Leserfoto:
Comic strip einer Stadtlandschaft

Das heute vorgestellte Bild ist etwas für Freunde von unkonventionellen Erzählstilen und provokanten Inhalten.

Überblick
Einleitung
Beschreibung
Zusammenfassung
Bildteil (2 Bilder)

 
Ausgangsbild

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Unser Leser Olaf Gottschalk aus München hat uns das obige Bild unter dem Titel „NewYorkology” in der Kategorie ‚Street/Strasse‘ zur Besprechung eingereicht.

Er schreibt dazu: „Februar 2006 in New York – eingefangen in einer typischen nebligen Nacht in den Straßenschluchten von New York. Die Idee die drei unabhängig geschossenen Einzelmotive in dieser Form zusammenzufügen ist mir erst später beim Nachbearbeiten gekommen. Es hat mich überrascht, wie sehr die Farbe Gelb, sowohl durch die Taxen als auch durch das warme Kunstlicht im Nebel, zusammenpasst. Die Einfassung mit den drei gelben Balken erzeugt zusätzlich für mich den Effekt einer Erzählung, fast wie in einer Bildergeschichte – die Geschichte mag sich der geneigte Betrachter selbst dazu erdenken. [Kollage verschiedener Straßenmotive aus New York, freihand, Canon EOS 350D mit Kit 18-55mm Objektiv]”

Über die Ausrüstung hatte Olaf bereits berichtet, zu den Aufnahmedaten liegen uns keine Informationen vor.

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Betrachten wir zunächst wieder die grundsätzlichen Bildelemente.

Komposition:

In Hinblick auf die Bildkonstruktion (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) fallen zunächst die schwarzen Balken am oberen und unteren Rand ins Auge, die das Bild wie einen aneinandergereihten, ‚erzählfreudigen‘ Negativfilm bzw. comic strip wirken lassen.

Interessant sind die Abmessungen der einzelnen Bildteile: die vertikal verlaufenden, orangen Balken verjüngen sich von links nach rechts und vermitteln so die Illusion eines ‚in das Bild Tretens bzw. Hineingezogenwerdens‘; die Abbildungen als solche widersetzen sich einem solchen Rhythmus, indem das zweite Bild etwas breiter wie das erste Bild ist, das dritte Bild dann aber deutlich schmaler bleibt, wie wenn hier noch eine Fortsetzung über den rechten Bildrand hinaus zu erwarten wäre.

In Hinblick auf die Grundelemente (siehe dazu untenstehendes, gleichnamiges Bild) herrscht ein interessanter ‚Rhythmus aus Wiederholungen und Abbrüchen‘ vor: die Straßenflucht des ersten Bildes mit seinem Fluchtpunkt (rote Linie ebd.) und den Häuserstürzen (gelbe Linien ebd.) taucht in ähnlicher, jedoch verkleinerter Form wieder im zweiten Bild auf, um dort am unteren Bildrand noch von einem vorbeihuschenden Taxi (grüne Linien ebd.) ergänzt zu werden.

Im dritten Bild wiederum finden wir jenes Taxi wieder, es wird aber teilweise von der eigentlichen Hauptperson überdeckt – einer jungen Frau, offensichtlich etwas verzweifelt und erfolglos auf der Suche nach einer entsprechenden Mitfahrmöglichkeit (blaue Linien ebd.).

Farben:

Gebrochene Gelb- und Rottöne beherrschen das Bild, ein einzelner roter Farbtupfer ragt hervor, das Gelborange als Grundton ‚hält das Bild zusammen‘.

Die Graustufenumwandlung, die ich hier aus Veranschaulichungsgründen wählte, zeigt auf, daß ‚das Bild der Farben bedarf‘ – in schwarzweiß geht das vorbeihuschende Taxi des zweiten Bildes zu sehr unter.

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Zusammenfassung:

Thomas Brotzler

  Thomas Brotzler

Eine ’schöne Bilderzählung mit tiefer Straßenflucht, huschendem Taxi und verlorener Person‘ zeigt uns Olaf hier, eine ‚Geschichte der zeitweiligen Verlorenheit des Menschen im der Großstadt‘.

Die bewußt etwas sperrige bzw. holprige Konstruktion der Bildserie (siehe obige Hinweise zu den Abmessungen) und die Anmutung der Fortführung über den rechten Bildrand hinaus visualisiert den hochdynamischen Eindruck der Szene sehr eindrücklich.

Es ist meines Erachtens kein Bild, welches jedem Betrachter gefallen wird – gerade solche mit ‚konventioneller Seherwartung‘ werden davon möglicherweise eher abgeschreckt sein. Für diejenigen, die Freude an unkonventionellem Erzählstil und provokanten Inhalten habe (zu denen ich mich zähle), werden aber ihren Gefallen an dieser Arbeit finden.

Meine Phantasie zu diesem Bild hatte ich schon geäußert (Olaf: „die Geschichte mag sich der geneigte Betrachter selbst dazu erdenken.”). Ich bin gespannt, welche Vervollständigungen die Diskussion hierzu noch bringt …

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Bildteil:

Komposition: Bildkonstruktion

Komposition: Grundelemente

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Einfache Monitore mit sogenanntem TN-Panel sind werkseitig selten auf eine korrekte Farb- und Helligkeitswiedergabe eingestellt. Insbesondere die tiefen Schatten (Zonen 0 bis II) wirken oft wie verklumpt. Die Bilder sind so nur eingeschränkt beurteilbar, da der Monitor nicht das wiedergibt, was der Fotograf beabsichtigte.

Für eine orientierende Monitorprüfung eignet sich der nachstehende Graustufenkeil. Sind alle 26 Abstufungen unterscheidbar, ist zumindest hinsichtlich der Tonwerte alles in Ordnung.

Wenn nicht, ist eine Kalibrierung des Monitors zu empfehlen – softwareseitig bzw. unter Augenkontrolle mit kostenlosen Tools wie etwa dem Monitor Calibration Wizard (das bekannte Adobe Gamma ist mittlerweile nicht mehr verfügbar), hardwareseitig bzw. unter Sensorkontrolle mit Geräten etwa von Datacolor oder X-Rite.

Orientierende Monitorprüfung


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In der Rubrik ‚Bildkritik‘ analysieren Profi-Fotografen im Auftrag von fokussiert.com montags bis freitags jeweils ein Foto aus der Leserschaft.
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