnahme wurde eine Nikon D50 verwendet. Zum Objektiv liegen keine Informationen vor. Die Brennweite betrug 35 mm (entsprechend 52.5 mm Kleinbildäquivalent bei einem Formatfaktor von 1.5), die Belichtungsdaten waren 1/250 Sekunde bei Blende f/8.0 und ISO 200 .

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Armin Dietz: „Bahnhof Hannover-Nordstadt 23:22”Armin scheint ein in Hinblick auf Ausrüstung und Themenwahl recht vielseitiger Fotograf zu sein.

Wir erinnern uns an seine Architekturarbeit, die wir unter dem Titel ‚Ein architektonisches Fabelwesen‘ im Januar 2014 hier besprochen hatten (siehe auch nebenstehendes Vorschaubild).

Doch betrachten wir nun zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente der heutigen Arbeit.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Als Blickfang dient die dunkel gezeichnete, etwa in das rechte untere Bildviertel gelegte Rückenpartie des neugierig ums Eck schauenden Jungen (rote Linien ebd.).

Dieser wird eingerahmt von einer Felskante im rechten Bildteil (blaue Linien ebd.). Eine weitere Felsformation mit ihrer Ufer- und Horizontlinie markiert den Hintergrund (gelbe Linien ebd.).

Die genannten Strukturen zielen mit ihren Fluchlinien auf den Jungen hin und betonen diesen noch.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Histogramm weist einen Median von gut 105 auf, es ist leicht nach links versetzt und mittenbetont. Geringe Tonwerteabbrüche im Schatten- und Lichterbereich liegen zwar vor, trüben aber den Bildeindruck nicht.

In ansehnlicher Staffelung vom dunklen zum hellen Pol erscheinen der Reihe nach der Junge, die schattigen und die lichten Pertien der rechten Felswand, das Meer, die hintere Felswand und der Himmel.

Gewissen Kummer im Sinne einer zu forcierten Bearbeitung (Abwedeln) bereiten die hellen Randsäume um den Jungen, die vordere Felskante sowie die Horizontlinie der hinteren Felsformation herum (siehe dazu untenstehendes Bild ‚Problembereiche‘)

Farben:

Etwas fahl bzw. diesig wirkende Grün-, Blau- und Gelbtöne beherrschen das Bild.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Die Bildidee ist recht interessant dadurch, daß der neugierig ums Eck blickende Junge zugleich als Blickeinstieg und Identifikationpunkt fungiert. Der Betrachter wird so ‚in das Bild mitgenommen und zugleich vor das Rätsel der verborgenen Bildpartie gestellt‘. Die Komposition ist ansprechend, insbesondere durch die zur Hauptperson hinführenden Fluchtlinien. Auch die Staffelung der Tonwerte vom dunklen zum hellen Pol weiß im Sinne des Räumlichkeitseindrucks zu gefallen.

Die Farben wirken insgesamt etwas fahl, hätten bei der vor Ort offensichtlich bestehenden Diesigkeit noch etwas Auffrischung vertragen. Recht eng wirkt die Spitze der hinteren Felsformation an die vordere Felskante gesetzt – ‚etwas mehr Luft‘ hätte hier den Eindruck von Weitläufigkeit noch verstärkt. Von engagierter, leider aber übertriebener Bearbeitung künden die hellen Randsäume.

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Bildteil:

Komposition: Grundsätzliche Bildelemente

Tonwerte: Histogramm und Zoneneinteilung

Problembereiche: Darstellung der Randsäume durch Posterisation

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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