Tutorial:
Spannungsbögen in der Fotografie (5)

Ein fünfteiliges Grundlagentutorial über Bildkontraste – jene Gestaltungselemente also, aus denen sich ‚Alphabet und Worte der Bildwirksamkeit‘ zusammensetzen.

Überblick (bereits erschienene Teile sind verlinkt)
1. Einführung
2. Kontraste der Farbe und Helligkeit
  Kontraste der Farbe und Helligkeit (Fortsetzung)
3. Kontraste der Form und Proportion
4. Kontraste der Masse und Quantität
5. Kontraste der Intensität und Qualität
6. Kontraste der Bewegung und Richtung
7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung
Bisherige Tutorials des Autors

 

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7. Zusammenfassung und Schlußbemerkung

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Nach dieser Übersicht über die verschiedenen Arten des Bildkontrastes – jenen der Farbe, Form, Menge, Stellung und Bewegung – möchte ich nochmals kurz auf den Einstieg in dieses Tutorial zurückkommen. ‚Spannungsbögen‘ wurden dort angedeutet, ein ‚Alphabet der Bildwirksamkeit‘ in Aussicht gestellt …

Die Bildkontraste stellen nach meiner Auffassung tatsächlich einen ‚Mittelbau der Bildkomposition‘ dar – da es immer um Bezugnahmen und Vergleiche geht, wird die Ebene des kompositorischen Einzelelements (Punkt, Linie, Kreis, Dreieck, Viereck, Vieleck, …) eindeutig überschritten; andererseits mag ein einzelner bzw. der vorrangige Bildkontrast zwar im Fokus der Aufmerksamkeit stehen, er macht aber nie die gesamte Komposition aus.

Was bedeutet das Gesagte nun für die fotografische Praxis? Nun, eine zentrale These der Bildwirksamkeit lautet: „Bilder leben von der geschickten Anordnung kompositorischer Einzelelemente im Sinne kontrastreicher Spannungsbögen.”

Manche bei der Aufnahme bereits angelegte Bildkontraste lassen sich durch geschickte Nachbearbeitung noch herausarbeiten und verdeutlichen. Mehr noch sind wir jedoch bereits im Stadium der Motiverarbeitung und Ausschnittfestlegung gefragt. Dort (also vor Ort) empfehlen sich Überlegungen wie etwa: „Welche Absicht verfolge ich mit dem Bild, was möchte ich damit ausdrücken? Welche Arten von Bildkontrasten kann ich in der gesehenen Szene erkennen? Kommen diese meiner Bildabsicht zupaß? Kann ich durch eine Veränderung des Standortes das Zusammenspiel von Einzelelementen und Bildkontrasten noch verbessern? Oder hierin noch eine bessere Auswahl treffen (Anfängerbilder sind oft kompositorisch überladen)?”

Sich solches vor Augen zu führen geht nach meinem Dafürhalten nicht im Vorübergehen, es braucht stattdessen Zeit und Muße. Nehmt Euch diese doch, Ihr seid beim Fotografieren nicht auf der Flucht! Etwas ‚Entschleunigung und Kontemplation‘ tut dem Bild meistens gut. Lieber weniger Bilder, diese aber mit Überzeugung machen, statt derer viele, von denen dann bei der späteren Monitorschau womöglich viele enttäuschen.

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Bisherige Tutorials des Autors (chronologisch, verlinkt)
1. Nachtfotografie mit digitaler Ausrüstung (3 Teile)
2. Digitale Filmkornsimulation (2 Teile)
3. Abwedeln und Nachbelichten in der Digitalfotografie (2 Teile, mit Aktionsset)
4. Vier W-Fragen bei der digitalen Bildschärfung (3 Teile)
5. Das Zonensystem (3 Teile)
6. Festbrennweiten vs. Zoomobjektive – Ein praxisnaher Vergleich bei 35 mm … (3 Teile)
7. Schärfung, lokaler und globaler Kontrast – eine Begriffsklärung … (2 Teile)
8. Lensbaby-Objektive (2 Teile)
9. Lensbaby-Look (2 Teile)
10. Die bildnerische Erarbeitung von Industrieruinen (4 Teile)
11. Möglichkeiten der Bildverfremdung in der klassischen Fotografie (4 Teile)
12. Porträtfotografie (4 Teile)
13. Das Werkzeug ‘Tiefen/Lichter’ (4 Teile)
14. Gestaltpsychologie (4 Teile)
15. Blickwege bei der Bildbetrachtung (4 Teile)
16. Posterisation als ergänzendes Hilfsmittel der Bildanalyse (2 Teile)
17. Waldfotografie (4 Teile)
18. Schärfentiefe (5 Teile)
19. Das digitale Belichtungsdilemma (5 Teile)

 

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