Tutorial:
Spannungsbögen in der Fotografie (4)

Ein fünfteiliges Grundlagentutorial über Bildkontraste – jene Gestaltungselemente also, aus denen sich ‚Alphabet und Worte der Bildwirksamkeit‘ zusammensetzen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung
2. Kontraste der Farbe und Helligkeit
  Kontraste der Farbe und Helligkeit (Fortsetzung)
3. Kontraste der Form und Proportion
4. Kontraste der Masse und Quantität
5. Kontraste der Intensität und Qualität
6. Kontraste der Bewegung und Richtung
7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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Nach diesen Kontrastarten der Farbe wenden wir uns nun jenen der Form, der Masse, der Struktur und der Bewegung im Raum zu. So die Erstgenannten ‚atmosphärischer‘ sind, sind die Letztgenannten ‚objektnäher‘ und von grundlegender Bedeutung für eine reichhaltige und gelungene Komposition.

3. Kontraste der Form und Proportion

Bei dieser Kontrastart steht die Geometrie einzelner Objekte im Vordergrund und wirkt durch ihren Gegensatz. So lassen sich Begriffspaare wie ‚rund und eckig‘, ‚gestaucht und gestreckt‘, ‚gerade und krumm‘, ‚lang und kurz‘, ‚breit und schmal‘, ‚dick und dünn‘ o. ä. bilden.
Abb. 18: Steffen Rothammel, 'Zusammen'In der Abbildung 18 etwa zeigt sich ein spannungsvoller Gegensatz zwischen den kompakten, fast die ganze Bildhöhe einnehmenden Personen links und dem grazilen Fahrrad rechts.

 

 

 
Abb. 19: Benno Köglmaier, 'München'Die Abbildung 19 zeichnet sich hingegen durch ihren elegant wirkenden Gegensatz zwischen geraden und bogigen Elementen aus.

 

 

 

 

 

 
4. Kontraste der Masse und Quantität

Bei dieser Kontrastart wird die Betrachtung der einzelnen Elemente zugunsten einer solchen der Häufung und Stellung der gruppierten Elemente im Raum hintangestellt. Dazu passende Begriffspaare sind etwa ‚viel und wenig‘, ‚klein und groß‘, ‚häufig und selten‘, ‚Ballung und Lockerung‘, ‚Verdichtung und Ausdünnung‘, ‚Konzentration und Verteilung‘ o. ä.

Abb. 20: Dominik Haitz, 'Neumarkt Dresden'Abbildung 20 zeigt eine fast abstrakt wirkende Draufsicht auf eine Straßenszene. Wenngleich das Pflaster sehr weitläufig wirkt, so genügt die Andeutung eines Kreises aus Personen, Statue und Fahrrad mit dem zentralen Paar, um im Bild eine deutliche Verdichtungszone zu schaffen.

 
Abb. 21: Dirk Wenzel, 'mit Schwung'In Abbildung 21 zeigt sich ein bildwirksamer Spannungspol zwischen der hell beschienenen und gegenüber dem dunklen Hintergrund isoliert wirkenden Person links und der durch die perspektivische Verkürzung so verdichtet wirkenden Menschengruppe an den Tischen rechts.

5. Kontraste der Struktur und Qualität

Mit dieser Kontrastart verlassen wir die Welt der Objektgeometrie und -platzierung und wenden uns den Aspekten der Stofflichkeit bzw. Feinstruktur zu. An passenden Gegensatzpaaren lassen sich etwa ‚matt und glänzend‘, ’stumpf und brillant‘, schwach und intensiv‘, ’scharf und unscharf‘ o. ä. aufzählen.

Abb. 22: Alexander Dewor, 'Abendliche Stille am See'Sehr beeindruckend zeigt sich etwa in Abbildung 22 der Spannungspol zwischen den sehr fein gezeichneten Baumstämmen und dem durch Langzeitbelichtung weichgezeichneten Wasser.

 

 

 
Abb. 23: Martin Dietrich, 'Reflecting Surfaces'Die Abbildung 23 weiß durch ihren Gegensatz zwischen stumpfen, matten, leicht reflektierenden und richtiggehend spiegelnden Flächen zu gefallen.

 

 

 
6. Kontraste der Bewegung und Richtung

Mit dieser Kontrastart kommen wir nochmals in den Bereich der ‚Stellung und Verteilung im Raum‘ zurück, allerdings unter dem Gesichtspunkt der Bewegung und Richtung. Dazugehörige Begriffspaare sind etwa ‚ruhende und bewegte Elemente‘, ‚Stille und Turbulenz‘, ‚fließende und rotierende Bewegung‘, ‚hinauf und hinunter‘, ’nach links und nach rechts‘, ’steigend und fallend‘ o. ä.

Abb. 24: Christian Schmid, 'Schattenspiel'Ein schönes Beispiel für reichhaltige Dynamik durch wenige Elementen zeigt Abbildung 24. Die Schaukel und das angeschnittene Mädchen stehen für Bewegung und Aufwärtsstreben, während der Schattenwurf des Mädchens zugleich stillzustehen scheint und die Entsprechung der Schaukelketten den Gegenpol der Abwärtsbewegung symbolisiert.

 
Abb. 25: Eigenes Portfolio, 'Glemstal bei Hemmingen'Ich darf den Bilddurchgang mit einem Beispiel aus dem eigenen Portfolio beschließen. In Abbildung 25 finden sich stillstehende (die Baumstämme und der Uferbewuchs) und bewegte (das durch Langzeitbelichtung weichgezeichnete und die mitgeführten Elemente in seiner Fließrichtung zugleich verdeutlichte Wasser, die bewegungsunscharfen Blätter) Elemente gegenübergestellt.

 

 

 

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Soweit in der heutigen Folge. Die letzte Folge dieses Tutorials erscheint in der kommenden Woche.

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