Leserfoto:
Nebelstimmung

Reiz und Tücke des Nebelmotivs wollen wir in der heutigen Bildbesprechung diskutieren.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (4 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Michael Fröhlich aus Waren (Müritz) in Mecklenburg-Vorpommern hat uns das obige Bild unter dem Titel „30 42” in der Kategorie ‚Bildjournalismus‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Dieses Foto entstand während einer Reise nach Tuschetien, einer kleinen Bergregion in Georgien im Kaukasus. Gemeinsam mit den tuschetischen Hirten überquerten wir den 2926 hohen Abano-Pass, um die Schafherde über den Winter ins Tal zu treiben. Ich habe dieses Bild ausgewählt, weil es für mich mit am besten die Stimmung während des Abtriebs zum Ausdruck bringt. Die extremen Witterungsbedingungen, die sich in die Länge ziehende Schafherde, die einen geradezu hypnotisch immer weiter voran zieht, und dazwischen immer wieder diese verfallenen Schilder, die das einzige Anzeichen für Zivilisation sind und einen nicht die Hoffnung verlieren lassen, dass man auf dem richtigen Weg ist. Fotografiert habe ich mit der Canon EOS 5d Mark II und dem 24-105mm von Canon, ISO 400, f11, 1/250sek.”

Über Ausrüstung und Aufnahmedaten hatte Michael bereits berichtet. Zu ergänzen wäre noch, daß die rechnerische und kleinbildäquivalente Brennweite beim hier verwendeten Vollformat identisch ist.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Ein geheimnisvoll verbeultes, etwa im Bilddrittel links liegendes Straßenschild markiert den Blickeinstieg (rotes Bild ebd.). Der Blick schweift von dort zum rechten Bildrand, zu einer dort laufenden Schafherde (gelbe Linien ebd.).

Ein matschiger Weg fällt ins Auge (leuchtendgrüne Linien ebd.), schließlich noch angedeutete Hintergrundstruktur (blaßgrüne Linien ebd.).

Der Rest des Bild ist sehr hell ohne Detailzeichnung und mit minimaler Tonwertmodulation.

Tonwerte (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild):

Das Bild präsentiert sich in High-Key-Anmutung, das Histogramm ist entsprechend rechtsversetzt und -steil bei einem Median von etwa 210.

Neben dem Verkehrsschild ist einzig die Schafherde differenziert durchgezeichnet in den Zonen II bis VIII. Der Hintergrund von Himmel und schemenhaft erkennbarem Berghang fällt in die Zonen IX bis X.

Farben:

Gebrochene Grau- und Brauntöne bestimmen das Bild, einzig der blaue Farbtupfer des Verkehrsschildes fällt heraus.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Nebelmotive sind reizvoll, sie können durch dramatische und geheimnisvolle Anmutung starke Bildwirkung entfalten. Doch sie sind auch schwierig, denn oft gelingt es kaum, die Atmosphäre vor Ort zu visualisieren.

Was diese Arbeit von Michael angeht, ist mir die Komposition zu einfach, ‚zu schnell durchgeschaut‘, das Bild ‚hängt nach rechts unten‘ durch die dort platzierten Bildelemente und den weitläufig leeren Raum links oben.

Auch die tonale Befassung erscheint mir nicht optimal gelungen. Bei Nebelmotiven sollte der Kontrastumfang tunlichst nicht ausgeschöpft, die Lichter nicht bis in die Extembereiche gezogen werden, um die atmosphärische Anmutung nicht zu zerstören (siehe untenstehendes Bild ‚Vergleichsarbeit‘).

Mittel des Instrument ‚Tiefen/Lichter‘ habe ich die Lichter um 20% zurückgeholt und den Mitteltonkontrast um 10 Einheiten erhöht. Details des Mittel- und Hintergrundes zeichnen sich so besser ab, die Bildelemente hängen nicht mehr im weißen Raum (siehe untenstehendes Bild ‚Überarbeitung‘).

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Bildteil:

Komposition: Grundstrukturen

Tonwerte: Histogramm und Zonenverteilung

Überarbeitung: Rückholung der Lichterbereiche und Mittelkontrastverstärkung

Vergleichsarbeit aus dem eigenen Portfolio

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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